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Altes Wissen

Die Inhalte auf altes-wissen.org dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultiere bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt.

Wissen · Grundlagen

Was ist altes Wissen?

Altes Wissen ist überliefertes Erfahrungswissen aus Kräutergarten, Hausapotheke und Bauernjahr, aufgeschrieben in Kräuterbüchern und weitergegeben in Familien. Woher es stammt, wo seine Grenzen liegen und wie es sich mit Quellen prüfen lässt.

Von R. Josef Hubert Kluth · Zuletzt redaktionell geprüft:

Volksheilkunde Kräuterbücher Bauernkalender Quellenarbeit
Monografien
213
Belege
4.254
Werke im Quellenverzeichnis
928
Getrocknete Kräuterbündel, ein Mörser und ein aufgeschlagenes Kräuterbuch mit Pflanzenzeichnungen – Illustration im Herbarium-Stil
Auf dieser Seite7Abschnitte
  1. 01 Häufige Fragen
  2. 02 Was mit „altes Wissen“ gemeint ist
  3. 03 Woher das Wissen stammt
  4. 04 Was altes Wissen nicht ist
  5. 05 Wie die Quellen geprüft werden
  6. 06 Die Bereiche im Überblick
  7. 07 Quellen & Literatur

Häufige Fragen

Was bedeutet „altes Wissen“?
Mit altem Wissen ist überliefertes Erfahrungswissen gemeint: Heilpflanzen und Hausmittel der Volksheilkunde, Wetter- und Bauernregeln, Bräuche des Gartenjahrs und die Regeln der Mondkalender. Man gab es in Familien weiter, und einiges davon steht seit Jahrhunderten in Kräuter- und Haushaltsbüchern.
Woher stammen die Quellen?
Aus Kräuterbüchern von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, aus Wörterbüchern und Sprichwortsammlungen, aus Haushaltsbüchern und für die Sicherheitsangaben aus Behörden und Fachliteratur. Aussagen zur Geschichte und zur Sicherheit tragen in den Monografien eine Fundstelle mit wörtlichem Zitat.
Ersetzt altes Wissen den Arztbesuch?
Nein. Altes Wissen beschreibt Überlieferung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden, starken oder unklaren Beschwerden gehört die Ursache in ärztliche Abklärung; für Kinder, Schwangere, Stillende und bei Medikamenteneinnahme gelten auf jeder Seite eigene Grenzen.
Ist alles, was als altes Wissen gilt, wirklich alt?
Nicht immer. Manche Zuordnungen sind jung, manche Legenden lassen sich in keiner Quelle finden. Deshalb wird jede Angabe mit Namen oder Jahreszahl am Original gelesen; was sich nicht belegen lässt, wird gestrichen oder vorsichtiger gefasst.
Wer schreibt und prüft die Inhalte?
Autor ist R. Josef Hubert Kluth. Jeder Beleg wird vor der Veröffentlichung fachlich geprüft; erst danach erscheint seine Nummer auf der Seite.

Was mit „altes Wissen“ gemeint ist

Altes Wissen ist Erfahrungswissen aus der Überlieferung, nicht aus dem Labor. Dazu gehört, welche Kräuter man im Garten zog und wofür man sie nahm, wie die Hausapotheke bestückt war, welche Regeln das Bauernjahr ordneten und wann man nach der Lehre der Mondkalender säte, erntete oder einkochte. Vieles davon gab man über Generationen mündlich in Familien weiter, manches stand früh in Büchern, und manches ist jünger, als es klingt.

Zum alten Wissen gehören drei Ebenen: die Pflanzen und Hausmittel selbst, die Geschichten und Namen, die sich um sie ranken, und die Sicherheitsregeln von heute. Auf jeder Seite stehen sie getrennt. Was überliefert ist, steht im Überlieferungsrahmen. Was sich belegen lässt, trägt eine Belegnummer. Was gefährlich werden kann, steht als Warnung im Abschnitt „Sicherheit“.

