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Wissen

Wissen · Glossar

Glossar.

Die Fachbegriffe der Kräuter- und Duftkunde kurz erklärt: wie Zubereitungen entstehen und was hinter den Stoffgruppen in den Inhaltsstoff-Tabellen steckt.

A

Abkochung Zubereitung

auch: Dekokt

Die Abkochung, fachsprachlich Dekokt, ist der Wasserauszug für harte Pflanzenteile wie Rinden, Wurzeln und Samen: Das zerkleinerte Material wird mit kaltem Wasser angesetzt, aufgekocht und je nach Pflanze zehn bis zwanzig Minuten geköchelt, dann abgeseiht. Erst die anhaltende Hitze schließt das feste Gewebe auf, das im bloßen Aufguss kaum etwas abgibt. Klassische Beispiele im Bestand sind die Eichenrinde sowie die Wurzeln von Klette und Alant. Für Bäder, Umschläge und Spülungen wurde der Sud in der Hausapotheke deutlich stärker angesetzt als für den Trinktee.

Aldehyde Inhaltsstoff

auch: Monoterpenaldehyde, Aromatische Aldehyde

Aldehyde tragen eine endständige Carbonylgruppe (–CHO) und gehören zu den duftstärksten Bestandteilen ätherischer Öle. Citral, ein Gemisch aus Geranial und Neral, bestimmt den Zitronenduft von Zitronengrasöl und Melissenöl; der aromatische Zimtaldehyd macht 60–75 % des Zimtöls aus. Citral und Zimtaldehyd zählen zu den deklarationspflichtigen Duftstoff-Allergenen. Aldehydreiche Öle reizen und sensibilisieren die Haut: nie unverdünnt auftragen, die Verdünnungsgrenze der jeweiligen Monografie einhalten und vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest in der Armbeuge machen.

Ätherische Öle: Sicherheit & Verdünnung →

Alkaloide Inhaltsstoff

auch: Pyrrolizidinalkaloide, β-Carbolin-Alkaloide

Alkaloide sind stickstoffhaltige, meist basisch reagierende Pflanzenstoffe; der Name verweist auf ihre laugenähnliche, alkalische Natur. Die Gruppe ist chemisch sehr vielfältig: Sie umfasst das Coffein der Kaffeebohne ebenso wie einige der stärksten Pflanzengifte, etwa das Atropin der Tollkirsche oder das Aconitin des Eisenhuts. Unter den hier beschriebenen Kräutern enthält der Bockshornklee Trigonellin, die Passionsblume Spuren von Harman-Alkaloiden und der Beinwell Pyrrolizidinalkaloide. Viele Alkaloide sind schon in kleinsten Mengen giftig, Pyrrolizidinalkaloide gelten als leberschädigend: Beinwell nur äußerlich anwenden und niemals einnehmen.

Ätherisches Öl Inhaltsstoff

auch: Ätherische Öle, Ätherisches Öl mit Sesquiterpenlactonen

Ätherische Öle sind flüchtige, stark duftende Stoffgemische, die Pflanzen in Öldrüsen, Drüsenhaaren oder Ölgängen speichern. Gewonnen werden sie meist durch Wasserdampfdestillation, Zitrusöle durch Kaltpressung der Fruchtschalen; anders als fettes Öl verdunsten sie, ohne einen Fettfleck auf Papier zu hinterlassen. Ein einziges Öl besteht oft aus Hunderten Einzelstoffen: Den Duft von Lavendel prägen Linalool und Linalylacetat, den der Pfefferminze das Menthol, und im Kamillenöl entsteht erst bei der Destillation das tiefblaue Chamazulen. Ätherische Öle sind hochkonzentriert: Niemals unverdünnt auf die Haut auftragen; für Kinder, Schwangere und Haustiere gelten strengere Grenzen.

Ätherische Öle: Sicherheit & Verdünnung →

Aufguss Zubereitung

auch: Infus

Der Aufguss, fachsprachlich Infus, ist die gebräuchlichste Form des Kräutertees: Heißes Wasser von etwa 90 bis 95 °C wird über zerkleinerte Blüten, Blätter oder Kraut gegossen, die Mischung zieht abgedeckt meist fünf bis zehn Minuten und wird dann abgeseiht. Der Deckel hält die ätherischen Öle im Gefäß, die sonst mit dem Dampf entweichen. Wasser löst vor allem Gerbstoffe, Flavonoide, Schleim- und Aromastoffe; zarte Pflanzenteile wie bei Kamille, Pfefferminze oder Melisse geben sie auf diese Weise bereitwillig ab. Ein Aufguss ist nicht haltbar und wird am selben Tag verbraucht.

