Mondphasen im Juni 2027
Der Juni 2027 führt auf den längsten Tag des Jahres zu und gilt in der bäuerlichen Überlieferung als Hochzeit der Kräuterernte. Er beginnt mit abnehmendem Mond im Widder, am 2. und 3. Juni folgen zwei Wurzeltage im Stier.
Den Neumond am Freitag, 4. Juni, in den Zwillingen führt der Kalender als Blütetag. Danach nimmt der Mond zu und erreicht am 11. Juni das erste Viertel in der Jungfrau. Die Tage bis zum Vollmond gelten nach Paungger und Poppe als Zeit des Aufbauens und Sammelns: Blütetage in der Waage (12. bis 14. Juni), Blatttage im Skorpion (15. und 16. Juni), Fruchttage im Schützen (17. und 18. Juni).
Der Vollmond am Samstag, 19. Juni, im Steinbock fällt auf einen Wurzeltag. Die abnehmende Monatshälfte ordnet die Überlieferung dem Trocknen, Abfüllen und Jäten zu. Zur Sommersonnenwende am 21. Juni steht der Mond noch im Steinbock, zu Johanni am 24. Juni in den Fischen. Das letzte Viertel am Sonntag, 27. Juni, im Widder trifft auf den Siebenschläfertag.
Kräuter & Heilpflanzen
Kaum ein Monat füllt die Trockenböden so wie der Juni. Geerntet wurde an trockenen Vormittagen, sobald der Tau verdunstet war – nass gesammelte Blüten verfärben sich beim Trocknen.
Johanniskraut (Hypericum perforatum): Die Sonnenwendpflanze trägt den Johannistag schon im Namen. Der Brauch verlangt, sie um Johanni zu schneiden, 2027 also um Donnerstag, den 24. Juni; an diesem Tag nimmt der Mond ab und steht in den Fischen, nach Mondkalender ein Blatttag. Wer die Mondregel strenger auslegt, sammelt an den Blütetagen 22. und 23. Juni im Wassermann. Auf den Höfen kamen die frischen Blüten in Olivenöl und standen wochenlang im Sonnenlicht, bis das Rotöl sich tiefrot färbte. Mit Johanniskrautöl eingeriebene Haut nicht der prallen Sonne aussetzen – das Kraut erhöht die Lichtempfindlichkeit.
Lavendel (Lavandula angustifolia): Geschnitten wurden die Stiele, wenn sich die ersten Blüten an der Ähre öffnen. Für 2027 nennt der Mondkalender die Blütetage vom 12. bis 14. Juni bei zunehmendem Mond in der Waage; gebündelt trockneten die Sträuße kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort.
Kamille (Matricaria chamomilla): Die Echte Kamille erkennt man am hohlen Blütenboden, der sie von der kaum duftenden Hundskamille unterscheidet. Gepflückt wurden nur die Köpfchen, gern mehrmals, denn die Pflanze blüht nach – zuerst an den Blütetagen 4. und 5. Juni im Zeichen der Zwillinge.
Arnika (Arnica montana): Die Bergblume steht in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter strengem Naturschutz und darf wild nicht gesammelt werden; geerntet wird nur aus dem Garten, etwa die leichter zu ziehende Wiesen-Arnika. Nach Paungger und Poppe gelten Löwe-Tage als bevorzugte Sammeltage für Heilkräuter, 2027 der 8. und 9. Juni bei zunehmendem Mond. Arnika niemals einnehmen.
Königskerze (Verbascum): Um die Sonnenwende öffnen sich die ersten gelben Blüten, jeden Morgen nur wenige. Sie wurden einzeln gepflückt und rasch getrocknet, weil sie sonst braun werden – passend dazu fallen die Blütetage 22. und 23. Juni in den abnehmenden Mond. Ihren großen Auftritt hat die „Wollblume“ erst im August, als Mittelstück des Kräuterbuschens zu Mariä Himmelfahrt.
Ätherische Öle
Was in der Hausapotheke als Lavendel-, Rosen- oder Melissenöl angesetzt wird, ist genau genommen ein Ölauszug in fettem Pflanzenöl. Ätherische Öle entstehen dagegen durch Wasserdampfdestillation – für einen Liter Lavendelöl braucht es 120 bis 150 Kilogramm frische Blüten.
Lavendelöl: Die Blüten aus der Ernte vom 12. bis 14. Juni wurden einen Tag angewelkt, mit Mandel- oder Olivenöl bedeckt und vier Wochen an einen hellen, warmen Platz gestellt. In vielen Familien tupfte man das Öl auf Mückenstiche und sonnenstrapazierte Haut.
Rosenöl: Im bulgarischen Rosental bei Kasanlak wird die Damaszener-Rose frühmorgens von Hand gepflückt; für einen Liter ätherisches Öl braucht es mehrere Tonnen Blüten. Bescheidener ist die häusliche Fassung: ungespritzte Rosenblütenblätter in Jojobaöl, angesetzt am Blütetag 5. Juni bei zunehmendem Mond in den Zwillingen.
