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Kräuter

Heilpflanze · Lippenblütler (Lamiaceae)

Gundermann.

Glechoma hederacea

Der Gundermann ist das kriechende Würzkraut der Wegränder und Hecken: Bevor sich der Hopfen durchsetzte, kam er ins Bier, in der Walpurgisnacht band man ihn zu Kränzen, und die Volksheilkunde kannte ihn als Kraut der Erkältungszeit und der Wundpflege.

Von Ralf Kluth · Zuletzt redaktionell geprüft:

Wildkräuter Küche & Haushalt Garten & Sammeln Erkältungszeit Schutz-Tradition
Familie
Lippenblütler (Lamiaceae)
Synonyme
Gundelrebe, Erdefeu, Donnerrebe, Soldatenpetersilie
Schutzstatus
Nicht geschützt
Vor der Anwendung: Hinweise zu Sicherheit & Gegenanzeigen lesen
Gundermann (Glechoma hederacea) — botanische Illustration im Herbarium-Stil

Stilisierte Illustration – keine Bestimmungshilfe. Wildkräuter nur sammeln, wenn sie sicher bestimmt sind.

Auf dieser Seite12Abschnitte
  1. 01 Häufige Fragen
  2. 02 Volksheilkunde & Geschichte
  3. 03 Überlieferte Wirkung
  4. 04 Basiswissen
  5. 05 Botanische Merkmale
  6. 06 Standort & Verbreitung
  7. 07 Ernte & Sammlung
  8. 08 Inhaltsstoffe
  9. 09 Anwendung
  10. 10 Sicherheit
  11. 11 Querverweise
  12. 12 Quellen & Literatur

Häufige Fragen

Woran erkennt man Gundermann, und womit kann man ihn verwechseln?
Gundermann kriecht mit langen, an den Knoten wurzelnden Ranken über den Boden, hat einen vierkantigen Stängel, gegenständige, nieren- bis herzförmige, grob gekerbte Blätter und von April bis Juni blauviolette Lippenblüten in den Blattachseln. Das sicherste Merkmal ist der Geruch: Ein zerriebenes Blatt duftet kräftig würzig, harzig und leicht minzig. Ähnlich sehen Kriechender Günsel, Purpurrote Taubnessel und Efeu-Ehrenpreis aus, die alle als ungiftig gelten; der Name Erdefeu darf nicht zum Griff nach dem giftigen Efeu verleiten. Was nicht sicher bestimmt ist, bleibt stehen.
Wie verwendet man Gundermann in der Küche?
Gundermann ist ein Würzkraut und wird sparsam eingesetzt: Ein paar fein gehackte junge Blätter genügen für Kräuterquark, Kräuterbutter, Rührei oder eine Wildkräutersuppe. Die blauvioletten Blüten schmücken Salate. Der alte Volksname Soldatenpetersilie erinnert an genau diesen Gebrauch als Küchenkraut.
Wofür wurde Gundermann traditionell verwendet?
In der Volksheilkunde galt der Gundermann als Kraut der Erkältungszeit: Bei Husten und verschleimter Brust trank man den Tee. Äußerlich legte man die frischen, zerdrückten Blätter auf schlecht heilende Wunden, und Hildegard von Bingen riet Menschen, die matt und erschöpft waren, zu Bädern mit dem Kraut. Daneben würzte und konservierte er über Jahrhunderte das Bier, bevor sich der Hopfen durchsetzte.
Ist Gundermann giftig?
Für Pferde gilt der Gundermann als giftig, ebenso für andere Nutztiere und manche Kleintiere wie Meerschweinchen; er gehört deshalb weder auf die Weide noch ins Futter. Vergiftungen beim Menschen sind nicht bekannt, und als Würzkraut in kleinen Mengen ist er überliefert. Größere Mengen oder eine Anwendung über längere Zeit sind nicht ratsam, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder ist Gundermann nicht geeignet.
Wann und wo sammelt man Gundermann?
Gesammelt wird von März bis Juni, das blühende Kraut von April bis Juni. Gundermann wächst auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen, an Hecken, Wegrändern und in lichten Wäldern. Gesammelt wird nur fern von Straßen, gespritzten Feldern und Hundewiesen, und das bodennahe Kraut wird vor der Verwendung gründlich gewaschen.

