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Kräuter

Kräuter · Brauchtum

Räuchern mit Kräutern und Harzen.

Vom Tempel bis zur Bauernstube: Kaum ein Brauch ist so alt wie das Verglimmen duftender Pflanzen. Hier stehen die überlieferten Methoden, die klassischen Räuchermittel und alles, was für ein sicheres Räuchern wichtig ist.

Ein Brauch so alt wie das Feuer

Schon in den Tempeln Ägyptens und Mesopotamiens stieg Weihrauch zu den Göttern auf. Der Name des Thymians erinnert noch daran: Er wird meist auf das griechische thymiama zurückgeführt, das Räucherwerk. Über die Kirche gelangte der Weihrauch in den Alltag, und im bäuerlichen Mitteleuropa wurde aus dem Tempelritus ein häuslicher Brauch. Getrocknete Kräuter aus dem Garten und vom Wegrand, Wacholderzweige und Fichtenharz aus dem Wald verglommen auf der Ofenplatte oder in der Räucherpfanne.

Geräuchert wurde zu festen Zeiten: in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig, beim Einzug in ein neues Haus, nach Krankheit im Haus und im Stall, wenn das Vieh im Herbst von der Weide kam. Man sagte dem Rauch nach, er reinige die Räume und halte Unheil fern. Heute steht für viele der Duft im Vordergrund – und das Gefühl, an einem Brauch teilzuhaben, der über Generationen weitergegeben wurde.

Drei überlieferte Methoden

Auf dem Räucherstövchen

Ein Stövchen mit feinem Metallsieb wird mit einem Teelicht erwärmt; die Kräuter liegen auf dem Sieb und geben ihren Duft langsam ab, ohne zu verbrennen. Diese Methode ist die sanfteste, erzeugt wenig Rauch und eignet sich besonders für zarte Blüten und Blätter wie Lavendel, Johanniskraut oder Königskerze. Eine kleine Prise genügt; verkohlte Reste werden mit einem Löffel abgenommen, bevor neue Kräuter nachgelegt werden.

Auf Räucherkohle

So wurde früher in Haus und Stall geräuchert. Eine selbstzündende Räucherkohle wird mit einer Zange gehalten, an einer Ecke entzündet und in eine feuerfeste Schale mit Sand gelegt. Sobald sie durchgeglüht und mit heller Asche überzogen ist, kommen Harze, Wurzelstücke oder Kräuter in kleinen Mengen darauf. Die Kohle erzeugt viel Rauch und hohe Temperaturen – für Harze wie Weihrauch und Myrrhe ist sie die übliche Methode.

Als Räucherbündel

Zu Bündeln gebundene, vollständig getrocknete Kräuter – etwa Beifuß, Salbei oder Wacholderzweige – werden an der Spitze entzündet, die Flamme wird ausgeblasen, und das Bündel glimmt weiter. Es wird stets über einer feuerfesten Schale gehalten und nach dem Räuchern in Sand ausgedrückt.

Räuchermittel im Überblick

Die folgende Übersicht nennt die klassischen Räucherkräuter und Harze mit Pflanzenteil, Duft und Überlieferung. Ein Klick führt zur Monografie mit Botanik und Sicherheitshinweisen.

Kräuter und Wurzeln
Räuchermittel Verwendeter Teil Duft Überlieferung
Beifuß blühende Triebspitzen herb-würzig, leicht bitter Sonnwend- und Rauhnachtkraut, „Mutter der Kräuter“
Salbei Blätter kräftig, würzig-harzig Haus- und Stallräucherung
Wacholder Zweige, Nadeln, Beeren harzig-frisch, knisternd Pest- und Stallräucherung, Rauhnächte
Alant Wurzel warm, süßlich, leicht kampferartig Mitte des Kräuterbuschens, Rauhnächte
Engelwurz Wurzel würzig-erdig, moschusartig Schutzräucherung in Pestzeiten
Johanniskraut Blüten, Kraut mild, heuartig zur Sommersonnenwende gesammelt, im Winter geräuchert
Thymian Kraut würzig, warm schon in der Antike Tempel-Räucherwerk
Rosmarin Nadeln frisch, kampferartig Kirchen- und Krankenzimmer-Räucherung
Lavendel Blüten blumig-frisch sommerliche Hausräucherung
Königskerze Blüten mild, honigartig Bestandteil des geweihten Kräuterbuschens
Harze und Hölzer
Räuchermittel Verwendeter Teil Duft Überlieferung
Weihrauch → Weihrauchöl Harz (Boswellia-Arten) zitronig-frisch bis balsamisch Kirchenräucherung, Rauhnächte
Myrrhe → Myrrhenöl Harz (Commiphora myrrha) bitter-warm, erdig Gabe der Heiligen Drei Könige
Fichtenharz → Fichtennadelöl Harz (Picea abies) harzig-warm, waldig der „Waldweihrauch“ der Bauernhäuser
Copal Harz (u. a. Protium, Bursera) hell, zitronig-frisch Räucherwerk der Maya und Azteken
Zirbe → Zirbenöl Holzspäne warm-harzig, süßlich Alpenländische Stuben- und Stallräucherung

Harze: Weihrauch, Myrrhe, Fichtenharz und Copal

Weihrauch ist das getrocknete Harz verschiedener Boswellia-Bäume aus Südarabien, Ostafrika und Indien. Über die Weihrauchstraße gelangte er ans Mittelmeer und wurde in Antike und Kirche zum wertvollsten Räucherwerk überhaupt. Auf der Kohle schmelzen die hellen Körner und verströmen einen zitronig-frischen bis balsamischen Duft. Aus demselben Harz wird das ätherische Weihrauchöl destilliert.

