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Hausmittel

Hausmittel · Rezeptur

Thymiansirup selber machen.

Der überlieferte Thymiansirup der Erkältungszeit – im Spätsommer gekocht, mit Honig und Zitrone verrührt

Von Ralf Kluth · Zuletzt redaktionell geprüft:

Erkältungszeit Vorratskammer Küche & Haushalt
Altersgrenze
Unter 2 Jahren nicht, auch nicht mit Zucker; ab 2 Jahren nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis
Schwangerschaft
nicht geeignet
Haltbarkeit
Im Kühlschrank 4–6 Wochen
Zutaten
4
Vor der Anwendung: Hinweise zu Sicherheit & Gegenanzeigen lesen
Thymiansirup selber machen — Illustration im Herbarium-Stil

Zutaten

Zutatenliste
Zutat Menge
Frischer Thymian Thymus vulgaris, alternativ getrocknet: 20 g 40 g (ca. 4 Bund)
Wasser 500 ml
Honig Regionaler Blütenhonig 250 g
Zitronensaft Frisch gepresst, als natürliches Konservierungsmittel 2 EL
Auf dieser Seite12Abschnitte
  1. 01 Häufige Fragen
  2. 02 Traditionelles Wirkverständnis
  3. 03 Basiswissen
  4. 04 Zutaten
  5. 05 Zubereitung
  6. 06 Anwendung
  7. 07 Sicherheit
  8. 08 Varianten
  9. 09 Haltbarkeit & Aufbewahrung
  10. 10 Quellen
  11. 11 Querverweise
  12. 12 Quellen & Literatur

Häufige Fragen

Wofür wird Thymiansirup traditionell verwendet?
In der Hausmittel-Tradition gehört der Sirup zur Erkältungszeit: Thymian galt seit der Antike als Kraut der Brust und des Atems, und in vielen Familien wurde der Sirup im Herbst auf Vorrat gekocht. Der Überlieferung nach sollte er festsitzenden Husten lockern und den rauen Hals besänftigen.
Wie wird Thymiansirup zubereitet?
Frischer Thymian wird in 500 ml Wasser ausgekocht, bis sich der Sud etwa auf die Hälfte reduziert hat, dann abgeseiht und auf rund 40 °C abgekühlt. Anschließend Honig und frisch gepressten Zitronensaft einrühren und den Sirup in sterilisierte, dunkle Flaschen abfüllen. Die ausführliche Anleitung mit allen Mengen steht im Abschnitt Zubereitung.
Für wen ist der Sirup geeignet?
Der Sirup ist für Erwachsene gedacht. Kinder unter 2 Jahren bekommen ihn nicht – weder mit Honig noch mit Zucker; ab 2 Jahren höchstens 3-mal täglich 1 Teelöffel und nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis. Kein Honig für Säuglinge unter 12 Monaten – es besteht das Risiko des Säuglingsbotulismus. In der Schwangerschaft den Sirup nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin verwenden.
Wie lange ist selbst gemachter Thymiansirup haltbar?
Im Kühlschrank hält sich der Sirup in einer gut verschlossenen Flasche 4–6 Wochen, portionsweise eingefroren bis zu 6 Monate. Stets einen sauberen Löffel verwenden und die Flasche kühl und dunkel lagern. Bei Gärung, Schimmel oder verändertem Geruch den Sirup sofort entsorgen.

Traditionelles Wirkverständnis

Hinweis: Die folgenden Beschreibungen beruhen auf überlieferten Traditionen der Hausmittel-Kunde. Sie ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

Dass ausgerechnet Thymian in den Hustensirup wandert, ist keine Erfindung unserer Tage. Dioskurides führte das Kraut bereits im 1. Jahrhundert bei Hustenleiden auf, Hildegard von Bingen widmete dem verwandten Quendel ein eigenes Kapitel ihrer Physica, und Pfarrer Kneipp ließ im 19. Jahrhundert bei hartnäckigem Husten Thymianzubereitungen reichen. Über die Jahrhunderte blieb der Platz des Krauts in den Hausapotheken derselbe: bei allem, was auf Brust und Atem drückte.

Seinen kräftigen, herb-würzigen Charakter verdankt der Thymian vor allem den Phenolen Thymol und Carvacrol in seinem ätherischen Öl. Daneben enthält das Kraut Saponine – seifenartige Pflanzenstoffe, die einen geschüttelten Sud leicht schäumen lassen – sowie Flavonoide wie Luteolin und Apigenin. Die Volksheilkunde kannte keine Stoffnamen, aber sie hatte ihre eigenen Bilder: Der heiße Thymiansud galt als Mittel, das Festsitzendes auf der Brust lockern und das Abhusten erleichtern sollte.

Dem Honig schrieb die Überlieferung eine eigene Rolle zu: Er sollte sich wie ein sanfter Film über den wunden Hals legen und den Sirup für Kinder annehmbar machen. Die Zitrone schließlich kam vor allem der Haltbarkeit zugute – ihre Säure konserviert den Sirup auf natürliche Weise.

