Was mit „altes Wissen“ gemeint ist
Altes Wissen ist Erfahrungswissen aus der Überlieferung, nicht aus dem Labor. Dazu gehört, welche Kräuter man im Garten zog und wofür man sie nahm, wie die Hausapotheke bestückt war, welche Regeln das Bauernjahr ordneten und wann man nach der Lehre der Mondkalender säte, erntete oder einkochte. Vieles davon gab man über Generationen mündlich in Familien weiter, manches stand früh in Büchern, und manches ist jünger, als es klingt.
Zum alten Wissen gehören drei Ebenen: die Pflanzen und Hausmittel selbst, die Geschichten und Namen, die sich um sie ranken, und die Sicherheitsregeln von heute. Auf jeder Seite stehen sie getrennt. Was überliefert ist, steht im Überlieferungsrahmen. Was sich belegen lässt, trägt eine Belegnummer. Was gefährlich werden kann, steht als Warnung im Abschnitt „Sicherheit“.
Woher das Wissen stammt
Schon aus der Antike ist Heilwissen schriftlich überliefert: Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides beschrieb im 1. Jahrhundert in seiner Arzneimittellehre Pflanzen wie den Mönchspfeffer, dessen Same „wie Pfeffer“ sei.1
Im frühen Mittelalter schrieben Mönche das Gartenwissen fort. Walahfrid Strabo, Abt des Klosters Reichenau, besang im 9. Jahrhundert in seinem Gartengedicht „Hortulus“ den Fenchel, dessen Same die Trägheit des zögernden Bauches löse.2
Mit dem Buchdruck kamen die Kräuterbücher. Der „Gart der Gesundheit“, 1485 in Mainz gedruckt, führt etwa den Frauenmantel unter den Namen Alchimilla und Synauwe als Wundkraut.3 Hieronymus Bock sprach in seinem Kräuterbuch von 1546 vom „Closter oder Mönch pfeffer“, dessen Körnlein, wie schon die Alten schrieben, die Begierde löschen sollten.4
Später nahmen die Haushaltsbücher das Wissen der Küche und Vorratskammer auf. Henriette Davidis riet in ihrem Haushaltsbuch „Die Hausfrau“ (Ausgabe 1872), die Kerne der Hagebutten braun zu brennen, zu mahlen und eine Kleinigkeit davon dem Kaffee beizumischen.5 Sebastian Kneipp schrieb Ende des 19. Jahrhunderts, die Fenchelkörner dürften in keiner Hausapotheke fehlen.6
Neben den Büchern bewahren die Namen das Wissen. Der Frauenmantel heißt nach dem Mantel Marias, „unser Frauen Mantel“; das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm erklärt ihn als den Mantel, den „unsere liebe Frau“ abgelegt hatte.7 Die Bauernregeln verbinden Wetterbeobachtung und Kirchenjahr: An den Lostagen las man ab, wie Wetter und Ernte ausfallen sollten (siehe Bauernregeln).
Was altes Wissen nicht ist
Altes Wissen beschreibt, was Menschen taten und glaubten. Es ersetzt keine ärztliche Diagnose und keine Behandlung, und eine lange Überlieferung bedeutet nicht, dass ein Mittel für jeden geeignet ist. Auch vertraute Hausmittel haben Grenzen: für Kinder, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Vorerkrankungen oder zusammen mit Medikamenten. Diese Grenzen stehen in den Monografien im Abschnitt „Sicherheit“ (bei den Heilsteinen „Anwendung & Sicherheit“), belegt mit Fundstellen aus Behörden und Fachliteratur, wo es sie gibt.
Auch was alt klingt, ist nicht immer alt. Dass der Rotklee ein Kraut der Wechseljahre sei, ist eine junge Zuordnung: Als überlieferte Anwendungen nennt die heutige Fachliteratur Hautleiden und Husten, während ein Extrakt aus seinen Isoflavonen als Nahrungsergänzungsmittel für die Wechseljahre beworben wird.8
Wie die Quellen geprüft werden
Aussagen zur Geschichte und Sicherheitsangaben bekommen in den Monografien eine Fundstelle. Dafür wird die Quelle selbst gelesen – das Kräuterbuch im Scan, das Wörterbuch im Volltext, die Behördenseite im Original –, und der Satz auf der Seite wird so gefasst, dass das Zitat ihn trägt. Zitat, genaue Stelle und Link stehen im Kapitel „Quellen & Literatur“ der Monografien; eine fachliche Prüfung bestätigt jeden Beleg, bevor seine Nummer erscheint. Was sich nicht belegen lässt, wird gestrichen oder ohne Namen und Jahreszahl gefasst; was widerlegt ist, wird korrigiert.
Dabei kommt manches ans Licht, was anderswo anders steht. Zuerst beobachtet hat die Pfefferminze Dr. Eales in Hertfordshire; er teilte seinen Fund dem englischen Botaniker John Ray mit, der sie 1696 in sein Verzeichnis der britischen Pflanzen aufnahm.9 Und die Himbeere sammelten schon die Menschen der Pfahlbauzeit: Der Botaniker Oswald Heer zählte 1865 die Samen der Himbeere zu den häufigsten Funden aus den Pfahlbauten; verkohlt fand er sie nie, die Beeren wurden wohl frisch gegessen.10
Die Bereiche im Überblick
- Heilkräuter – Monografien mit Geschichte, Botanik, Anwendung und Sicherheit
- Ätherische Öle – Duft, Gewinnung, Verdünnung und Grenzen
- Hausmittel – überlieferte Rezepturen Schritt für Schritt, vom Kräutertee bis zum Essigreiniger
- Mondkalender – Mondphasen, Pflanzentage und die Regeln des Gärtnerns nach der Lehre der Mondkalender
- Bauernregeln und Rauhnächte – das Bauernjahr mit seinen Lostagen
- Heilsteine – Mineralogie und Symbolik, klar getrennt
- Wissen – Glossar und historische Heilkundige von Dioskurides bis Kneipp