Zum Inhalt springen
Altes Wissen

Die Inhalte auf altes-wissen.org dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultiere bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt.

Kräuter

Heilpflanze · Nelkengewächse (Caryophyllaceae)

Vogelmiere.

Stellaria media

Die Vogelmiere ist das stille Wildgemüse vor der Haustür: ein zarter, fast ganzjährig grüner Teppich aus Gärten und Äckern, den Hühner und Singvögel lieben und den die Volksheilkunde als kühlende Auflage für gereizte Haut kannte. Ihr sicherstes Kennzeichen ist die feine Haarleiste am Stängel.

Von Ralf Kluth · Zuletzt redaktionell geprüft:

Wildkräuter Hautpflege Garten & Sammeln Küche & Haushalt Frühjahrskur
Familie
Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Synonyme
Hühnerdarm, Sternmiere, Mäusedarm, Vogelkraut
Schutzstatus
Nicht geschützt
Vor der Anwendung: Hinweise zu Sicherheit & Gegenanzeigen lesen
Vogelmiere (Stellaria media) — botanische Illustration im Herbarium-Stil

Stilisierte Illustration – keine Bestimmungshilfe. Wildkräuter nur sammeln, wenn sie sicher bestimmt sind.

Auf dieser Seite12Abschnitte
  1. 01 Häufige Fragen
  2. 02 Volksheilkunde & Geschichte
  3. 03 Überlieferte Wirkung
  4. 04 Basiswissen
  5. 05 Botanische Merkmale
  6. 06 Standort & Verbreitung
  7. 07 Ernte & Sammlung
  8. 08 Inhaltsstoffe
  9. 09 Anwendung
  10. 10 Sicherheit
  11. 11 Querverweise
  12. 12 Quellen & Literatur

Häufige Fragen

Woran erkennt man Vogelmiere, und womit kann man sie verwechseln?
Das sicherste Merkmal ist der runde Stängel mit einer einzelnen feinen Haarleiste, die an jedem Blattpaar die Seite wechselt. Dazu kommen gegenständige, eiförmig zugespitzte Blättchen und kleine weiße Sternblüten mit tief gespaltenen Kronblättern. Der giftige Acker-Gauchheil hat dagegen einen vierkantigen, kahlen Stängel ohne Haarleiste, unterseits oft schwarz punktierte Blätter und meist orangerote Blüten. Wer sich nicht ganz sicher ist, lässt die Pflanze stehen.
Wann und wo sammelt man Vogelmiere am besten?
Vogelmiere lässt sich fast das ganze Jahr ernten, am ergiebigsten von März bis Mai und von September bis November, im Winter an frostfreien Tagen. Geschnitten werden die oberen, zarten Triebspitzen. Am besten stammt sie aus dem eigenen, ungespritzten Garten — nicht von Straßenrändern, gespritzten Feldrändern oder Hundewiesen — und wird vor der Verwendung gründlich gewaschen.
Wie verwendet man Vogelmiere in der Küche?
Vogelmiere schmeckt mild, ein wenig nach jungem Mais oder jungen Erbsen, und wird meist roh gegessen: als Salat, auf dem Butterbrot oder im Kräuterquark. In Suppen gibt man sie erst zum Schluss dazu, damit das zarte Kraut nicht zerkocht. Weil sie auch im Winter frisch nachwächst, war sie auf dem Land ein geschätzter Wintersalat.
Wofür wurde Vogelmiere in der Volksheilkunde verwendet?
Vor allem äußerlich: Das frische, zerdrückte Kraut legte man als kühlende Auflage auf juckende, gerötete oder gereizte Haut. Der englische Kräuterkundige Nicholas Culpeper beschrieb diese Anwendung im 17. Jahrhundert ausführlich. Daneben galt das Kraut als Kost für Genesende und als frisches Grün nach dem Winter.
Hat Vogelmiere Nebenwirkungen?
In üblichen Küchenmengen gilt die Vogelmiere als gut bekömmliches Wildgemüse; wegen ihrer Saponine wird sie aber nicht in großen Mengen gegessen. Die eigentliche Gefahr liegt in der Verwechslung mit dem giftigen Acker-Gauchheil, der am selben Standort wachsen kann. In Schwangerschaft und Stillzeit Tee-Kuren nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin trinken.