Woher das Wissen stammt

Schon aus der Antike ist Heilwissen schriftlich überliefert: Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides beschrieb im 1. Jahrhundert in seiner Arzneimittellehre Pflanzen wie den Mönchspfeffer, dessen Same „wie Pfeffer“ sei.1

Im frühen Mittelalter schrieben Mönche das Gartenwissen fort. Walahfrid Strabo, Abt des Klosters Reichenau, besang im 9. Jahrhundert in seinem Gartengedicht „Hortulus“ den Fenchel, dessen Same die Trägheit des zögernden Bauches löse.2

Mit dem Buchdruck kamen die Kräuterbücher. Der „Gart der Gesundheit“, 1485 in Mainz gedruckt, führt etwa den Frauenmantel unter den Namen Alchimilla und Synauwe als Wundkraut.3 Hieronymus Bock sprach in seinem Kräuterbuch von 1546 vom „Closter oder Mönch pfeffer“, dessen Körnlein, wie schon die Alten schrieben, die Begierde löschen sollten.4

Später nahmen die Haushaltsbücher das Wissen der Küche und Vorratskammer auf. Henriette Davidis riet in ihrem Haushaltsbuch „Die Hausfrau“ (Ausgabe 1872), die Kerne der Hagebutten braun zu brennen, zu mahlen und eine Kleinigkeit davon dem Kaffee beizumischen.5 Sebastian Kneipp schrieb Ende des 19. Jahrhunderts, die Fenchelkörner dürften in keiner Hausapotheke fehlen.6

Neben den Büchern bewahren die Namen das Wissen. Der Frauenmantel heißt nach dem Mantel Marias, „unser Frauen Mantel“; das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm erklärt ihn als den Mantel, den „unsere liebe Frau“ abgelegt hatte.7 Die Bauernregeln verbinden Wetterbeobachtung und Kirchenjahr: An den Lostagen las man ab, wie Wetter und Ernte ausfallen sollten (siehe Bauernregeln).

Was altes Wissen nicht ist

Altes Wissen beschreibt, was Menschen taten und glaubten. Es ersetzt keine ärztliche Diagnose und keine Behandlung, und eine lange Überlieferung bedeutet nicht, dass ein Mittel für jeden geeignet ist. Auch vertraute Hausmittel haben Grenzen: für Kinder, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Vorerkrankungen oder zusammen mit Medikamenten. Diese Grenzen stehen in den Monografien im Abschnitt „Sicherheit“ (bei den Heilsteinen „Anwendung & Sicherheit“), belegt mit Fundstellen aus Behörden und Fachliteratur, wo es sie gibt.

Auch was alt klingt, ist nicht immer alt. Dass der Rotklee ein Kraut der Wechseljahre sei, ist eine junge Zuordnung: Als überlieferte Anwendungen nennt die heutige Fachliteratur Hautleiden und Husten, während ein Extrakt aus seinen Isoflavonen als Nahrungsergänzungsmittel für die Wechseljahre beworben wird.8

Wie die Quellen geprüft werden

Aussagen zur Geschichte und Sicherheitsangaben bekommen in den Monografien eine Fundstelle. Dafür wird die Quelle selbst gelesen – das Kräuterbuch im Scan, das Wörterbuch im Volltext, die Behördenseite im Original –, und der Satz auf der Seite wird so gefasst, dass das Zitat ihn trägt. Zitat, genaue Stelle und Link stehen im Kapitel „Quellen & Literatur“ der Monografien; eine fachliche Prüfung bestätigt jeden Beleg, bevor seine Nummer erscheint. Was sich nicht belegen lässt, wird gestrichen oder ohne Namen und Jahreszahl gefasst; was widerlegt ist, wird korrigiert.

