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Altes Wissen

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Wissen · Historische Heilkundige

Pedanios Dioskurides.

1. Jahrhundert n. Chr.

Griechischer Arzt aus Anazarbos in Kilikien. Sein Arzneibuch „De materia medica“ blieb über 1500 Jahre das maßgebliche Werk der Heilmittelkunde in Europa und der arabischen Welt.

In 63 Monografien dieser Sammlung als Quelle zitiert.

Salbei — botanische Illustration
Symbolbild: Salbei aus dem Herbarium von Altes Wissen – keine Abbildung von Pedanios Dioskurides.

Leben

Über das Leben des Pedanios Dioskurides ist wenig bekannt, und fast alles stammt aus seiner eigenen Feder: aus dem Widmungsbrief, den er seinem Arzneibuch voranstellte. Er kam aus Anazarbos in Kilikien, einer Stadt im Südosten der heutigen Türkei, und lebte im 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit Kaiser Neros. Vermutlich wurde er im nahen Tarsos ausgebildet, damals ein Zentrum der Arzneimittelforschung. Dem Arzt Areios aus Tarsos, mit dem er nach eigener Angabe eng verbunden war, widmete er später sein Werk.

In dieser Vorrede beschreibt Dioskurides sein Leben als soldatenähnlich. Er habe viel gereist, Pflanzen nach Möglichkeit selbst in Augenschein genommen, die Menschen vor Ort befragt und die älteren Schriften geprüft, unter ihnen die des Wurzelkundigen Krateuas. Daraus schloss die Forschung lange, er sei Militärarzt im römischen Heer gewesen. Ob er tatsächlich mit den Legionen zog, wie lange und in welcher Stellung, ist bis heute umstritten. Sicher ist, dass sein Wissen aus Beobachtung und Befragung in der griechischsprachigen Welt des östlichen Mittelmeers stammt, nicht allein aus Büchern.

Werk

Sein Hauptwerk trägt den griechischen Titel Peri hylēs iatrikēs, „Über den Arzneistoff“, und ist unter dem lateinischen Namen De materia medica bekannt geworden. Entstanden wohl zwischen 60 und 78 n. Chr., umfasst es fünf Bücher mit rund 600 Pflanzen sowie Arzneistoffen tierischer und mineralischer Herkunft. Das erste Buch versammelt Duftstoffe, Salböle, Harze und Bäume, darunter Myrrhe und Weihrauch. Die folgenden Bücher führen über Tierisches, Getreide und Gemüse zu Wurzeln, Kräutern und Samen; das fünfte endet bei Weinen, Erzen und Erden.

Neu war die Ordnung. Dioskurides reihte die Stoffe nicht alphabetisch, sondern nach Verwandtschaft und nach der Kraft, die er ihnen zuschrieb. Jeder Eintrag folgt einem wiederkehrenden Muster aus Namen und Synonymen, Beschreibung, Standort, Zubereitung und Anwendung. Beim Salbei etwa nennt er neben dem griechischen Elelisphakon auch die römische Bezeichnung Salvia, beschreibt die vierkantigen, weißlichen Zweige und die rauen, stark duftenden Blätter und hält fest, dass die Pflanze an rauen Stellen wächst. Erst danach folgt, wofür er die Abkochung aus Blättern und Zweigen empfahl.

Auch Handwerk und Warenkunde haben ihren Platz. Für ein Rosenöl ließ er getrocknete Rosenblätter einen Tag lang in Öl durchkneten, über Nacht ruhen und dann auspressen, ein Ölauszug also, kein Destillat wie das heutige ätherische Rosenöl. Beim Weihrauch schildert er, dass Händler das Harz mit Fichtenharz und Gummi streckten, und gibt eine einfache Brennprobe an: Gummi fängt kein Feuer, Fichtenharz qualmt, echter Weihrauch entzündet sich.

Bedeutung für die Heilkunde

Kaum ein Buch der Medizingeschichte hat so lange nachgewirkt. Über 1500 Jahre blieb De materia medica das maßgebliche Arzneimittelbuch Europas und der arabischen Welt; Dioskurides gilt deshalb als Begründer der Arzneimittelkunde, der Pharmakognosie. Im 9. Jahrhundert wurde der Text in Bagdad über das Syrische ins Arabische übertragen und floss von dort in die Heilmittellehre der arabischen Ärzte ein, bis in den Kanon der Medizin des Avicenna.

Die berühmteste Abschrift ist der Wiener Dioskurides, eine Prachthandschrift, die um 512 in Konstantinopel für die Stifterin Anicia Juliana entstand, nach der Überlieferung ein Geschenk der Bürger eines Vororts, in dem sie eine Kirche hatte errichten lassen. Hunderte ganzseitiger Pflanzenbilder machen sie zu einem der kostbarsten Zeugnisse der Pflanzenkunde. 1569 wurde die Handschrift für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien erworben; heute bewahrt sie die Österreichische Nationalbibliothek, und seit 1997 gehört sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

In der Renaissance wurde Dioskurides zur Grundlage der neuen Kräuterbücher. Der italienische Arzt Pietro Andrea Mattioli veröffentlichte 1544 in Venedig eine italienische Ausgabe mit ausführlichem Kommentar, dem 1554 eine lateinische, reich bebilderte Fassung folgte; Übersetzungen ins Französische, Tschechische und Deutsche schlossen sich an. Bis heute beginnen viele Pflanzengeschichten bei ihm, auch in den Monografien dieser Sammlung: beim Fenchel ebenso wie beim Wermut oder beim Süßholz, dessen griechischer Name Glykyrrhiza, „süße Wurzel“, als botanischer Gattungsname fortlebt.