Volksheilkunde & Geschichte

Die Vogelmiere begleitet den Menschen seit der Steinzeit. Botaniker zählen sie zu den Archäophyten — den Pflanzen, die sich früh im Gefolge des Ackerbaus ausgebreitet haben und seither überall zu Hause sind, wo Boden umgegraben und gedüngt wird. Ihren Namen verdankt sie ihren treuesten Abnehmern: Vögel, allen voran Hühner, fressen Blätter und Samen mit Vorliebe, und bis heute geben Vogelhalter das frische Kraut ihren Ziervögeln als Zusatzfutter. Woher die „Miere“ im Namen stammt, ist dagegen ungeklärt — das vermerkte schon Gerhard Madaus 1938.

Umso anschaulicher sind die Volksnamen. „Hühnerdarm“ und „Mäusedarm“ beziehen sich auf die kriechenden, gewundenen Stängel und ihren weißlichen Innenstrang. Madaus verzeichnete eine ganze Landkarte solcher Namen: „Hennendarm“ in Bayern und Österreich, „Gänsekraut“ in der Eifel, „Hüenersepp“ im Elsass, schlicht „Miere“ in Ostfriesland.

Den Weg in die Apotheken fand die Vogelmiere über eine Gelehrtenvermutung. Einige mittelalterliche Botaniker hielten sie für die „Alsine“, die der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert beschrieben hatte. Unter den Namen „Herba Alsines“ und „Herba Morsus gallinae“ — wörtlich „Hühnerbiss“ — wurde das Kraut daraufhin in den Offizinen geführt. Der Basler Botaniker Caspar Bauhin nannte sie im 17. Jahrhundert „Alsine media“, die „mittlere“ Alsine, um sie von größeren und kleineren Verwandten zu unterscheiden; der Beiname lebt im heutigen Stellaria media fort.

Die Kräuterbücher der frühen Neuzeit nahmen sich der Pflanze an. Hieronymus Bock ließ das Kraut im 16. Jahrhundert auf „hitzige Wunden und Schäden“ legen und rührte daraus eine kühlende Salbe. In England stellte Nicholas Culpeper die Vogelmiere Mitte des 17. Jahrhunderts „unter die Herrschaft des Mondes“ und nannte sie ein feines, weiches, gefälliges Kraut. Für hartnäckige Schwellungen kochte er die Blätter mit Eibisch und band sie mit Bockshornklee und Leinsamen zu einem Breiumschlag — eine Mischung, die sich wie ein Querschnitt durch die alte Hausapotheke liest.

Überlieferte Wirkung

Hinweis: Die folgenden Beschreibungen beruhen auf überlieferten Traditionen der Volksheilkunde. Sie ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

In der Volksheilkunde ist die Vogelmiere zuerst ein Kraut für die Haut. Wo es juckte, brannte oder sich rötete, legte man das frisch gepflückte, zwischen den Händen zerdrückte Kraut auf und tauschte es aus, sobald es warm und welk geworden war. Der Pflanze sagte man eine kühlende, besänftigende Natur nach; die galenische Säftelehre, auf die sich Culpeper berief, ordnete die „Alsine“ als kalt und feucht ein. Culpeper zählte Rötungen im Gesicht, Quaddeln, Pusteln und Juckreiz zu ihren Einsatzfeldern, und Madaus verzeichnete 1938 Umschläge und Waschungen mit Vogelmiere bei Hautausschlägen. Bis heute rühren Kräuterkundige aus dem Kraut Salben, die auf juckende, gereizte Haut gestrichen werden.

Ein zweiter, heute fast vergessener Strang gehört den Genesenden. In den Offizinen führte man das Kraut als Stärkungsmittel für Menschen, die nach langer Krankheit wieder zu Kräften kommen sollten, und Bock empfahl es ausdrücklich allen, die durch Krankheit abgemagert waren. Madaus verzeichnete außerdem Tees aus Vogelmiere, die bei festsitzendem Husten getrunken wurden — oft kalt angesetzt und über den Tag verteilt.

