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Hausmittel

Hausmittel · Rezeptur

Ringelblumen-Ölauszug.

Das überlieferte Pflegeöl der Bauerngärten – aus Calendula-Blüten im Spätsommer angesetzt, den Winter über für Hände und Haut hervorgeholt

Von Ralf Kluth · Zuletzt redaktionell geprüft:

Hautpflege Naturkosmetik Vorratskammer Bauerngarten
Altersgrenze
Nur äußerlich; bei Säuglingen und Kleinkindern nur ohne Zusätze und nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis
Schwangerschaft
geeignet
Haltbarkeit
Ca. 6 Monate (kühl und dunkel)
Zutaten
4
Vor der Anwendung: Hinweise zu Sicherheit & Gegenanzeigen lesen
Ringelblumen-Ölauszug — Illustration im Herbarium-Stil

Zutaten

Zutatenliste
Zutat Menge
Getrocknete Ringelblumenblüten Calendula officinalis, nur die Blütenblätter Ca. 20 g (2 Handvoll)
Olivenöl oder Sonnenblumenöl Kaltgepresst, bio-Qualität 250 ml
Schraubglas Sauber und vollständig trocken 1 Stück (ca. 500 ml)
Dunkle Glasflasche Für die Aufbewahrung des fertigen Öls 1 Stück
Auf dieser Seite12Abschnitte
  1. 01 Häufige Fragen
  2. 02 Traditionelles Wirkverständnis
  3. 03 Basiswissen
  4. 04 Zutaten
  5. 05 Zubereitung
  6. 06 Anwendung
  7. 07 Sicherheit
  8. 08 Varianten
  9. 09 Haltbarkeit & Aufbewahrung
  10. 10 Quellen
  11. 11 Querverweise
  12. 12 Quellen & Literatur

Häufige Fragen

Wie stellt man einen Ringelblumen-Ölauszug her?
Ein sauberes Schraubglas locker zu zwei Dritteln mit getrockneten Ringelblumenblüten füllen und vollständig mit kaltgepresstem Oliven- oder Sonnenblumenöl bedecken. Das verschlossene Glas drei bis vier Wochen an einen hellen, warmen Platz stellen und täglich schwenken. Anschließend durch ein Mulltuch abseihen und in eine dunkle Flasche füllen.
Wofür wird Ringelblumen-Ölauszug traditionell verwendet?
In der Hausmittel-Tradition gilt das goldgelbe Öl seit Generationen als Pflegeöl für raue Hände, trockene Stellen und beanspruchte Haut. Es wurde pur als Körperöl verwendet oder mit Bienenwachs zur Ringelblumensalbe weiterverarbeitet. Auf dem Land setzte man das Glas im Spätsommer an, damit das Öl rechtzeitig zur kalten Jahreszeit fertig war.
Für wen ist der Ringelblumen-Ölauszug geeignet?
Der Ölauszug ist zur äußeren Anwendung gedacht; in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin verwenden. Bei Säuglingen und Kleinkindern nur das reine Öl ohne ätherische Zusätze und nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis verwenden. Wer auf Korbblütler wie Arnika, Kamille oder Beifuß allergisch reagiert, trägt vor der ersten Anwendung eine kleine Menge in der Armbeuge auf und wartet 24 Stunden ab. Bei Rötung, Juckreiz oder Schwellung das Öl nicht verwenden.
Wie lange ist Ringelblumen-Ölauszug haltbar?
Kühl, dunkel und gut verschlossen gelagert hält sich der fertige Ölauszug etwa sechs Monate, im Kühlschrank auch etwas länger. Entscheidend ist, dass nur vollständig getrocknete Blüten verwendet wurden und keine Feuchtigkeit ins Glas gelangt ist. Riecht das Öl ranzig oder zeigt sich Schimmel, gehört es entsorgt.