Basiswissen

Der Thymiansirup gehört zu den Vorräten, die man anlegt, solange niemand sie braucht: Wenn der Thymian im Spätsommer ein letztes Mal geschnitten wird, wandert ein Teil der Ernte nicht ins Gewürzregal, sondern in den Kochtopf – und von dort, mit Honig und Zitrone verrührt, in dunkle Flaschen für die Vorratskammer. So stand der Sirup schon bereit, ehe die ersten rauen Nächte des Jahres ins Haus kamen; ein Brauch, der in ländlichen Haushalten so selbstverständlich war wie das Einkochen von Holunder.

Der Thymian (Thymus vulgaris) trägt seinen Ruf seit der Antike: Sein Name leitet sich vom griechischen „thymos” (Mut, Kraft) ab, und alte Kräuterbücher ordneten das würzige Kraut der Brust und dem Atem zu. Im Mittelalter stickten Edelfrauen ihren Rittern eine Biene über einem Thymianzweig auf Schal oder Banner – ein Sinnbild für Tapferkeit, das vom hohen Ansehen des kleinen Krauts erzählt. Mit Honig und Zitronensaft wird aus dem Sud ein wohlschmeckender Sirup, der ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe auskommt und sich gekühlt mehrere Wochen hält.

Zutaten

  • 40 g frischer Thymian (ca. 4 Bund) – Echter Thymian (Thymus vulgaris), nicht Zitronenthymian oder Feldthymian. Frische Zweige vom Markt, aus dem Garten oder dem Topf auf der Fensterbank. Alternativ 20 g getrockneter Thymian aus der Apotheke.
  • 500 ml Wasser – Zum Auskochen des Thymians.
  • 250 g Honig – Regionaler Blütenhonig. Der Honig konserviert den Sirup; in der Hausmittel-Tradition galt er zudem als süßer Gefährte des rauen Halses. Für eine vegane Variante kann Rohrzucker verwendet werden.
  • 2 EL frisch gepresster Zitronensaft – Dient als natürliches Konservierungsmittel (Zitronensäure senkt den pH-Wert) und liefert nebenbei Vitamin C.

Zubereitung

  1. Thymian vorbereiten: Den frischen Thymian waschen und trocken schütteln. Die Blätter müssen nicht von den Stielen gezupft werden – die ganzen Zweige werden mitgekocht.
  2. Sud kochen: Den Thymian in einen Topf mit 500 ml Wasser geben. Aufkochen und dann bei niedriger Hitze 15–20 Minuten köcheln lassen, bis sich die Flüssigkeit auf etwa die Hälfte (250 ml) reduziert hat. Der Sud wird dunkel und aromatisch.
  3. Abseihen: Den Sud durch ein feines Sieb oder Mulltuch in einen sauberen Topf gießen. Die Thymianzweige gut ausdrücken, damit nichts von dem kräftigen Auszug verloren geht.
  4. Abkühlen lassen: Den Sud auf ca. 40 °C abkühlen lassen. Dies ist wichtig, da Honig bei höheren Temperaturen seine Enzyme verliert.
  5. Honig einrühren: Den Honig in den lauwarmen Sud einrühren, bis er sich vollständig aufgelöst hat.
  6. Zitronensaft hinzufügen: Den frisch gepressten Zitronensaft einrühren.
  7. Abfüllen: Den fertigen Sirup in sterilisierte Flaschen oder Schraubgläser füllen. Am besten eignen sich dunkle Glasflaschen mit 200–250 ml Fassungsvermögen.
  8. Beschriften: Inhalt und Herstellungsdatum notieren.

Anwendung

  • Erwachsene: 3–5-mal täglich 1 Esslöffel, pur oder in warmem Wasser aufgelöst; in vielen Familien nahm man bei Hustenreiz zusätzlich einen Löffel.
  • Vor dem Schlafengehen: Einen Esslöffel direkt vor dem Schlafengehen einnehmen. Der Überlieferung nach legt sich der Honig dabei wie ein milder Film auf den rauen Hals – für viele war der Löffel Sirup das feste Abendritual der Hustenzeit.
  • Als heißes Getränk: 2 Esslöffel Sirup in eine Tasse heißes Wasser (max. 40 °C) einrühren. Ein wärmendes Getränk für raue Tage.
  • Dauer: Im Hausbrauch nahm man den Sirup üblicherweise ein bis zwei Wochen lang. Bei Husten, der länger als 3 Wochen anhält, einen Arzt aufsuchen.
  • Tipp: Den Sirup vor dem Schlucken kurz im Mund behalten – so benetzt er den Rachen, bevor er weiterwandert.