Der dritte Strang führt in die Küche. Weil die Vogelmiere selbst an frostfreien Wintertagen frisches Grün liefert, war sie über Generationen ein geschätzter Wintersalat, und im Frühjahr stand sie neben Brennnessel und Löwenzahn im Korb. Man sagte dem jungen, saftigen Kraut nach, den Körper nach den kargen Monaten wieder zu beleben — ein Gedanke, der hinter jeder Frühjahrskur der mitteleuropäischen Tradition steht.

Basiswissen

Im Januar, wenn das Gemüsebeet sonst nur Kohlstrünke und kahle Erde zeigt, liegt sie oft schon da: ein weiches, hellgrünes Polster, übersät mit winzigen weißen Sternen. Die Vogelmiere kümmert sich wenig um Jahreszeiten. Bei mildem Wetter blüht sie fast das ganze Jahr, und eine einzige Pflanze bildet meist mehr als zehntausend Samen — Gärtner kennen sie deshalb vor allem als Unkraut, das nach jedem Jäten wiederkommt.

Der Gattungsname Stellaria kommt von lateinisch „stella“, Stern, und beschreibt die Blüte genau: fünf schneeweiße Kronblätter, so tief gespalten, dass ein zehnstrahliger Stern daraus wird. Ihre Blüten öffnen sich nur bei freundlichem, trockenem Wetter; an trüben Tagen bleiben sie geschlossen.

Für die Kräuterküche ist die Vogelmiere eines der mildesten Wildgemüse überhaupt — kaum bitter, saftig und zart. Die Volksheilkunde schätzte sie dagegen vor allem äußerlich, als kühlende Auflage auf gereizter Haut. Eines aber verlangt sie von allen, die sie sammeln: einen genauen Blick auf den Stängel. Denn in denselben Beeten und Ackerrändern wächst der giftige Acker-Gauchheil, dessen Jungpflanzen ihr zum Verwechseln ähnlich sehen (siehe Abschnitt „Sicherheit“).

Botanische Merkmale

Die Vogelmiere ist eine einjährige, krautige Pflanze; Exemplare, die im Herbst keimen, überwintern und leben bis zu einem Jahr. Ihre niederliegenden bis kriechenden, reich verzweigten Stängel werden 5–40 cm lang und bilden flache, dichte Rasen. Wo die Triebe dem Boden aufliegen, schlagen sie an den Knoten feine Wurzeln.

Stängel: Rund, dünn (etwa 1 mm), saftig und leicht zerbrechlich. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist eine einzelne Haarleiste („Haarlinie“), die an einer Seite des sonst kahlen Stängels entlangläuft und an jedem Blattpaar die Seite wechselt. Sie lässt sich zwischen Daumen und Zeigefinger ertasten oder mit einer Lupe gut erkennen; an ihr laufen Tautropfen zu den Blattpaaren hinab. Zieht man einen Stängel vorsichtig auseinander, bleibt oft ein weißlicher, elastischer Innenstrang stehen.

Blätter: Gegenständig, eiförmig mit kurzer Spitze, ganzrandig, weich und hellgrün. Die unteren Blätter sind kurz gestielt, die oberen sitzen direkt am Stängel. Die Blattunterseite ist glatt und ohne dunkle Punkte.

Blüten: Klein, weiß und sternförmig, in lockeren Trugdolden an den Triebenden. Jede Blüte hat fünf grüne Kelchblätter und fünf weiße Kronblätter, die bis fast zum Grund zweigeteilt sind und deshalb wie zehn wirken. Die Kronblätter überragen den Kelch kaum und fehlen manchmal ganz. Typisch sind drei bis zehn Staubblätter mit violetten Staubbeuteln und drei Griffel. Blütezeit ist bei mildem Wetter praktisch das ganze Jahr.

Frucht & Samen: Eine 3–5 mm lange Kapsel mit zahlreichen rötlich-braunen, etwa 1 mm großen Samen.

Geruch & Geschmack: Die Vogelmiere hat keinen auffälligen Geruch — die Geruchsprobe, die beim Bärlauch entscheidet, hilft hier nicht weiter. Roh schmeckt sie mild, ein wenig nach jungem Mais oder jungen Erbsen.