Traditionelles Wirkverständnis

Hinweis: Die folgenden Beschreibungen beruhen auf überlieferten Traditionen der Hausmittel-Kunde. Sie ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

Die alte Hausmittel-Kunde dachte in Bildern: Eine Blüte, die sich morgens mit der Sonne öffnet und sich abends wieder schließt, galt als Speicher von Wärme und Licht – und der Ölansatz auf dem Fensterbrett als Mittel, beides für den Winter aufzuheben. „Die Sonne ins Glas holen” hieß das Ansetzen mancherorts. Hildegard von Bingen führte die „Ringula” bereits im 12. Jahrhundert unter den Pflanzen für die Haut, und Maria Treben gab dem Ringelblumenöl in den 1980er Jahren einen festen Platz in ihrem vielgelesenen Kräuterbuch.

Dass das fertige Öl so tief goldgelb leuchtet, hat einen handfesten Grund: Die Blütenblätter enthalten fettlösliche Carotinoide wie Lutein und Beta-Carotin, dazu Triterpene (vor allem Faradiolester) und Flavonoide. Wasser kann diese Stoffe kaum lösen – Öl dagegen nimmt sie bereitwillig auf. Genau deshalb griff die Tradition bei der Ringelblume zum Ölauszug statt zum Tee, wenn die Haut das Ziel war: Das Fett trägt heraus, was die Blüte an öllöslichen Stoffen bereithält.

Mit diesem goldenen Öl verband die Volksheilkunde ihre Zuschreibungen: Es galt als besänftigend für raue, strapazierte Haut, und man sagte ihm nach, trockene Stellen wieder geschmeidig zu machen. Wer im Winter mit rissigen Händen aus Stall oder Waschküche kam, vertraute traditionell auf das Öl aus dem Spätsommer – weniger als Medizin denn als tägliche Pflege, die den Vorrat an Sommer über die kalten Monate streckte. Von den Bauerngärten der Großmütter bis zu den Hautpflege-Regalen von heute wurde dieses goldene Öl über Generationen weitergereicht und in vielen Häusern Jahr für Jahr neu angesetzt.

Basiswissen

Ein Schraubglas voller oranger Blütenblätter, mit Öl aufgegossen und auf das sonnige Fensterbrett gestellt – so unscheinbar beginnt eines der ältesten Pflegerezepte der häuslichen Vorratskammer. Der Ringelblumen-Ölauszug, in alten Apothekenverzeichnissen als Oleum Calendulae geführt, ist die Vorstufe der bekannten Ringelblumensalbe und zugleich ein eigenständiges Pflegeöl: pur für Hände und Körper, als Massageöl oder als Grundlage für selbst gerührte Salben. Ihren deutschen Namen verdankt die Ringelblume (Calendula officinalis) übrigens ihren Samen, die sich sichelförmig einringeln wie kleine Raupen – ein Detail, das schon die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts festhielten.

Auf dem Land war die Blüte allgegenwärtig und mehr als nur Zierde: Auf den Märkten der frühen Neuzeit wurden die getrockneten Blütenblätter als „falscher Safran” gehandelt – wer Butter, Käse oder Backwerk goldgelb färben wollte und sich das teure Gewürz nicht leisten konnte, griff zur Calendula. Derselbe Farbreichtum wandert beim Ölauszug ins Glas: Ein paar Wochen in Öl und Sonne machen aus blassen Blütenblättern ein tief goldgelbes Öl, das traditionell den Winter über für raue Hände und trockene Hautstellen hervorgeholt wurde.

Zutaten

  • Ca. 20 g getrocknete Ringelblumenblüten (2 Handvoll) – Die Blütenblätter (Zungenblüten) der Calendula officinalis verwenden, in Apothekenqualität oder selbst getrocknet. Wichtig: Die Blüten müssen vollständig durchgetrocknet sein – Restfeuchte ist die häufigste Ursache für verdorbene Ölauszüge.
  • 250 ml kaltgepresstes Olivenöl oder Sonnenblumenöl – Olivenöl ergibt ein kräftiges, eher schweres Öl mit eigenem Geruch; Sonnenblumenöl bleibt leichter und neutraler. Wer den Auszug später zur Salbe weiterverarbeiten möchte, wählt traditionell Olivenöl.
  • 1 sauberes Schraubglas (ca. 500 ml) – Mit heißem Wasser ausgespült und vollständig getrocknet. Feuchtigkeit im Glas lässt den Ansatz kippen.
  • 1 dunkle Glasflasche – Für die Aufbewahrung des fertigen Öls; Braunglas schützt den Inhalt vor Licht.