Kamillentee: der klassische Aufguss →

B

Balsam Zubereitung

Ursprünglich hießen Balsam die duftenden, zähflüssigen Harze bestimmter Bäume, die seit der Antike als Kostbarkeit gehandelt wurden. In der Hausapotheke steht der Begriff heute für eine salbenartige, mit Wachs gebundene Zubereitung, die einen hohen Anteil ätherischer Öle oder Harze trägt und meist fester ist als eine Salbe. Beispiele im Bestand sind der Erkältungsbalsam mit Eukalyptus- und Pfefferminzöl und der Lippenbalsam aus Bienenwachs. Balsame mit Eukalyptus-, Pfefferminz- oder Kampferöl nie bei Kindern unter 12 Jahren verwenden; unter 6 Jahren keine Balsame mit ätherischen Ölen. Einzige Ausnahme von 6 bis 12 Jahren: höchstens eine milde Mischung mit der Art Eucalyptus radiata (höchstens 0,5 %), nie im Gesicht und nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis.

Erkältungsbalsam nach Art der Hausapotheke →

Bitterstoffe Inhaltsstoff

Bitterstoffe bilden keine chemisch einheitliche Gruppe, sondern werden nach ihrem Geschmack zusammengefasst: Im Wermut sind es Sesquiterpenlactone wie das Absinthin, im Hopfen die Hopfenbittersäuren Humulon und Lupulon. Gemessen wird ihre Stärke als Bitterwert, also als die Verdünnung, bei der eine Probe gerade noch bitter schmeckt. Die Volksheilkunde schätzte bittere Kräuter wie den Löwenzahn als Magenmittel vor dem Essen, getreu dem Sprichwort „Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund“. Bei Magen- oder Darmgeschwüren keine Bitterkräuter verwenden; Wermut in der Schwangerschaft strikt meiden.

Frühjahrskur mit Wildkräutern →

C

Cumarine Inhaltsstoff

Cumarine sind aromatische Pflanzenstoffe, chemisch ringförmig geschlossene Abkömmlinge der Zimtsäure (Lactone); eine Sonderform mit zusätzlichem Furanring sind die Furocumarine. Ihr einfachster Vertreter, das Cumarin, liegt oft an Zucker gebunden vor und wird erst beim Welken frei – daher der Duft von frischem Heu und Waldmeister. Herniarin und Umbelliferon finden sich in Kamille und Lavendel, das unter UV-Licht bläulich leuchtende Aesculin in der Rinde der Rosskastanie, Spuren von Cumarin im Zimtöl. Cassia-Zimt enthält weit mehr Cumarin als Ceylon-Zimt, und in größeren Mengen belastet Cumarin die Leber: Cassia daher nur sparsam verwenden.

E

Ester Inhaltsstoff

Ester entstehen in der Pflanze aus einer Säure und einem Alkohol; in ätherischen Ölen sind es meist Acetate der Monoterpenole. Leitbeispiel ist Linalylacetat, das den weichen, fruchtigen Duft von Lavendelöl, Bergamotteöl und Muskatellersalbeiöl prägt; Bornylacetat gibt Fichtennadelöl seine Waldnote, Benzylacetat dem Jasminöl seine Süße. Beim Lavendel gilt ein hoher Linalylacetat-Anteil als Qualitätsmerkmal. Die Aromatradition schreibt esterreichen Ölen eine ausgleichende, entspannende Art zu.

Echtes Lavendelöl erkennen →

F

Flavonoide Inhaltsstoff

auch: Prenylflavonoide, Biflavone, C-Glykosylflavone, Isoflavone, Anthocyane, Chalkone, Flavonolignane

Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe aus der großen Gruppe der Polyphenole; ihr Name geht auf lateinisch flavus, gelb, zurück. Ihr Gerüst besteht aus zwei aromatischen Ringen, die eine Brücke aus drei Kohlenstoffatomen verbindet, und in der Pflanze liegen sie meist an Zucker gebunden als Glykoside vor. Zur Familie zählen die rot bis blauviolett färbenden Anthocyane im Holunder, die Isoflavone im Rotklee, die Biflavone im Johanniskraut und die Chalkone im Süßholz; eng verwandt sind die Flavonolignane der Mariendistel. Kaum eine Heilpflanze kommt ohne sie aus: In Blüten locken ihre Farben Insekten an, in Blättern schirmen sie das Gewebe gegen UV-Licht ab.