Verwechslungsgefahr: Der giftige Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) wächst an denselben Standorten und ähnelt ihr besonders vor der Blüte. Er hat einen vierkantigen, kahlen Stängel ohne Haarleiste, sitzende Blätter mit oft schwarz punktierter Unterseite und meist orangerote Blüten. Maßgeblich ist immer der Stängel (siehe Abschnitt „Sicherheit“).

Standort & Verbreitung

Die Vogelmiere ist ein Kosmopolit: Ursprünglich in Eurasien und Nordafrika beheimatet, wächst sie heute in allen Erdteilen. In Mitteleuropa kommt sie von der Ebene bis ins Gebirge vor.

Typische Standorte sind Gärten, Gemüsebeete, Äcker, Weinberge, Wegränder, Schuttplätze und Ufer. Sie bevorzugt frische bis feuchte, nährstoff- und vor allem stickstoffreiche Böden und gedeiht auch im Halbschatten. Als Stickstoffzeiger verrät sie gut gedüngten Boden — Madaus zählte sie zu den „Ammoniakpflanzen“. In Getreide-, Mais- und Kartoffelkulturen gilt sie als Unkraut; zudem kann sie Blattläuse beherbergen, die das Gurkenmosaikvirus übertragen.

Im Garten: Wer nicht jedes Pflänzchen jätet, hat mit ein paar Quadratmetern Vogelmiere fast das ganze Jahr eine eigene, unbehandelte Quelle für frisches Grün. Das ist zugleich der sicherste Sammelort: Der Boden ist bekannt, Spritzmittel und Hunde bleiben außen vor. Allerdings kann sich auch im Garten der Acker-Gauchheil ansiedeln — er liebt dieselben offenen, nährstoffreichen Böden.

Ernte & Sammlung

Schutzstatus: Die Vogelmiere ist nicht geschützt. In freier Natur gilt dennoch die Handstraußregel: gesammelt wird nur für den eigenen Bedarf, so viel, wie in eine Hand passt. In Naturschutzgebieten wird nicht gesammelt. Vor dem ersten Sammelgang lohnt der Blick in den Ratgeber Wildkräuter sammeln mit seinem Abschnitt zu den Verwechslungsgefahren.

Erntezeit: Fast ganzjährig; Hauptzeit ist März bis Mai und September bis November. Im Winter lässt sich das Kraut an frostfreien Tagen schneiden.

Pflanzenteil: Das frische Kraut — die oberen 5–10 cm der Triebe mit Blättern, Knospen und Blüten. Mit Schere oder Messer abschneiden, damit die Pflanze nachtreibt; die unteren, älteren Stängelteile sind zäher.

Sammelregeln:

  • Nur Pflanzen ernten, die sicher bestimmt sind. Jede Handvoll Trieb für Trieb durchsehen, denn der Acker-Gauchheil wächst oft mitten im Vogelmierenpolster.
  • Nicht an Straßenrändern, nicht an gespritzten Feld- und Ackerrändern und nicht auf Hundewiesen sammeln.
  • Das Kraut vor der Verwendung gründlich unter fließendem Wasser waschen.

Verarbeitung & Haltbarkeit: Vogelmiere ist ein Frischkraut und welkt schnell. In einer Dose mit feuchtem Küchentuch hält sie sich im Kühlschrank ein bis zwei Tage. Für Tee wird das Kraut rasch im Schatten bei höchstens 40 °C getrocknet und luftdicht, dunkel gelagert; so hält es etwa ein Jahr.

Inhaltsstoffe

StoffgruppeVertreterBemerkung
Saponinepflanzliche SeifenstoffeGrund, warum das Kraut in Maßen gegessen wird
Flavonoidesekundäre Pflanzenstoffe der Blätter
VitamineVitamin Creichlich im frischen Kraut
MineralstoffeKalium, Magnesium, Zinkältere Aschenanalysen fanden reichlich Kaliumsalze
WeitereCumarine, Spuren ätherischen Öls, Oxalsäure

Saponine im Salatkraut: Die Vogelmiere enthält Saponine, Stoffe, die mit Wasser schäumen. In den Mengen, in denen das Kraut als Salat oder im Quark gegessen wird, spielen sie kaum eine Rolle; sie sind aber der Grund, weshalb die Vogelmiere als Beigabe und nicht als Hauptgemüse auf den Tisch kommt.