Zubereitung

  1. Blüten einfüllen: Die getrockneten Blütenblätter locker in das Glas geben, bis es etwa zu zwei Dritteln gefüllt ist. Nicht stopfen – das Öl muss alle Blüten umspülen können.
  2. Mit Öl übergießen: Das Öl langsam darübergießen, bis die Blüten mindestens zwei Fingerbreit bedeckt sind. Mit einem sauberen Löffelstiel umrühren, damit Luftblasen entweichen. Alle Blütenteile müssen unter der Öloberfläche liegen.
  3. Ansetzen: Das Glas verschließen und an einen hellen, warmen Platz stellen – traditionell auf das Fensterbrett. Dort bleibt es 3–4 Wochen stehen.
  4. Täglich schwenken: Das Glas einmal am Tag schwenken oder schütteln. Setzt sich Kondenswasser am Deckel ab, das Glas kurz öffnen und den Deckel trocken wischen.
  5. Abseihen: Das Öl nach der Ziehzeit durch ein feines Mulltuch oder einen Kaffeefilter in ein sauberes Gefäß gießen und die Blüten kräftig auspressen.
  6. Absetzen lassen und abfüllen: Das Öl ein bis zwei Tage ruhen lassen. Trübstoffe und letzte Wasserreste sammeln sich am Boden – das klare Öl vorsichtig in die dunkle Flasche abgießen, den Bodensatz verwerfen. Mit Inhalt und Datum beschriften.

Anwendung

  • Als Körperöl: Nach dem Duschen oder Baden einige Tropfen auf die noch leicht feuchte Haut geben und einmassieren – so lässt sich das Öl am besten verteilen.
  • Handpflege: Abends ein paar Tropfen in die Hände einmassieren, besonders an Nagelbett und Fingerknöcheln. In der bäuerlichen Tradition war das goldene Öl die Winterpflege für Hände, die draußen gearbeitet hatten.
  • Trockene Stellen: Ellbogen, Knie, Schienbeine und Fersen morgens und abends dünn einölen.
  • Punktuelle Pflege: Dünn auf die betroffenen Stellen auftragen – nicht auf offene Haut.
  • Massageöl: Pur verwenden oder mit einem Tropfen ätherischem Lavendelöl pro Esslöffel mischen.
  • Als Salbengrundlage: Mit Bienenwachs verschmolzen wird aus dem Auszug die klassische Ringelblumensalbe.

Sicherheit

  • Allergien: Die Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Bei bekannter Allergie gegen Arnika, Kamille, Beifuß oder Chrysanthemen vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest machen: wenig Öl in die Armbeuge geben und 24 Stunden abwarten. Bei Rötung, Juckreiz oder Schwellung das Öl nicht verwenden.
  • Nur äußerlich anwenden: Der Ölauszug ist als Pflegeöl für die Haut gedacht. Nicht einnehmen und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Offene Wunden: Nicht auf offene, nässende oder infizierte Hautstellen auftragen – solche Wunden gehören in ärztliche Hand.
  • Kinder: Bei Säuglingen und Kleinkindern nur das reine Öl ohne ätherische Zusätze und nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis verwenden.
  • Augen: Augenkontakt vermeiden. Ist Öl ins Auge gelangt, mit reichlich lauwarmem Wasser spülen.
  • Hygiene und Schimmel: Nur vollständig getrocknete Blüten und absolut trockene Gefäße verwenden. Ragen während der Ziehzeit Blütenteile aus dem Öl, untertauchen oder entfernen – an der Luft schimmeln sie. Einen Ansatz mit Schimmelbefall vollständig entsorgen.
  • Flecken: Das Öl färbt durch seine Carotinoide kräftig gelb. Helle Textilien erst berühren, wenn das Öl eingezogen ist; Flecken sofort mit Spülmittel behandeln und heiß auswaschen.
  • Schwangerschaft: Den Ölauszug in der Schwangerschaft nur äußerlich und nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin anwenden.
  • Arztbesuch: Hautveränderungen, die sich verschlimmern, großflächig ausbreiten oder nicht abklingen, ärztlich abklären lassen – ein Pflegeöl ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Varianten