Furocumarine Inhaltsstoff

auch: Furanocumarine

Furocumarine sind Cumarine mit einem zusätzlichen Furanring, die die Haut lichtempfindlich machen (phototoxisch): Trifft nach dem Hautkontakt Sonnen- oder UV-Licht auf die Stelle, können Rötungen, Blasen und lange sichtbare Pigmentflecken entstehen. Bekannte Vertreter wie Bergapten und Bergamottin stecken vor allem in kaltgepressten Zitrusschalenölen wie Bergamotteöl, Zitronenöl und Grapefruitöl, außerdem in Doldenblütlern wie der Engelwurz. Das destillierte Petitgrainöl aus den Blättern des Bitterorangenbaums ist dagegen nicht phototoxisch. Nach dem Auftragen furocumarinhaltiger Öle die Haut 12–18 Stunden vor Sonne und Solarium schützen.

Ätherische Öle: Sicherheit & Verdünnung →

G

Gerbstoffe Inhaltsstoff

auch: Tannine, Hydrolysierbare Gerbstoffe, Catechingerbstoffe, Procyanidine, Oligomere Procyanidine

Gerbstoffe sind Polyphenole, die Eiweiße binden und vernetzen und auf der Zunge ein pelzig-zusammenziehendes Gefühl hinterlassen; ihren Namen verdanken sie dem Gerben von Tierhäuten zu Leder. Man unterscheidet hydrolysierbare Gerbstoffe wie die Ellagitannine im Frauenmantel von kondensierten Gerbstoffen aus Catechin-Bausteinen, zu denen die Procyanidine im Weißdorn gehören; die Eichenrinde enthält beide Typen reichlich. Traditionell bereitete man aus gerbstoffreichen Rinden und Kräutern Gurgelwasser, Umschläge und Sitzbäder. Gerbstoffe können die Aufnahme von Eisen und Arzneistoffen vermindern: Eisenpräparate und Medikamente mit ein bis zwei Stunden Abstand einnehmen.

H

Hydrolat Zubereitung

auch: Pflanzenwasser

Ein Hydrolat, auch Pflanzenwasser oder Blütenwasser genannt, ist das wässrige Destillat, das bei der Wasserdampfdestillation neben dem ätherischen Öl entsteht: Das leichtere Öl schwimmt im Auffanggefäß oben und wird abgetrennt, zurück bleibt Wasser mit gelösten Duftanteilen und Spuren ätherischen Öls. Das bekannteste Hydrolat ist das Rosenwasser, ein Nebenprodukt der Rosenöl-Gewinnung, das im persischen Raum seit dem Mittelalter in Küche und Körperpflege verwendet wurde; verbreitet sind auch Lavendel- und Orangenblütenwasser. Hydrolate verderben leichter als ätherische Öle: kühl und dunkel lagern und nach dem Öffnen innerhalb weniger Monate aufbrauchen.

I

Inhalation Zubereitung

Bei der Inhalation, im Hausgebrauch Dampfbad genannt, wird der Dampf von heißem Wasser eingeatmet, dem Kräuter wie Kamille und Thymian oder wenige Tropfen eines ätherischen Öls wie Eukalyptusöl zugesetzt sind. Klassisch beugt man sich über eine Schüssel und deckt Kopf und Schüssel mit einem Handtuch ab, damit der Dampf nicht entweicht; das Kamillendampfbad gehörte in der Erkältungszeit zum festen Repertoire der Hausapotheke. Kinder nie unbeaufsichtigt inhalieren lassen – umkippende Schüsseln verursachen schwere Verbrühungen. Eukalyptus-, Pfefferminz- und Kampferöl nicht bei Kindern unter 12 Jahren einsetzen.