Saftiges Grün mit Mineralstoffen: Das zarte Kraut besteht zum größten Teil aus Wasser und bringt daneben Vitamin C und Mineralstoffe mit. In der Volksheilkunde galt sie deshalb als willkommenes frisches Grün in Monaten, in denen sonst wenig Frisches wuchs — als Wintersalat und als erstes Kraut der Frühjahrsküche.

Anwendung

Vogelmiere als Wildsalat (Nahrungsmittel)

Zubereitung: Eine bis zwei Handvoll frische, sorgfältig geprüfte und gewaschene Triebspitzen grob schneiden und unter Blattsalat mischen oder pur mit einer Vinaigrette aus Öl, Essig, etwas Senf und Salz anmachen. Erst kurz vor dem Servieren anmachen, damit das Kraut nicht zusammenfällt.

Überlieferung: Ein überlieferter Wintersalat — frisches Grün an frostfreien Tagen, wenn der Garten sonst nichts hergab.

Vogelmieren-Kräuterquark (Nahrungsmittel)

Zubereitung: Eine Handvoll gewaschene Vogelmiere fein hacken und mit 250 g Quark, einem Schuss Milch, Salz, Pfeffer und nach Geschmack etwas Schnittlauch verrühren. Auf Brot oder zu Pellkartoffeln reichen. Auch in Suppen kommt die Vogelmiere erst ganz zum Schluss hinein.

Überlieferung: Die einfachste Art, das milde Kraut in die Alltagsküche zu holen — als Brotaufstrich und Beigabe zur Kartoffelmahlzeit.

Frische Vogelmieren-Auflage (äußerlich)

Zubereitung: Eine Handvoll frisches, gewaschenes Kraut zwischen den Händen oder mit dem Nudelholz leicht zerquetschen, bis Saft austritt. Als dünne Schicht auf die Haut legen, mit einem sauberen Baumwolltuch abdecken und nach 15–20 Minuten oder sobald das Kraut warm geworden ist abnehmen. Nur auf unverletzte Haut legen.

Traditionelle Anwendung: bei juckender, geröteter und gereizter Haut — die überlieferte kühlende Auflage, die schon Culpeper beschrieb.

Vogelmierentee (innerlich und als Waschung)

Zubereitung: 2 Teelöffel getrocknetes oder einen gehäuften Esslöffel frisch gehacktes Kraut mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Alternativ als Kaltauszug: 2 Teelöffel getrocknetes Kraut mit zwei Gläsern kaltem Wasser ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen, abseihen und über den Tag verteilt trinken.

Dosierung: 1–2 Tassen täglich, über einige Wochen; keine Dauerkur.

Traditionelle Anwendung: innerlich als Frühjahrstee und bei festsitzendem Husten; abgekühlt als Waschung oder Kompresse auf gereizter Haut.

Sicherheit

Verwechslungsgefahr — der wichtigste Punkt: Die Vogelmiere hat einen giftigen Doppelgänger, den Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis). Die ganze Pflanze ist giftig, besonders die Wurzel; sie enthält unter anderem Saponine und das Triterpenoid Cyclamin. Nach dem Verzehr können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen auftreten, empfindliche Menschen reagieren schon bei Hautkontakt mit einem allergischen Ausschlag. Der Acker-Gauchheil wächst auf Äckern, in Gärten und Weinbergen — also genau dort, wo auch die Vogelmiere steht, oft mitten in ihrem Polster. So lassen sich beide unterscheiden:

  • Stängel: Vogelmiere — rund, mit einer einzelnen Haarleiste, die an jedem Blattpaar die Seite wechselt. Acker-Gauchheil — scharf vierkantig und kahl, ohne Haarleiste.
  • Blätter: Vogelmiere — die unteren kurz gestielt, Unterseite ohne Punkte. Acker-Gauchheil — alle Blätter sitzend, die Unterseite häufig mit kleinen schwarzen Drüsenpunkten.
  • Blüten: Vogelmiere — weiß, klein, fünf tief gespaltene Kronblätter, die wie zehn wirken. Acker-Gauchheil — einzeln an langen Stielen aus den Blattachseln, Kronblätter ungeteilt und meist orangerot, es gibt aber auch blau, lila oder weiß blühende Formen. Die Blütenfarbe allein ist deshalb kein sicheres Merkmal.
  • Junge Pflanzen ohne Blüte: Hier ist die Verwechslungsgefahr am größten, denn die Blättchen sehen sich sehr ähnlich. Jungpflanzen besonders sorgfältig prüfen: Haarleiste ertasten, Stängel auf Kanten prüfen, Blattunterseite ansehen.