Kamillenöl: Ein im Mai angesetzter Kamillen-Ölauszug wurde bei abnehmendem Mond abgeseiht und in dunkle Flaschen gefüllt, 2027 also ab dem 20. Juni.
Melissenöl: Die Melisse wird vor der Blüte geschnitten, wenn die Blätter am stärksten nach Zitrone duften – nach Mondkalender an den Blatttagen 6. und 7. Juni im Krebs. Berühmt wurde sie durch das Melissenwasser, das Pariser Karmelitermönche ab 1611 destillierten.
Ätherische Öle niemals unverdünnt auf die Haut geben. In der Schwangerschaft und bei Kindern nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin verwenden.
Heilsteine
Steine ins Sonnen- oder Mondlicht zu legen, um sie „aufzuladen“, ist ein Brauch der Steinheilkunde – und der Juni bietet dafür gleich zwei Anlässe.
Citrin: Der gelbe Quarz, benannt nach dem lateinischen „citrus“, wird in der Steinheilkunde als Sonnenstein der Lebensfreude zugeordnet. Nach altem Brauch kommt er am Morgen der Sonnenwende, am 21. Juni, für ein oder zwei Stunden ins Licht. Längere pralle Sonne vertragen blasse Citrine nicht, sie können ausbleichen.
Tigerauge: Die Überlieferung schreibt dem faserigen Quarz mit dem wandernden Lichtschein eine schützende, erdende Rolle zu. Der Brauch legt das Tigerauge in der Vollmondnacht des 19. Juni auf die Fensterbank; der Mond steht dann im Erdzeichen Steinbock.
Karneol: Schon im alten Ägypten wurde der orangerote Chalzedon zu Amuletten verarbeitet, und bis heute gilt er als Stein der Tatkraft. Für den Brauch, ihn bei zunehmendem Mond in einem Feuerzeichen auszulegen, kommen 2027 die Löwe-Tage am 8. und 9. Juni oder die Schütze-Tage am 17. und 18. Juni in Frage.
Hausmittel
Der Juni füllt die Vorratskammer für das ganze Jahr:
Ringelblumensalbe: Aus dem Ölauszug der Ringelblume rührten Generationen von Gärtnerinnen die klassische Salbe der Hausapotheke – 200 ml Öl, im Wasserbad mit 20 bis 25 g Bienenwachs verschmolzen. Der Mondkalender nennt dafür die Blütetage 12. bis 14. Juni bei zunehmendem Mond; traditionell kam die Salbe auf rissige Hände.
Thymiansirup: Der Thymian für den Wintersirup wurde kurz vor der Blüte geschnitten, 2027 an den Blatttagen 15. und 16. Juni im Skorpion, und getrocknet, bis er im Herbst mit Honig und Zitrone in den Topf kam. Kein Honig für Säuglinge unter 12 Monaten.
Lavendelsäckchen: Ende Juni ist der Lavendel durchgetrocknet. Bei abnehmendem Mond, etwa vom 28. bis 30. Juni, wurden die Blüten in Leinensäckchen gefüllt, die seit Generationen die Motten aus dem Kleiderschrank fernhalten sollen.
Kräuteressig: Estragon, Dill und Zitronenmelisse wurden an einem Blatttag bei zunehmendem Mond geschnitten, 2027 am 6. und 7. Juni im Krebs, und zogen drei bis vier Wochen in hellem Apfel- oder Weinessig.
Saisonale Besonderheiten
Den Reigen der Lostage eröffnet Medardus am Dienstag, 8. Juni: „Wie’s Wetter am Medardustag, so bleibt es sechs Wochen danach.“
Die Sommersonnenwende am Montag, 21. Juni 2027, um 16:10 Uhr bringt den längsten Tag des Jahres. Im modernen Jahreskreis heißt das Fest Litha, ein Name aus dem angelsächsischen Kalender, den der Mönch Beda im 8. Jahrhundert überlieferte. Älter ist im deutschen Sprachraum das Sonnwendfeuer: Im Mittelalter trugen die Feiernden Gürtel aus Beifuß, die sie am Ende ins Feuer warfen, damit das Unglück des Jahres mit ihnen verbrenne. In vielen Alpentälern brennen die Feuer bis heute.
Drei Tage später folgt Johanni am Donnerstag, 24. Juni – „Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen.“ Mit Johanni endet die Spargel- und Rhabarberernte, und Kränze aus Johanniskraut kamen an Türen und Fenster, wo sie Blitz und Unwetter fernhalten sollten.
Der Siebenschläfer am Sonntag, 27. Juni fällt 2027 auf das letzte Viertel im Widder. Sein Name geht nicht auf das Nagetier zurück, sondern auf die Legende von sieben jungen Christen aus Ephesus, die eingemauert in einer Höhle rund zwei Jahrhunderte geschlafen haben sollen. Nach der Regel zeigt sein Wetter die Witterung der folgenden sieben Wochen an.
Im Garten reifen Erdbeeren und Johannisbeeren, die ersten Frühkartoffeln werden gegraben, und auf den Wiesen beginnt die Heuernte.