Volksheilkunde & Geschichte

Der Gundermann gehört zu den Pflanzen, um die sich ein dichtes Geflecht aus Brauchtum und Aberglauben gelegt hat – ein Hinweis darauf, dass er schon bei den germanischen Völkern als Heil- und Zauberpflanze in Gebrauch war. Dem Volksglauben nach schützte er vor Seuchen wie der Pest und vor Hexen. In vielen Regionen gehörte er zum Milchzauber, und zur Walpurgisnacht am 1. Mai band man das Kraut zu Kränzen: Mit einem solchen Kranz sollte man, so der Volksglaube, die Hexen erkennen können, die in dieser Nacht unterwegs waren.

Schriftlich sicher fassbar wird die Pflanze im 12. Jahrhundert. In der Physica, die Hildegard von Bingen zugeschrieben wird, heißt sie „gunde reben“. Hildegard riet einem Menschen, der matt und erschöpft war, in heißem Wasser mit dem Kraut zu baden und es, in Mus gekocht, mit Fleisch oder in Küchlein zu essen. Mit einer Lauge aus Gundelrebe sollte man den Kopf waschen, und wem die Ohren dröhnten, dem legte man das in warmem Wasser erhitzte und ausgedrückte Kraut um den Kopf. Süddeutsche Kräuterhandschriften des 15. Jahrhunderts, etwa das Speyrer Kräuterbuch von 1456, übernahmen diese Ratschläge fast wörtlich.

Die Kräuterbücher der Renaissance – Otto Brunfels (1532), Hieronymus Bock (1539) und Leonhart Fuchs (1543) – widmeten der „Gundelreb“ jeweils ein eigenes Kapitel. Die Gelehrten jener Zeit setzten sie mit dem „Chamaikissos“ der Antike gleich, dem „Erd-Efeu“ (Hedera terrestris), und übertrugen die Anwendungen, die Dioskurides und seine Nachfolger dafür beschrieben hatten, auf die heimische Pflanze.

Eine ganz eigene Geschichte schrieb der Gundermann im Braukessel. In England würzten, klärten und konservierten die Brauer ihr Ale mit dem bitter-aromatischen Kraut, bis im späten 15. Jahrhundert der Hopfen Einzug in die Brauereien hielt und diese Rolle übernahm. Englische Volksnamen wie „alehoof“ und „tunhoof“ erinnern bis heute daran, und noch im 18. Jahrhundert wurde dort ein „gill ale“ ausgeschenkt, ein mit Gundermann angesetztes Starkbier.

In der bäuerlichen Küche gehörten die jungen Frühlingsblätter zu den Gründonnerstagsgerichten, mit denen das erste Grün des Jahres auf den Tisch kam. Selbst in der Käserei fand er Verwendung – als pflanzlicher Ersatz für tierisches Lab.

Überlieferte Wirkung

Hinweis: Die folgenden Beschreibungen beruhen auf überlieferten Traditionen der Volksheilkunde. Sie ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

In der Volksheilkunde war der Gundermann zuerst ein Kraut der Erkältungszeit. Saß der Husten fest und war die Brust verschleimt, kam ein Tee aus dem frischen oder getrockneten Kraut auf den Tisch, oft gesüßt mit etwas Honig; auch bei Schnupfen griff man auf dem Land zu dem würzigen Aufguss. Weil die Pflanze wintergrün ist, war sie für diesen Tee fast das ganze Jahr über greifbar.