Dabei kommt manches ans Licht, was anderswo anders steht. Zuerst beobachtet hat die Pfefferminze Dr. Eales in Hertfordshire; er teilte seinen Fund dem englischen Botaniker John Ray mit, der sie 1696 in sein Verzeichnis der britischen Pflanzen aufnahm.9 Und die Himbeere sammelten schon die Menschen der Pfahlbauzeit: Der Botaniker Oswald Heer zählte 1865 die Samen der Himbeere zu den häufigsten Funden aus den Pfahlbauten; verkohlt fand er sie nie, die Beeren wurden wohl frisch gegessen.10

Die Bereiche im Überblick

  • Heilkräuter – Monografien mit Geschichte, Botanik, Anwendung und Sicherheit
  • Ätherische Öle – Duft, Gewinnung, Verdünnung und Grenzen
  • Hausmittel – überlieferte Rezepturen Schritt für Schritt, vom Kräutertee bis zum Essigreiniger
  • Mondkalender – Mondphasen, Pflanzentage und die Regeln des Gärtnerns nach der Lehre der Mondkalender
  • Bauernregeln und Rauhnächte – das Bauernjahr mit seinen Lostagen
  • Heilsteine – Mineralogie und Symbolik, klar getrennt
  • Wissen – Glossar und historische Heilkundige von Dioskurides bis Kneipp

Quellen & Literatur

Belege

  1. Pedanios Dioskurides: Arzneimittellehre in fünf Büchern (De materia medica), Buch I, Kap. 134, S. 119 f. — Übersetzung (Julius Berendes, 1902) · Fundstelle historische Quelle ↩
  2. Walahfrid Strabo: Hortulus, Kap. IX „Feniculum“, V. 208–216, S. 27; Lebensdaten S. 7 — Übersetzung (Julius Berendes, 1908) · Fundstelle historische Quelle ↩
  3. Johann Wonnecke von Kaub (Johannes von Cuba, zugeschrieben): Gart der Gesundheit (Ortus sanitatis uff teutsch), Kap. 32 („Alchimilla – synauwe“), Bl. 36r–36v (Digitalisat Bild 75–76) — Übertragung der Redaktion · Fundstelle historische Quelle ↩
  4. Hieronymus Bock: Kreüter Buch, Teil „Von der stauden / hecken vnd Beümen“, Cap. 59 „Schaffmülle / Agnus castus“, Bl. 52r–52v — Übertragung der Redaktion · Fundstelle historische Quelle ↩
  5. Henriette Davidis: Die Hausfrau. Praktische Anleitung zur selbständigen und sparsamen Führung von Stadt- und Landhaushaltungen, 6. Auflage 1872, S. 243, Abschnitt 25 „Kaffee-Surrogate“ — Original · Fundstelle historische Quelle ↩
  6. Sebastian Kneipp: Meine Wasser-Kur, Zweiter Teil: Apotheke, Einträge „Anis“, S. 120, und „Fenchel“, S. 128–129 (92. Aufl. 1921; in der 4. Aufl. 1888 ebenfalls S. 120 und 128–129) — Original · Fundstelle historische Quelle ↩
  7. Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Bd. 4, I. Abt., 1. Teil (1878), Sp. 80, Artikel „Frauenmantel“ — Original · Fundstelle Fachliteratur ↩
  8. Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSK): Red Clover: Purported Benefits, Side Effects & More, Abschnitt „For Healthcare Professionals“, Clinical Summary — Original · Fundstelle Fachliteratur ↩
  9. Friedrich A. Flückiger und Daniel Hanbury: Pharmacographia. A History of the Principal Drugs of Vegetable Origin, met with in Great Britain and British India, Kapitel „Herba Menthae piperitae“, Abschnitt „History“, S. 481 — Original · Fundstelle Fachliteratur ↩
  10. Oswald Heer: Die Pflanzen der Pfahlbauten, Nr. 10/11 „Himbeeren und Brombeeren (Rubus idaeus L. und Rubus fruticosus L.)“, S. 29 — Original · Fundstelle Fachliteratur ↩

Literatur

Die Inhalte auf altes-wissen.org dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultiere bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt.

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