Iridoidglykoside Inhaltsstoff

auch: Iridoide

Iridoide sind Monoterpene mit einem charakteristischen Doppelring; in den meisten Pflanzen liegen sie als Iridoidglykoside vor, also an Zucker gebunden. Sie sind nicht flüchtig, lösen sich in Wasser und schmecken oft bitter. Aucubin und Catalpol finden sich in Spitzwegerich und Königskerze, Harpagosid ist der Leitstoff der Teufelskralle, Agnusid der des Mönchspfeffers; ohne Zuckerteil kommen dagegen die Valepotriate der Baldrianwurzel aus. Aucubin zerfällt leicht: Spitzwegerich, der zu langsam trocknet, färbt sich schwarz.

K

Kaltauszug Zubereitung

Beim Kaltauszug werden Pflanzenteile mit kaltem Wasser angesetzt und ziehen sechs bis zwölf Stunden, oft über Nacht; danach wird abgeseiht und der Auszug vor dem Trinken leicht erwärmt. Gebräuchlich ist die Methode bei schleimreichen Pflanzen wie Eibisch und Leinsamen, deren Schleimstoffe Hitze schlecht vertragen. Bei der Bärentraube löst kaltes Wasser deutlich weniger Gerbstoff als der heiße Aufguss, weshalb die Überlieferung dort den kalten Ansatz bevorzugt. Weil das Wasser nie erhitzt wird, können sich Keime vermehren: Kaltauszüge kühl stellen und am selben Tag verbrauchen.

Auszugsmethoden im Vergleich →

Kaltpressung Zubereitung

Kaltpressung bezeichnet die mechanische Gewinnung von Öl ohne Wärmezufuhr. Bei Zitrusfrüchten wie Bergamotte, Zitrone und Orange wird das ätherische Öl so aus den Öldrüsen der Fruchtschale gepresst, statt es zu destillieren; bei fetten Ölen wie Lein- oder Olivenöl steht „kaltgepresst“ für eine Pressung bei niedriger Temperatur, die Geschmack und empfindliche Fettsäuren schont. Kaltgepresste Zitrusöle enthalten Furocumarine, die die Haut lichtempfindlich machen: nach dem Auftragen je nach Öl 12 bis 24 Stunden direkte Sonne und Solarium meiden.

Sicherheit & Verdünnung ätherischer Öle →

Ketone Inhaltsstoff

auch: Monoterpenketone, Sesquiterpenketone, Diketone

Ketone tragen eine Carbonylgruppe (C=O) im Inneren des Kohlenstoffgerüsts. Zu den Monoterpenketonen zählen Thujon im Salbeiöl, Kampfer in Rosmarinöl und Lavandinöl, Menthon im Pfefferminzöl und Carvon im Kümmelöl; das Sesquiterpenketon Nootkaton gibt Grapefruitöl seine herbe Note, Diketone (Italidione) kennzeichnen das Immortellenöl. Thujon und Kampfer sind nervengiftig und können Krampfanfälle auslösen. Öle mit hohem Thujon- oder Kampferanteil in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei Epilepsie nicht verwenden.

Ätherische Öle: Sicherheit & Verdünnung →

Klostermedizin Begriff

auch: Klosterheilkunde

Als Klostermedizin gilt die Heilkunde, die vom 8. bis ins 12. Jahrhundert vor allem in Benediktinerklöstern gepflegt wurde. Mönche und Nonnen schrieben antike Werke wie die Arzneimittellehre des Dioskurides ab, ergänzten sie um eigene Erfahrung und legten Kräutergärten an. Zu den frühesten Zeugnissen zählen das Lorscher Arzneibuch (um 795), der St. Galler Klosterplan mit seinem Heilkräutergarten und das Gartengedicht „Hortulus“ des Walahfrid Strabo, in dem Salbei, Fenchel und Wermut besungen werden. Im 12. Jahrhundert verband Hildegard von Bingen dieses gelehrte Wissen mit den volkstümlichen Pflanzennamen ihrer Zeit.

Hildegard von Bingen: Ihre wichtigsten Küchenkräuter →

M

Monoterpene Inhaltsstoff

Monoterpene sind die kleinsten Terpene ätherischer Öle: Kohlenwasserstoffe aus zehn Kohlenstoffatomen, aufgebaut aus zwei Isopren-Einheiten. Sie verdunsten rasch und tragen die frischen Kopfnoten – Limonen bestimmt den Duft von Zitronenöl und Orangenöl, α- und β-Pinen die harzige Note von Latschenkiefernöl und Zypressenöl. Nadel- und zitrusfrische Öle galten in der Aromatradition als belebende Raumdüfte. Monoterpene oxidieren an Luft und Licht schnell, und gealterte Öle können die Haut reizen und sensibilisieren: kühl, dunkel und fest verschlossen lagern und nach dem Anbruch zügig aufbrauchen.