Ein zweiter Strang der Überlieferung gehört der Haut. Schon der Name verweist darauf: Das althochdeutsche „gund“ bedeutete wahrscheinlich „Eiter“ oder „Geschwür“. Auf schlecht heilende, nässende Wunden legte man die frisch zerquetschten Blätter, und Waschungen oder Bäder mit dem Sud sollten unreiner, entzündeter Haut guttun. Diese Verbindung von Pflanze und langwierigen Wunden wurde über Generationen weitergegeben und findet sich in Wildkräuterbüchern bis heute.

Der dritte Strang betrifft den Bauch. Nach schweren Mahlzeiten und bei Durchfall trank man den herben Tee; sein bitterer, zusammenziehender Geschmack galt als Zeichen dafür, dass er den Bauch beruhige und die Verdauung in Gang bringe. Das Alemannische Kräuterbuch aus dem 15. Jahrhundert führte die „grundreb“ zudem als Mittel gegen Gifte.

Und schließlich lebt in der Überlieferung Hildegards Gedanke vom Kräuterbad für Erschöpfte fort: Wer matt war und nicht zu Kräften kam, dem bereitete man ein warmes Bad mit Gundelrebe – ein Bild, das den Gundermann eher als stilles Hauskraut zeigt denn als großes Arzneimittel.

Basiswissen

Unter Hecken, an Gartenzäunen und im Rasen, der zu selten gemäht wird, breitet er sich aus: ein niedriges Geflecht aus rundlichen, gekerbten Blättern, aus dem im April die ersten blauvioletten Lippenblüten schauen. Tritt man darauf, steigt ein würzig-harziger, leicht minziger Duft auf – der Gundermann verrät sich zuerst über die Nase. Im Niederdeutschen hieß er nach seinem Lieblingsplatz „Heckenkieker“, der Volksname „Soldatenpetersilie“ verweist auf seinen Gebrauch als Würzkraut.

Auch die wissenschaftlichen Namen erzählen von ihm. Glechoma geht auf das griechische „glechon“ zurück, die Bezeichnung für die Poleiminze, und Carl von Linné übertrug den Namen auf den Gundermann. Der Artname hederacea bedeutet „efeuartig“ – wegen der Ranken, die wie kleiner Efeu am Boden entlanglaufen. Daher stammt auch der deutsche Name Erdefeu.

Der Gundermann (Glechoma hederacea) ist ein Lippenblütler wie Minze, Thymian und Salbei und teilt mit ihnen den vierkantigen Stängel, die gegenständigen Blätter und das ätherische Öl. In der Küche ist er ein kräftiges Würzkraut, das nur sparsam verwendet wird; in der Kräutertradition war er über Jahrhunderte ein Hauskraut der Erkältungszeit und der Wundpflege. Für Wildkräutersammler gehört er zu den ersten grünen Funden des Jahres – und zu denen, die sich dank ihres Geruchs gut von ähnlichen Pflanzen unterscheiden lassen.

Botanische Merkmale

Der Gundermann ist eine ausdauernde, wintergrüne, krautige Pflanze. Er wächst flach am Boden und bildet mit seinen Ausläufern dichte, teppichartige Bestände.

Wuchs: Die nichtblühenden Triebe kriechen als Ausläufer am Boden und schlagen an vielen Knoten Wurzeln. Der Hauptspross kann bis zu 2 m lang werden. Die Blütentriebe richten sich auf und werden 10–30 cm hoch.

Stängel: Deutlich vierkantig, wie bei allen Lippenblütlern – das lässt sich zwischen den Fingern ertasten. Stängel und Blattunterseiten sind häufig purpurn überlaufen; die Behaarung schwankt von fast kahl bis weich behaart.

Blätter: Kreuzgegenständig (jeweils zwei gegenüber, das nächste Paar um 90 Grad versetzt), lang gestielt, nierenförmig bis rundlich-herzförmig, mit grob gekerbtem Rand. Die Blattspreite ist meist 0,4–3,5 cm lang und 0,6–4 cm breit.