Im Zweifel stehen lassen. Wer auch nur bei einem Trieb unsicher ist, sammelt an dieser Stelle nicht. Bei Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Kopfschmerzen nach dem Verzehr von Wildkräutern umgehend ärztliche Hilfe holen oder den Giftnotruf anrufen; bei schweren Beschwerden den Notruf 112 wählen. Reste der gegessenen Pflanze aufbewahren, damit sie bestimmt werden können.

Menge & Verträglichkeit: In üblichen Küchenmengen gilt die Vogelmiere als gut bekömmlich. Wegen der Saponine nicht in großen Mengen essen; wer einen empfindlichen Magen hat, beginnt mit kleinen Portionen.

Äußerliche Anwendung: Nur frisch gewaschenes Kraut auf unverletzte Haut legen, niemals auf offene oder nässende Wunden. Bei Rötung, Brennen oder Ausschlag durch die Auflage sofort abnehmen. Hautausschläge, die sich ausbreiten, nässen, mit Fieber einhergehen oder nach einigen Tagen nicht abklingen, ärztlich abklären lassen.

Sammelorte: Kraut von Straßenrändern, gespritzten Feldern und Hundewiesen kann mit Schadstoffen, Spritzmitteln oder Keimen belastet sein — dort nicht sammeln und jede Ernte gründlich waschen.

Schwangerschaft & Stillzeit: Vogelmiere nur als Salatkraut in üblichen Küchenmengen verwenden. Auf Tee-Kuren und größere Mengen in dieser Zeit verzichten oder sie vorher mit Hebamme oder Ärztin besprechen.

Kinder: Kinder nie allein Wildkräuter sammeln oder naschen lassen — gerade der Acker-Gauchheil sieht harmlos aus. Vogelmiere für Kinder nur aus eigener, sicher bestimmter Ernte und in kleinen Mengen.

Querverweise

Sammeln: Wildkräuter sammeln – Sammelregeln und die wichtigsten Verwechslungsgefahren auf einen Blick. Dazu im Blog: Wildkräuter im Mai sammeln, Frühjahrskur mit Wildkräutern und Bärlauch sicher sammeln.

Hausmittel: Quarkwickel – der kühle Wickel aus der Bauernküche, ein naher Verwandter der überlieferten Vogelmieren-Auflage auf erhitzter Haut.

Verwandte Kräuter: Brennnessel und Löwenzahn (Partner in der Wildkräuterküche des Frühjahrs), Bärlauch (ein weiteres Wildgemüse, bei dem die sichere Bestimmung alles ist) sowie Eibisch, Bockshornklee und Leinsamen – die Zutaten, mit denen Culpeper die Vogelmiere zum Breiumschlag band.

Heilsteine: Moosachat – der grüne „Pflanzenstein“, den die Steinheilkunde mit dem ersten Grün verbindet, sowie Mondstein, der Stein des Mondes, unter dessen Herrschaft Culpeper die Vogelmiere stellte.

Quellen & Literatur

  • Hieronymus Bock: „New Kreütter Buch“ — frühes deutsches Kräuterbuch der Renaissance; führt das Kraut als Auflage bei „hitzigen Wunden und Schäden“
  • Nicholas Culpeper: „The Complete Herbal“ — englisches Kräuterbuch des 17. Jahrhunderts, das die Vogelmiere dem Mond zuordnete
  • Gerhard Madaus: „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ (1938) — Standardwerk der biologischen Heilmittellehre mit Kapitel zur Vogelmiere und ihren regionalen Volksnamen
Heilpflanzen können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Die hier genannten Anwendungen ersetzen keinen Arztbesuch. Beachte die Sicherheitshinweise im Abschnitt „Sicherheit“.

Thema statt Pflanze suchen?

Alle Kräuter, Öle, Heilsteine und Hausmittel — geordnet nach 71 Themen.