Myrrhe stammt von Commiphora-Sträuchern derselben Regionen. Ihr Duft ist bitterer und wärmer, und sie wird traditionell mit Weihrauch gemischt. Als Gabe der Heiligen Drei Könige gehört sie zum Dreikönigsfest, mit dem die Rauhnächte enden. Zur Monografie: Myrrhenöl.

Fichtenharz war das Räucherwerk der Bauernhäuser, die sich keinen Weihrauch leisten konnten – daher der Name „Waldweihrauch“. Harzsammler, die Pecher, ritzten im Alpenraum die Rinde von Fichten und Kiefern an und gewannen so Pech und Harz. Auf der Kohle duftet es warm nach Wald. Für das Räuchern wird nur Harz verwendet, das von selbst aus Wunden der Rinde ausgetreten und getrocknet ist; gesunde Bäume werden dafür nicht verletzt.

Copal ist ein Sammelname für Harze tropischer Bäume, in Mittelamerika vor allem von Protium- und Bursera-Arten. Bei Maya und Azteken war er das wichtigste Räucherwerk und wird in Mexiko bis heute zum Totenfest geräuchert. Sein Duft ist hell und zitronig.

Sicherheit beim Räuchern

Rauch enthält Feinstaub und reizende Stoffe – auch wenn er angenehm duftet. Für jedes Räuchern gilt deshalb:

  • Lüften: Während und nach dem Räuchern gut lüften. Den Rauch nicht direkt einatmen und nicht täglich in kleinen, geschlossenen Räumen räuchern.
  • Brandschutz: Nur auf feuerfester Unterlage räuchern, Abstand zu Vorhängen, Papier und Holz halten und Glut nie unbeaufsichtigt lassen. Räucherkohle nur mit Zange anfassen. Asche erst nach vollständigem Erkalten entsorgen.
  • Atemwege: Bei Asthma, chronischem Husten und Allergien auf das Räuchern verzichten oder vorher ärztlich abklären. Wer auf Korbblütler allergisch ist, meidet Beifuß, Alant und Kamille.
  • Kinder, Schwangerschaft, Stillzeit: Nicht in Räumen räuchern, in denen sich Säuglinge und Kleinkinder aufhalten. In Schwangerschaft und Stillzeit den Rauch meiden.
  • Haustiere: Nicht in Räumen räuchern, in denen Tiere leben. Katzen bauen viele Inhaltsstoffe ätherischer Öle nur schlecht ab, Vögel haben besonders empfindliche Atemwege – in Räumen mit Vögeln niemals räuchern.
  • Rauchmelder: Kräftiger Rauch kann Rauchmelder auslösen. Den Melder dennoch niemals abdecken oder abnehmen.

Wie in den Rauhnächten geräuchert wurde und welche Kräuter in die Pfanne kamen, erzählt der Beitrag Räuchern in den Rauhnächten.

Häufige Fragen

5
Was braucht man zum Räuchern?
Für das sanfte Räuchern genügt ein Räucherstövchen mit Metallsieb und Teelicht. Für Harze und kräftigere Räucherungen werden eine feuerfeste Schale mit Sand, Räucherkohle und eine Zange verwendet. Dazu kommen getrocknete Kräuter, Wurzeln oder Harze; eine Feder zum Verteilen des Rauchs gehört zum überlieferten Zubehör.
Stövchen oder Räucherkohle – was ist der Unterschied?
Auf dem Stövchen werden die Räuchermittel nur erhitzt; es entsteht wenig Rauch, und der Duft der Kräuter bleibt fein. Auf glühender Räucherkohle verglimmen sie dagegen schnell und mit viel Rauch – so wurde früher in Haus und Stall geräuchert, und so schmelzen auch Harze wie Weihrauch am besten. Kohle wird sehr heiß und braucht deshalb besondere Vorsicht.
Welche Kräuter eignen sich zum Räuchern?
Zu den klassischen heimischen Räucherkräutern gehören Beifuß, Salbei, Wacholder, Alant- und Engelwurzwurzel, Johanniskraut, Thymian, Rosmarin und Lavendel. Sie werden vollständig getrocknet verwendet. Von den Harzen sind Weihrauch, Myrrhe und das heimische Fichtenharz am gebräuchlichsten.
Ist Räuchern für Katzen und andere Haustiere gefährlich?
Ja, Haustiere reagieren empfindlich auf Rauch. Katzen können viele Inhaltsstoffe ätherischer Öle nur schlecht abbauen, und Vögel haben besonders empfindliche Atemwege. In Räumen, in denen Tiere leben, sollte deshalb nicht geräuchert werden – oder nur, wenn sie den Raum verlassen können und danach gründlich gelüftet wird.
Wie lange glüht eine Räucherkohle?
Eine selbstzündende Räucherkohle glüht etwa eine Stunde. Die Asche bleibt danach noch lange heiß. Sie wird erst nach vollständigem Erkalten entsorgt, am sichersten nach einigen Stunden in der Sandschale – niemals noch warm in den Mülleimer.
Heilpflanzen können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Die hier genannten Anwendungen ersetzen keinen Arztbesuch. Beachte die Sicherheitshinweise im Abschnitt „Sicherheit“.