Blüten: Typische Lippenblüten, meist 15–22 mm lang, blauviolett mit purpurnen Flecken auf der Unterlippe, selten rosa oder weiß. Sie stehen zu zwei bis fünf in den Achseln der oberen Blätter – also entlang des Triebes, nicht in einer Ähre an der Spitze. Blütezeit April bis Juni, vereinzelt bis Juli.

Früchte: Nach der Blüte zerfällt die Frucht in vier kleine, glatte Teilfrüchte (Klausen). Sie tragen ein kleines Anhängsel, das als Nährkörper für Ameisen gedeutet wird, und werden von Ameisen verbreitet. Fruchtreife Juni bis August.

Geruch: Zerrieben duften Blätter und Triebe harzig-aromatisch, minzähnlich und mit einem Anklang von Lakritz. Dieser Geruch ist das wichtigste Erkennungsmerkmal.

Verwechslungsgefahr: Kriechender Günsel, Purpurrote Taubnessel und Efeu-Ehrenpreis sehen dem Gundermann auf den ersten Blick ähnlich. Die Unterscheidungsmerkmale stehen im Abschnitt „Sicherheit“.

Standort & Verbreitung

Der Gundermann ist in fast ganz Europa verbreitet und in Mitteleuropa sehr häufig. Sein Areal reicht über West- und Nordasien bis nach Japan; nach Nordamerika und Neuseeland wurde er vom Menschen eingeschleppt und gilt dort als Unkraut. Er wächst vom Tiefland bis in die Bergstufe, im Wallis bis 1600 m.

Bevorzugt werden feuchte, schwere, nährstoffreiche und oft kalkhaltige Böden in halbschattiger bis schattiger Lage. Typische Standorte sind Waldsäume, Hecken, Auengebüsche, lichte Laubwälder, Wegränder und Fettwiesen, außerdem häufig gemähte Rasen in Gärten und Parks. Mahd verträgt er gut, Salz dagegen nicht.

Im Garten: Wo er von selbst einwandert, lässt sich der Gundermann als Bodendecker unter Gehölzen dulden – er hält den Boden bedeckt und ist im Frühjahr eine beliebte Nektarpflanze für Bienen und Falter. Im Handel gibt es auch eine weißbunte Zierform. Wer ihn eindämmen will, zieht die oberflächlichen Ausläufer regelmäßig heraus.

Ernte & Sammlung

Erntezeit: März bis Juni; das blühende Kraut von April bis Juni. Die jungen Triebe im Frühjahr sind am mildesten. Da die Pflanze wintergrün ist, finden sich auch außerhalb dieser Zeit grüne Blätter.

Pflanzenteil: Geerntet werden die oberen, beblätterten Triebspitzen, zur Blütezeit samt Blüten. Die Ranken mit einer Schere oder einem Messer abschneiden, nicht ausreißen – so treibt der Bestand wieder aus.

Sammelregeln:

  • Nur sammeln, was sicher bestimmt ist – jeden Trieb am vierkantigen Stängel, an der Blattform und am Geruch prüfen. Im Zweifel stehen lassen.
  • Nur für den eigenen Bedarf sammeln und die Handstraußregel einhalten: so viel, wie in eine Hand passt.
  • Nicht in Naturschutzgebieten sammeln.
  • Nicht an Straßenrändern, an gespritzten Feldern und Feldrändern oder auf Hundewiesen sammeln.
  • Das bodennahe Kraut vor der Verwendung gründlich waschen.

Ausführliche Regeln und einen Sammelkalender für weitere Arten bündelt der Überblick Wildkräuter sammeln, die gefährlichsten Verwechslungen anderer Wildkräuter der Abschnitt Verwechslungsgefahren.