Monoterpenole Inhaltsstoff

Monoterpenole sind Monoterpene mit einer Alkoholgruppe (–OH) und zählen zu den häufigsten Duftträgern ätherischer Öle. Linalool prägt Lavendelöl und Bergamotteöl, Geraniol und Citronellol stehen im Mittelpunkt von Rosenöl und Palmarosaöl, Terpinen-4-ol im Teebaumöl und Menthol im Pfefferminzöl. In der Aromatradition gelten alkoholreiche Öle als vergleichsweise sanft; Linalool, Geraniol und Citronellol gehören dennoch zu den deklarationspflichtigen Duftstoff-Allergenen. Menthol kann bei Säuglingen und Kleinkindern einen Stimmritzenkrampf auslösen: mentholhaltige Öle bei Kindern unter 12 Jahren nicht anwenden.

Echtes Lavendelöl erkennen →

O

Ölauszug Zubereitung

auch: Mazerat, Ölmazerat

Ein Ölauszug, auch Mazerat oder Ölmazerat genannt, entsteht, wenn Pflanzenteile in einem fetten Öl wie Oliven- oder Sonnenblumenöl ziehen und dabei fettlösliche Farb-, Duft- und Harzstoffe abgeben. Kalt angesetzt reift er zwei bis vier Wochen an einem warmen Platz, als Warmauszug genügen einige Stunden im Wasserbad bei höchstens 60 bis 70 °C. Bekannt sind der goldgelbe Ringelblumen-Ölauszug als Grundlage für Salben und das tiefrote Rotöl aus Johanniskraut. Restfeuchte im Pflanzenmaterial führt zu Schimmel – einen verschimmelten Auszug vollständig entsorgen.

Kräuteröl als Mazerat ansetzen →

Oxide Inhaltsstoff

auch: Sesquiterpenoxide

Oxide sind Terpene, in deren Gerüst ein Sauerstoffatom als Brücke eingebaut ist. Wichtigster Vertreter ist 1,8-Cineol (Eukalyptol), Hauptbestandteil von Eukalyptusöl, Cajeputöl und Ravintsaraöl und je nach Chemotyp reichlich im Rosmarinöl enthalten; zu den Sesquiterpenoxiden zählen die Bisabololoxide im Kamillenöl. Cineolreiche Öle gehören seit dem 19. Jahrhundert zur Hausapotheke der Erkältungszeit. 1,8-Cineol kann bei Säuglingen und Kleinkindern einen lebensbedrohlichen Stimmritzenkrampf auslösen: Die hier genannten cineolreichen Öle werden bei Kindern unter 12 Jahren nicht angewendet.

Ätherische Öle: Sicherheit & Verdünnung →

Oxymel Zubereitung

auch: Sauerhonig

Oxymel, deutsch Sauerhonig, ist eine Zubereitung aus Honig und Essig, klassisch im Verhältnis von etwa drei zu eins; der Name verbindet die griechischen Wörter oxys (sauer) und meli (Honig). Kräuter ziehen darin zwei bis vier Wochen und werden dann abgeseiht, Honig und Säure halten den Auszug ohne Alkohol haltbar. Schon die Ärzte der Antike kannten den Sauerhonig, über die Klostermedizin und Hildegard von Bingen gelangte er in die Hausapotheke. Kein Honig für Säuglinge unter 12 Monaten – das gilt ausnahmslos auch für jedes Oxymel.

Oxymel: Grundrezept und Geschichte →

P

Phenolcarbonsäuren Inhaltsstoff

auch: Hydroxyzimtsäurederivate, Kaffeesäurederivate

Phenolcarbonsäuren sind Pflanzensäuren mit einem phenolischen Ring; man unterscheidet Abkömmlinge der Benzoesäure wie Gallussäure und solche der Zimtsäure wie Kaffee- und Ferulasäure. Anders als die Bestandteile ätherischer Öle sind sie nicht flüchtig und gehen gut in heißes Wasser über, also in Tee und Aufguss. Rosmarinsäure kennzeichnet Lippenblütler wie Rosmarin und Melisse, Chlorogensäure findet sich in Löwenzahn und Holunder, Cichoriensäure im Sonnenhut. Gallus- und Ellagsäure stammen aus gerbstoffreichen Pflanzenteilen wie der Eichenrinde.