Einordnung aus heutiger Sicht

Die Überlieferung des Werks ist verwickelt. Schon im 2. Jahrhundert kursierten bearbeitete Fassungen, und der Wiener Codex ordnet die Pflanzen alphabetisch statt nach dem ursprünglichen System. Lateinische Bearbeitungen des Mittelalters veränderten und ergänzten den Text weiter; erst Max Wellmann legte zwischen 1906 und 1914 eine kritische Ausgabe des griechischen Textes vor, auf der die heutigen Übersetzungen beruhen.

Wie um viele große Namen legte sich auch um Dioskurides ein Kranz von Zuschreibungen. Mehrere Schriften liefen unter seinem Namen, etwa ein Kräuterbuch De herbis femininis oder Listen von Ersatzmitteln; ein Steinbuch, das als sein Werk galt, stammt von Damigeron. Heute gilt allein De materia medica als sicher von ihm verfasst.

Auch die Zuordnung seiner Pflanzennamen zu heutigen Arten ist nicht in jedem Fall gesichert, manche Bestimmung beruht auf Vermutung. Schon Ibn al-Baitar im 13. Jahrhundert und später Mattioli bemühten sich, seine Beschreibungen den Pflanzen ihrer eigenen Umgebung zuzuordnen. Die Anwendungen, die Dioskurides lehrte, gehören in die Medizin seiner Zeit, die von erwärmenden, zusammenziehenden oder austrocknenden Kräften der Stoffe sprach. Gerade darin liegt ihr Wert als Quelle: Sie zeigen, wie ein Arzt vor fast zweitausend Jahren Pflanzen beobachtete, benannte und ordnete, und wie viel davon über Abschriften, Übersetzungen und Kommentare bis in die Kräuterbücher der Neuzeit weitergereicht wurde.

In diesen Monografien zitiert

63

Kräuter: Alant · Aloe vera · Beifuß · Beinwell · Bockshornklee · Brennnessel · Eibisch · Eichenrinde · Fenchel · Himbeerblätter · Holunder · Ingwer · Kamille · Klette · Knoblauch · Königskerze · Kümmel · Kurkuma (Gelbwurz) · Leinsamen · Mariendistel · Melisse · Mönchspfeffer · Mutterkraut · Pfefferminze · Rosmarin · Salbei · Sauerampfer · Schafgarbe · Spitzwegerich · Süßholz · Thymian · Wacholder · Wegwarte · Weißdorn · Wermut

Ätherische Öle: Basilikumöl · Bergamotteöl · Fenchelöl · Fichtennadelöl · Ingweröl · Kamillenöl · Kardamomöl · Kümmelöl · Latschenkiefernöl · Majoranöl · Melissenöl · Myrrhenöl · Nelkenöl · Neroliöl · Orangenöl · Pfefferminzöl · Rosenöl · Rosmarinöl · Sandelholzöl · Thymianöl · Wacholderöl · Weihrauchöl · Zedernöl · Zimtöl · Zitronenöl · Zypressenöl

Hausmittel: Heilerde – Trunk und Maske · Stilltee aus Fenchel, Anis und Kümmel

Häufige Fragen

3
Wer war Pedanios Dioskurides?
Pedanios Dioskurides war ein griechischer Arzt des 1. Jahrhunderts n. Chr. aus Anazarbos in Kilikien, im Südosten der heutigen Türkei. Fast alles, was über sein Leben bekannt ist, stammt aus dem Widmungsbrief zu seinem Arzneibuch. Dort beschreibt er ein soldatenähnliches Leben mit vielen Reisen; ob er tatsächlich als Militärarzt im römischen Heer diente, ist in der Forschung umstritten.
Was steht in „De materia medica“?
Das Werk umfasst fünf Bücher und beschreibt rund 600 Pflanzen sowie Arzneistoffe tierischer und mineralischer Herkunft, von Harzen und Salbölen bis zu Wein und Erden. Zu jedem Stoff nennt Dioskurides Namen und Synonyme, Aussehen, Standort, Zubereitung und die Anwendungen, die er lehrte. Über 1500 Jahre galt es in Europa und der arabischen Welt als das maßgebliche Arzneimittelbuch.
Welche Pflanzen beschrieb Dioskurides?
Unter den rund 600 Pflanzen finden sich viele, die bis heute in Gärten und Küchen stehen, etwa Salbei, Fenchel, Wermut, Kamille und Süßholz, dazu Handelswaren wie Aloe, Myrrhe und Weihrauch. Beim Salbei nennt er neben dem griechischen Namen Elelisphakon auch die römische Bezeichnung Salvia. Manche seiner Namen leben in der botanischen Fachsprache fort, so Glycyrrhiza, die „süße Wurzel“, als Gattungsname des Süßholzes.

Quellen & Literatur

  • Max Wellmann (Hrsg.): Pedanii Dioscuridis Anazarbei De materia medica libri quinque — Kritische Ausgabe des griechischen Textes, 3 Bände, Berlin 1906–1914
  • Julius Berendes: Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern — Deutsche Übersetzung mit Erläuterungen, Ferdinand Enke, Stuttgart 1902; Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg
  • John M. Riddle: Dioscorides on Pharmacy and Medicine — University of Texas Press, Austin 1985 – Standardmonografie zu Werk und Methode

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