Trocknung: Die Triebe in dünner Schicht auf Gittern oder Papier ausbreiten oder locker gebündelt aufhängen und schattig und luftig bei höchstens 35–40 °C trocknen. Das ätherische Öl ist flüchtig – zu hohe Temperaturen nehmen dem Kraut sein Aroma.

Haltbarkeit: Getrocknetes Kraut in dunklen, luftdicht verschlossenen Gefäßen etwa ein Jahr. Frisch gesammelt hält sich der Gundermann in einem feuchten Tuch im Kühlschrank zwei bis drei Tage.

Inhaltsstoffe

WirkstoffgruppeHauptvertreterGehalt
GerbstoffeLamiaceen-Gerbstoffe3–7 %
Ätherisches ÖlPinocamphon, Menthon, Pulegon, Pinen, Limonen, Linalool, Menthol0,03–0,06 %
BitterstoffeGlechomin, Marrubiingering
FlavonoideHyperosid, Isoquercetin, Luteolin-Glykoside, Cymarosidvariabel
Triterpene & SteroleUrsolsäure, β-Sitosterolvariabel
Saponine–gering
Lektinezuckerbindende Eiweiße der Blättergering

Ätherisches Öl: Der würzig-minzige Duft geht auf ein Gemisch aus Monoterpenen zurück, in dem Pinocamphon, Menthon und Pulegon zu den kennzeichnenden Bestandteilen gehören. Pulegon ist auch der Leitstoff der Poleiminze, auf die der Gattungsname Glechoma zurückgeht. Der Gesamtgehalt an ätherischem Öl ist beim Gundermann allerdings sehr niedrig: Er liegt bei weniger als einem Dreißigstel dessen, was die Poleiminze enthält.

Bitter- und Gerbstoffe: Der Bitterstoff Glechomin ist chemisch bis heute nicht genau aufgeklärt; daneben kommt Marrubiin vor, das auch den Andorn bitter macht. Zusammen mit den reichlich enthaltenen Gerbstoffen erklären sie den herben Geschmack des Krauts – und, historisch betrachtet, seine Rolle bei der Haltbarmachung von Bier.

Anwendung

Gundermanntee (innerlich)

Zubereitung: 1–2 Teelöffel getrocknetes Kraut (etwa 2 g) oder einen gehäuften Esslöffel frisch gehacktes Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Nach Belieben mit etwas Honig süßen.

Dosierung: Traditionell 2–3 Tassen täglich, nur für kurze Zeit und nicht als Dauertee (siehe Abschnitt Sicherheit).

Traditionelle Anwendung: in der Erkältungszeit bei Husten und verschleimter Brust, bei Schnupfen sowie nach schweren Mahlzeiten.

Gundermann als Würzkraut (Nahrungsmittel)

Zubereitung: Junge Blätter und Triebspitzen waschen, fein hacken und sparsam verwenden – ein bis zwei Teelöffel genügen für eine Schüssel Kräuterquark, Kräuterbutter oder ein Rührei. In Suppen und Kartoffelgerichten erst kurz vor dem Servieren zugeben. Die Blüten eignen sich als essbare Dekoration für Salate und Brote.

Überlieferung: Die „Soldatenpetersilie“ der Volksküche – ein herb-würziges Kraut, das wegen seines kräftigen Aromas immer in kleinen Mengen verwendet wurde.

Gründonnerstags-Kräutersuppe (Nahrungsmittel)

Zubereitung: Eine Zwiebel in Butter andünsten, 2 mehligkochende Kartoffeln in Würfeln zugeben, mit 1 Liter Gemüsebrühe aufgießen und weich kochen. Zwei Handvoll gemischte, sicher bestimmte junge Wildkräuter – etwa Brennnessel, Löwenzahn und Bärlauch – sowie eine kleine Handvoll Gundermannblätter waschen, hacken, in die Suppe geben, nur kurz aufkochen und pürieren. Mit Salz, Pfeffer und einem Schuss Sahne abschmecken.