Phenylpropanoide Inhaltsstoff

auch: Phenylpropane, Phenylpropanether, Phenylether

Phenylpropanoide sind aromatische Verbindungen aus einem Benzolring mit einer Kette aus drei Kohlenstoffatomen; die Pflanze bildet sie auf einem anderen Weg als die Terpene. Eugenol macht 70–90 % des Nelkenöls aus und findet sich auch in Zimtöl und Basilikumöl; zu den Phenylethern gehören trans-Anethol in Sternanisöl und Fenchelöl sowie Estragol (Methylchavicol). Eugenolreiche Öle reizen Haut und Schleimhäute stark: nur hoch verdünnt verwenden. Anethol- und estragolhaltige Öle in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren nicht anwenden.

Ätherische Öle: Sicherheit & Verdünnung →

S

Salbe Zubereitung

Eine Salbe ist eine streichfähige, wasserfreie Zubereitung für die Haut, in der ein fettes Öl oder ein Ölauszug mit Bienenwachs oder einem pflanzlichen Wachs gebunden wird; eine Creme enthält dagegen zusätzlich Wasser und einen Emulgator. Öl und Wachs werden im Wasserbad sanft geschmolzen, und je mehr Wachs, desto fester wird die Salbe. Ätherische Öle kommen erst unter etwa 40 °C hinzu, damit die Duftstoffe nicht verdampfen. Der bekannteste Vertreter im Bestand ist die Ringelblumensalbe aus dem Ringelblumen-Ölauszug; kühl gelagert hält sie mehrere Monate.

Ringelblumensalbe selber machen →

Saponine Inhaltsstoff

auch: Triterpensaponine, Steroidsaponine

Saponine sind Glykoside aus einem fettlöslichen Grundgerüst und einer oder mehreren Zuckerketten, die beim Schütteln mit Wasser einen beständigen Schaum bilden – daher der Name, von lateinisch sapo, Seife. Nach dem Gerüst unterscheidet man Triterpensaponine, etwa das Aescin der Rosskastanie und das süß schmeckende Glycyrrhizin im Süßholz, von Steroidsaponinen, wie sie der Bockshornklee enthält. Traditionell kamen Saponinpflanzen wie Königskerze und Thymian bei Husten mit zähem Schleim in den Tee. In größeren Mengen reizen Saponine Magen und Darm.

Schleimstoffe Inhaltsstoff

Schleimstoffe sind Vielfachzucker (Polysaccharide), die in Wasser stark aufquellen und eine zähe, gelartige Masse bilden; weil Hitze sie abbaut, wird etwa die Wurzel des Eibischs kalt angesetzt statt aufgekocht. Reich an Schleimstoffen sind außerdem die Samenschale der Leinsamen, die Blätter des Spitzwegerichs und die Samen des Bockshornklees, dessen Schleime aus Galaktomannanen bestehen. In der Volksheilkunde galten schleimreiche Kräuter als Mittel bei rauem Hals und trockenem Reizhusten. Schleimstoffe können die Aufnahme von Arzneimitteln verzögern: Zu Medikamenten mindestens eine Stunde Abstand halten.

Leinsamen-Schleim zubereiten →

Senfölglykoside Inhaltsstoff

auch: Glucosinolate

Senfölglykoside, auch Glucosinolate genannt, sind schwefel- und stickstoffhaltige Glykoside, die vor allem Kreuzblütler wie Senf, Kohl und Kresse bilden. In der unverletzten Pflanze sind sie geruchlos und vom Enzym Myrosinase getrennt gespeichert; erst beim Reiben, Schneiden oder Kauen treffen beide aufeinander, und es entstehen die scharfen, flüchtigen Senföle – ein Schutz vor Fraßfeinden. Bekannte Beispiele sind das Sinigrin im Meerrettich und das Glucotropaeolin der Kapuzinerkresse. Senföle reizen Haut und Schleimhäute stark: Umschläge mit geriebenem Meerrettich nur wenige Minuten auflegen und bei Brennen sofort abnehmen; für Kleinkinder unter vier Jahren ist Meerrettich ungeeignet.