Sicherheit

  • Schwangerschaft: Thymiansirup in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin einnehmen und nicht in hohen Dosen – Thymol kann in großen Mengen die Gebärmuttermuskulatur stimulieren. Sicherheitshalber auf Spitzwegerich-Sirup ausweichen, auch diesen nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin.
  • Kinder: Unter 2 Jahren nicht geben – auch nicht die Variante mit Zucker. Ab 2 Jahren höchstens 3-mal täglich 1 Teelöffel und nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis. Kein Honig für Kinder unter 12 Monaten – Risiko des Säuglingsbotulismus. Diese Regel gilt ausnahmslos.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Thymian kann in sehr hohen Dosen die Schilddrüsenfunktion beeinflussen. Bei Hyper- oder Hypothyreose mit dem Arzt abklären.
  • Blutverdünner: Thymol kann die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente verstärken. Bei Einnahme von Antikoagulanzien den Sirup nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke verwenden.
  • Allergien: Selten Allergien gegen Lippenblütler (Lamiaceae). Bei bekannter Allergie gegen Oregano, Rosmarin oder Basilikum Vorsicht – im Zweifel zuerst eine kleine Menge testen.
  • Arzt aufsuchen bei: Husten mit blutigem Auswurf, Atemnot, pfeifenden Atemgeräuschen, Fieber über 39 °C oder Fieber, das länger als drei Tage anhält, sowie bei Husten von Säuglingen unter 3 Monaten.

Varianten

  • Thymian-Spitzwegerich-Sirup: 20 g Thymian und 20 g frische Spitzwegerichblätter verwenden. Die Schleimstoffe des Spitzwegerichs galten in der Kräuterkunde als besonders mild für den gereizten Hals.
  • Thymian-Salbei-Sirup: 30 g Thymian und 10 g Salbeiblätter. Die Gerbstoffe des Salbeis machen die Mischung herber; traditionell griff man zu ihr, wenn zum Husten ein rauer Hals kam.
  • Vegane Variante mit Rohrzucker: 250 g Rohrzucker direkt im heißen Thymiansud auflösen (kein Abkühlen nötig). Haltbarkeit durch den höheren Zuckergehalt sogar etwas länger.
  • Thymian-Sirup mit Zwiebel: 1 klein geschnittene Zwiebel mitkochen. So treffen die Senföle der Zwiebel auf das Thymianaroma – zwei Klassiker der Hausmittel-Küche in einer Flasche.
  • Konzentrat: Die Flüssigkeit auf 150 ml einkochen und 300 g Honig verwenden. Ergibt einen dickflüssigeren, stärker konzentrierten Sirup.

Haltbarkeit & Aufbewahrung

  • Gekühlt: Im Kühlschrank in einer gut verschlossenen Flasche 4–6 Wochen haltbar. Der hohe Zucker-/Honiggehalt und die Zitronensäure konservieren den Sirup.
  • Hygiene: Immer einen sauberen Löffel verwenden. Nicht direkt aus der Flasche trinken, da Speichelbakterien den Sirup schneller verderben lassen.
  • Zeichen für Verderb: Wenn der Sirup gärt (Bläschenbildung), unangenehm sauer riecht, Schimmel bildet oder sich die Farbe stark verändert, sofort entsorgen.
  • Einfrieren: In Eiswürfelformen portionsweise einfrieren. Haltbarkeit dann bis zu 6 Monate. Portionen im Kühlschrank auftauen.
  • Ideale Flasche: Braune Glasflaschen mit Schraubverschluss schützen vor Licht. 200-ml-Flaschen sind ideal, um mehrere kleine Einheiten herzustellen.

Quellen

  • Dioskurides: De Materia Medica (1. Jh. n. Chr.) – Thymian bei Hustenleiden
  • Hildegard von Bingen: Physica (12. Jh.) – „Quendel” (wilder Thymian) bei Beschwerden der Atemwege
  • Pfarrer Sebastian Kneipp (19. Jh.): Thymianzubereitungen bei hartnäckigem Husten
  • Regionale Überlieferung des Alpen- und Mittelmeerraums: Thymiansud mit Honig als Vorrat der Erkältungszeit

Querverweise

  • Pflanze: Thymian – Ausführliche Monographie mit Anbau und Ernte
  • Ätherisches Öl: Thymianöl – Äußere Anwendung und Chemotypen
  • Verwandtes Hausmittel: Zwiebelsaft – Traditionelle Alternative bei Husten
  • Verwandtes Hausmittel: Erkältungsbalsam – Äußere Anwendung auf der Brust
  • Verwandtes Hausmittel: Erkältungstee – Begleitend als Tee

Quellen & Literatur

  • Sebastian Kneipp : „Meine Wasserkur“ — Klassiker der Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts, in dem Thymianzubereitungen bei Husten überliefert sind
  • Hildegard von Bingen : „Physica“ — klostermedizinisches Standardwerk des 12. Jahrhunderts zur Heilkraft der Pflanzen
  • Johann Künzle : „Chrut und Uchrut“ — volkstümliches Kräuterbuch von 1911 aus der Schweizer Kräuterpfarrer-Tradition
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