Überlieferung: Das erste Grün des Jahres in der Suppe zum Gründonnerstag – ein Brauch, in dem auch der Gundermann seinen Platz hatte.

Gundermann-Ölauszug (äußerlich)

Zubereitung: Frisch gesammeltes, trockenes Kraut einige Stunden anwelken lassen, damit es weniger Wasser enthält. Ein sauberes Schraubglas locker damit füllen, vollständig mit Olivenöl bedecken, verschließen und 3–4 Wochen an einem warmen Ort ohne pralle Sonne ziehen lassen; täglich schwenken. Dann abseihen, gut auspressen und in dunkle Flaschen füllen. Das Vorgehen entspricht dem Ringelblumen-Ölauszug.

Traditionelle Anwendung: als Einreibung bei rauer, rissiger Haut und kleinen Schrunden. Nicht auf offene, tiefe oder entzündete Wunden geben.

Gundermann-Kräuteressig (haltbar gemacht)

Zubereitung: Eine Handvoll gewaschene, gut abgetropfte Gundermanntriebe in ein Glas geben, mit 0,5 Liter mildem Apfel- oder Weißweinessig übergießen und verschlossen zwei Wochen an einem schattigen Ort ziehen lassen. Abseihen und dunkel lagern. Grundrezept und Varianten beschreibt der Kräuteressig.

Anwendung: als würziger Essig für Salate und Wildkräuterdressings.

Sicherheit

Verwechslungsgefahr: Der Gundermann hat keine bekannten giftigen Doppelgänger, die ihm zum Verwechseln ähnlich sehen. Drei ungiftige Pflanzen wachsen jedoch oft am selben Standort und blühen zur selben Zeit:

  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans): Auch er ist ein Lippenblütler mit vierkantigem Stängel und Ausläufern. Seine Blätter sind aber eiförmig bis spatelförmig, 4–8 cm lang, glänzend und fast ganzrandig bis wellig, und sie bilden eine grundständige Rosette. Die blauen Blüten sitzen in einem ährenartigen Blütenstand an der Triebspitze, die Oberlippe ist fast nicht zu sehen. Die Ausläufer wurzeln nur an ihrem Ende. Der würzige Gundermann-Duft fehlt.
  • Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum): Ebenfalls vierkantig und gegenständig beblättert, aber einjährig, aufrecht wachsend und ohne wurzelnde Ausläufer. Die oberen Blätter sind purpurn überlaufen und an der Triebspitze dicht gedrängt; die purpurrosa Blüten stehen in Quirlen zu sechs bis zehn, oben kopfig zusammengerückt. Auch sie riecht nicht wie Gundermann.
  • Efeu-Ehrenpreis (Veronica hederifolia): Einjährig, niederliegend bis aufsteigend, mit gelappten, behaarten Blättern. Die kleinen, hellblauen Blüten sind keine Lippenblüten: Sie haben eine flache, vierzipfelige Krone, stehen einzeln an langen Stielen und messen nur wenige Millimeter. Kein würziger Geruch.

Nicht mit Efeu verwechseln: Der Volksname „Erdefeu“ bezieht sich nur auf die Wuchsform. Der Gemeine Efeu (Hedera helix) ist in allen Teilen giftig. Er hat verholzende Triebe mit Haftwurzeln, wechselständige, ledrige, glänzende Blätter, die an kriechenden und kletternden Trieben meist drei- bis fünflappig und ganzrandig sind, und keine Lippenblüten.

Entscheidend sind drei Merkmale zusammen: vierkantiger Stängel, nieren- bis herzförmige, grob gekerbte Blätter und der würzig-minzige Geruch beim Zerreiben. Fehlt eines davon: Im Zweifel stehen lassen. Bei Beschwerden nach dem Verzehr einer gesammelten Pflanze (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kreislaufprobleme) sofort ärztliche Hilfe suchen oder den Giftnotruf anrufen, bei Atemnot oder Bewusstseinsstörungen den Notruf 112. Pflanzenreste oder ein Foto der Pflanze aufbewahren.