Sesquiterpene Inhaltsstoff

auch: Sesquiterpen-Kohlenwasserstoffe, Furanosesquiterpene, weitere Sesquiterpenoide

Sesquiterpene sind Terpene aus 15 Kohlenstoffatomen, also aus drei Isopren-Einheiten; im engeren Sinn reine Kohlenwasserstoffe, im weiteren Sinn samt ihrer sauerstoffhaltigen Abkömmlinge (Sesquiterpenoide). Sie verdunsten langsamer als Monoterpene und tragen die schweren, haftenden Basisnoten. Fast überall vertreten ist β-Caryophyllen, etwa im Nelkenöl; Cedrene und Himachalene prägen das Zedernöl, Santalene das Sandelholzöl und Furanosesquiterpene das Myrrhenöl. Ein Sonderfall ist das tiefblaue Chamazulen im Kamillenöl, das erst bei der Wasserdampfdestillation entsteht.

Sesquiterpenlactone Inhaltsstoff

Sesquiterpenlactone sind Sesquiterpene mit einem ringförmigen Ester (Lacton) im Molekül und typisch für Korbblütler. Viele schmecken ausgeprägt bitter: Absinthin im Wermut, Taraxacin im Löwenzahn, Achillin in der Schafgarbe; im Mutterkraut ist es Parthenolid, in der Arnika Helenalin. Aus solchen Bitterkräutern setzte man in Klöstern und Bauernhäusern Magenbitter und Kräuterweine an. Sesquiterpenlactone sind starke Kontaktallergene: bei bekannter Korbblütler-Allergie diese Pflanzen meiden; Arnika gehört wegen des herzschädigenden Helenalins zudem nie in die innere Anwendung.

Sesquiterpenole Inhaltsstoff

auch: Sesquiterpenalkohole, weitere Sesquiterpenole

Sesquiterpenole sind Sesquiterpene mit einer Alkoholgruppe – schwere, kaum flüchtige Moleküle, die einem Öl Tiefe und Haftfestigkeit geben. Bekannte Vertreter sind α- und β-Santalol im Sandelholzöl, Patchoulol im Patchouliöl, Khusimol im Vetiveröl, α-Bisabolol im Kamillenöl und Farnesol in Rosenöl und Ylang-Ylang-Öl. Die Parfümerie setzt sie als Fixateure ein, die flüchtigere Duftnoten länger halten. Der Aromatradition gelten sesquiterpenolreiche Öle als besonders mild; Farnesol steht trotzdem auf der Liste der deklarationspflichtigen Duftstoff-Allergene.

Signaturenlehre Begriff

Die Signaturenlehre ist eine Denkweise der vormodernen Heilkunde, nach der Form, Farbe oder Wuchs einer Pflanze oder eines Steins auf deren Bestimmung hinweisen. Ihre Wurzeln reichen bis in die Antike; ausdrücklich formuliert wurde sie im 16. und 17. Jahrhundert von Paracelsus, Giambattista della Porta und Jakob Böhme. So deutete man die weiß marmorierten Blätter der Mariendistel als Fingerzeig auf die Leber, den blutroten Saft des Johanniskrauts als Zeichen für Wunden und das tiefe Rot des Granats als Bild des Lebenssafts. Viele Zuschreibungen alter Kräuterbücher und der Steinheilkunde gehen auf solche Analogieschlüsse zurück.

Johanniskraut & Sommersonnenwende →

Sirup Zubereitung

Ein Sirup ist eine dickflüssige Zubereitung, in der ein wässriger Pflanzenauszug – meist ein eingekochter Sud, ein Aufguss oder Fruchtsaft – mit viel Zucker oder Honig gebunden wird. Der hohe Zuckergehalt bindet das freie Wasser und macht den Sirup haltbar; Honig wird erst unter 40 °C eingerührt, damit sein Aroma erhalten bleibt. Im Bestand stehen dafür der Thymiansirup, der Holunderblütensirup und der Zwiebelsaft mit Zucker oder Honig. Mit Honig gesüßte Sirupe niemals an Säuglinge unter 12 Monaten geben.

Thymiansirup selbst kochen →

Sitzbad Zubereitung

Ein Sitzbad ist ein Teilbad, bei dem nur Becken und Unterleib im warmen Wasser sitzen, traditionell in einer eigenen Sitzbadewanne oder einer großen Schüssel. Als Zusatz dient meist ein kräftiger Aufguss oder eine Abkochung, etwa aus Kamille, Schafgarbe, Frauenmantel oder Eichenrinde, der dem körperwarmen Wasser zugegeben wird. In der überlieferten Frauenheilkunde hatte das Kräutersitzbad seit dem Mittelalter einen festen Platz; schon Hildegard von Bingen beschrieb das Bad mit Schafgarbe. Bei anhaltenden Beschwerden im Unterleib oder Intimbereich ärztlichen Rat einholen.