  • Warmauszug (schnelle Variante): Blüten und Öl in ein hitzebeständiges Glas geben und im Wasserbad bei 60–70 °C etwa zwei Stunden ausziehen, gelegentlich rühren, dann abseihen. Fertig am selben Tag – der langsame Sonnenansatz gilt vielen Hausmittel-Kundigen dennoch als die schönere Methode.
  • Mit Lavendelblüten: Eine kleine Handvoll getrocknete Lavendelblüten mit ansetzen. Die Aromatradition schätzte diese Kombination als Abendpflege.
  • Mit frischen Blüten: Frisch gepflückte Blüten einen Tag anwelken lassen, dann ansetzen und besonders sorgfältig auf Kondenswasser achten. Wegen der Restfeuchte ist diese Variante anfälliger für Verderb – im Zweifel getrocknete Blüten wählen.
  • Johanniskraut-Rotöl: Das berühmteste Schwester-Mazerat der Hausmittel-Tradition: Johanniskrautblüten färben das Öl tiefrot. Ein eigenes Kapitel der Ölauszug-Kunde.
  • Zur Salbe weiterverarbeiten: 100 ml Ölauszug mit 10–12 g Bienenwachs im Wasserbad verschmelzen – fertig ist die klassische Ringelblumensalbe.

Haltbarkeit & Aufbewahrung

  • Haltbarkeit: Kühl und dunkel gelagert hält sich der Ölauszug etwa 6 Monate, im Kühlschrank auch etwas darüber hinaus. Maßgeblich ist die Haltbarkeit des verwendeten Trägeröls.
  • Aufbewahrung: In dunklen, gut verschlossenen Glasflaschen, fern von Herd und Heizung. Licht und Wärme lassen jedes Öl schneller ranzig werden.
  • Frische-Check: Riecht das Öl ranzig oder kratzig, hat es sich eingetrübt oder zeigt sich Belag, entsorgen.
  • Kleine Gebinde: Besser zwei kleine Flaschen als eine große – jedes Öffnen bringt Luft und damit Sauerstoff ans Öl.

Quellen

  • Hildegard von Bingen: Physica (12. Jh.) – die „Ringula” unter den Pflanzen für die Haut
  • Hieronymus Bock: New Kreütter Buch (1539) – frühe Beschreibung der Ringelblume in der deutschsprachigen Kräuterbuchliteratur
  • Maria Treben: Gesundheit aus der Apotheke Gottes (1980) – Ringelblumenöl und -salbe im Hausgebrauch
  • Bäuerliche Tradition des Alpen- und Voralpenraums: Sonnenmazerate auf dem Fensterbrett (mündliche Überlieferung)

Querverweise

  • Pflanze: Ringelblume – Monographie mit Anbau, Ernte und Brauchtum
  • Verwandtes Hausmittel: Ringelblumensalbe – die Weiterverarbeitung des Ölauszugs mit Bienenwachs
  • Verwandtes Hausmittel: Kräutertinktur ansetzen – der alkoholische Auszug als Gegenstück zum Ölansatz
  • Pflanze: Johanniskraut – Ausgangspflanze des verwandten Rotöls
  • Öl: Lavendelöl – traditioneller Duftpartner für Pflegeöle
  • Anwendung: Handpflege – weitere überlieferte Rezepte für beanspruchte Hände

Quellen & Literatur

  • Hildegard von Bingen : „Physica“ — Werk der mittelalterlichen Klostermedizin (12. Jh.) zur Heilkraft der Pflanzen
  • Maria Treben: „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ — vielgelesenes Kräuterbuch der Volksheilkunde (1980)
  • Johann Künzle : „Chrut und Uchrut“ — populäres Kräuterheilkunde-Standardwerk (1911)
Hausmittel sind überliefertes Erfahrungswissen und ersetzen keinen Arztbesuch. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen suche bitte ärztlichen Rat.

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