Giftig für Tiere: Für Pferde gilt der Gundermann als giftig, ebenso für andere Nutztiere und manche Kleintiere. Gundermann deshalb nicht an Pferde, Meerschweinchen, Kaninchen oder Hamster verfüttern, Weiden und Ausläufe mit dichtem Bewuchs im Blick behalten und stark durchsetztes Heu nicht verwenden. Bei Verdacht auf eine Vergiftung die Tierärztin oder den Tierarzt verständigen.

Menge & Dauer: Vergiftungen beim Menschen sind nicht bekannt, und als Würzkraut in Küchenmengen ist der Gundermann überliefert. Größere Mengen und eine Anwendung über längere Zeit sind dagegen nicht ratsam: Das ätherische Öl enthält unter anderem Pulegon, und in höherer Dosierung können Magen-Darm-Reizungen und Bauchkrämpfe auftreten. Tee nur kurzzeitig trinken, nicht als Dauertee.

Schwangerschaft & Stillzeit: Gundermann in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwenden – weder als Tee noch in größeren Küchenmengen.

Kinder: Kindern und Jugendlichen keinen Gundermanntee und keine anderen arzneilichen Zubereitungen geben; für diese Altersgruppe fehlen Erfahrungen.

Allergien: Wer auf Lippenblütler wie Thymian, Oregano oder Minze allergisch reagiert, verzichtet auf Gundermann – innerlich wie äußerlich.

Grenzen der Selbstanwendung: Husten, der länger als eine Woche anhält, mit Fieber, Atemnot oder blutigem Auswurf einhergeht, gehört in ärztliche Hand. Tiefe, stark verschmutzte, gerötete oder eiternde Wunden ebenfalls ärztlich versorgen lassen.

Querverweise

Wildkräuter sammeln: Der Überblick Wildkräuter sammeln mit Sammelkalender und Sammelregeln sowie die gefährlichsten Verwechslungsgefahren im Überblick. Passend dazu im Blog: Frühjahrskur mit Wildkräutern, Wildkräuter im Mai sammeln und Bärlauch sammeln.

Hausmittel: Kräuteressig – das Vorratsrezept, in dem der Gundermann als Würzkraut seinen Platz findet; Ringelblumen-Ölauszug – dieselbe Methode wie beim Gundermann-Ölauszug.

Verwandte Kräuter: Thymian und Pfefferminze (Lippenblütler-Verwandte mit ätherischem Öl, ebenfalls Kräuter der Erkältungszeit), Hopfen (der Nachfolger des Gundermanns im Braukessel), Brennnessel und Löwenzahn (Partner im ersten Frühlingsgrün), Spitzwegerich (ein weiteres Wegrandkraut, dessen frische Blätter traditionell auf kleine Wunden gelegt wurden).

Heilsteine: Moosachat – der grüne „Pflanzenstein“, den die Steinheilkunde mit dem ersten Grün des Frühjahrs verbindet.

Quellen & Literatur

  • Hildegard von Bingen : „Physica“ — Werk der mittelalterlichen Klostermedizin (12. Jh.), frühester sicherer Beleg der „gunde reben“
  • Hieronymus Bock: „New Kreütter Buch“ (1539) — frühes deutsches Kräuterbuch der Renaissance mit einem eigenen Kapitel zur Gundelrebe
  • Leonhart Fuchs: „New Kreüterbuch“ (1543) — Kräuterbuch der Renaissance, das die „Gundelreb“ in einem eigenen Kapitel beschreibt
Heilpflanzen können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Die hier genannten Anwendungen ersetzen keinen Arztbesuch. Beachte die Sicherheitshinweise im Abschnitt „Sicherheit“.

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