T

Tinktur Zubereitung

Eine Tinktur ist ein alkoholischer Pflanzenauszug: Frische oder getrocknete Kräuter werden mit Alkohol von 40 bis 70 Volumenprozent übergossen, ziehen zwei bis sechs Wochen an einem dunklen Ort und werden dann abgeseiht. Alkohol löst wasser- wie fettlösliche Anteile und konserviert sie zugleich, weshalb eine Tinktur dunkel gelagert ein bis zwei Jahre hält. Zarte Blätter wie die der Melisse sind früher fertig, harte Wurzeln wie beim Baldrian brauchen die volle Zeit. Für Kinder, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei einer Alkoholproblematik kommen Tinkturen nicht in Frage.

Kräutertinktur ansetzen: Schritt für Schritt →

Triterpene Inhaltsstoff

auch: Triterpensäuren, Triterpenalkohole

Triterpene sind Terpene aus 30 Kohlenstoffatomen, also aus sechs Isopren-Einheiten; anders als Mono- und Sesquiterpene sind sie nicht flüchtig und bleiben deshalb im Kraut, statt ins ätherische Öl überzugehen. Weit verbreitet sind die Triterpensäuren Ursol- und Oleanolsäure, Bestandteile der Wachsschicht von Blättern und Früchten – etwa bei Salbei, Rosmarin, Thymian und Weißdorn. Triterpenalkohole wie Faradiol finden sich in den Blüten der Ringelblume, Taraxasterol im Löwenzahn. Sind Triterpene an Zucker gebunden, spricht man von Triterpensaponinen.

V

Volksheilkunde Begriff

auch: Volksmedizin

Volksheilkunde bezeichnet das Heilwissen, das außerhalb von Universität und Apotheke im Alltag weitergegeben wurde – meist mündlich, von Generation zu Generation, in Familien, auf Bauernhöfen und unter Kräuterfrauen. Sie nutzte, was Garten, Wiese und Küche hergaben: Tees, Wickel, Auflagen, Salben und Bäder. Erfahrung, Beobachtung und Glaube gingen dabei ineinander über; der Zwiebelsaft und der Quarkwickel stehen neben Segenssprüchen und Bräuchen wie dem Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt. Vieles war regional geprägt, manches floss aus der Klostermedizin ein, und aus dieser Überlieferung stammt ein großer Teil der heute bekannten Hausmittel.

Hausmittel von A bis Z →

W

Wasserdampfdestillation Zubereitung

Die Wasserdampfdestillation ist das gängigste Verfahren zur Gewinnung ätherischer Öle: Heißer Wasserdampf strömt durch das Pflanzenmaterial, nimmt die flüchtigen Duftstoffe mit und wird im Kühler wieder verflüssigt, worauf sich im Auffanggefäß ätherisches Öl und Hydrolat trennen. Die Ausbeute ist oft gering – für 1 Liter Lavendelöl werden 120 bis 150 kg frische Blüten benötigt. Manche Stoffe entstehen erst während der Destillation, etwa das tiefblaue Chamazulen im Kamillenöl. Auf diese Weise gewonnen werden auch Pfefferminzöl, Teebaumöl und die meisten Nadelholzöle.

Wickel und Auflage Zubereitung

Ein Wickel umschließt einen Körperteil wie Wade, Hals oder Brust ringsum und besteht klassisch aus drei Lagen: einem feuchten oder bestrichenen Innentuch, einem Zwischentuch und einem trockenen Außentuch; eine Auflage, auch Kompresse genannt, wird dagegen nur aufgelegt. Das Innentuch wird kühl oder warm mit Wasser, Essigwasser oder Tee getränkt oder mit Quark oder gestampften Kartoffeln bestrichen, wie beim Wadenwickel, Quarkwickel und Kartoffelwickel. Mit Sebastian Kneipp wurden Wickel im 19. Jahrhundert fester Teil der Wasserkur. Warme Wickel vor dem Anlegen am Handgelenk prüfen – Verbrühungsgefahr.

Wadenwickel: der Kneipp-Klassiker →

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