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Garten-Ratgeber

Kräuter überwintern: So kommen Thymian, Rosmarin und Co. durch den Winter.

Thymian und Salbei trotzen dem Frost, Rosmarin und Basilikum brauchen einen geschützten Platz. Wie du deine Kräuter im Beet, im Kübel und im Haus gut durch den Winter bringst – und welche Fehler du dabei vermeidest.

Redaktion Altes Wissen
Kräuter überwintern: So kommen Thymian, Rosmarin und Co. durch den Winter
Auf dieser Seite8Abschnitte
  1. Wenn die Nächte frostig werden
  2. Winterhart oder frostempfindlich?
  3. Überwintern im Beet
  4. Überwintern im Topf und Kübel
  5. Drinnen überwintern: hell und kühl
  6. Der Rückschnitt im Frühjahr – und der Mond
  7. Typische Fehler beim Überwintern
  8. Sicherheit bei der Winterernte

Wenn die Nächte frostig werden

Im Oktober verändert sich der Kräutergarten. Die Melisse duftet nur noch, wenn die Mittagssonne auf sie fällt, die Kapuzinerkresse hängt nach der ersten kalten Nacht schlaff über den Beetrand, und der Rosmarin im Kübel steht da, als wüsste er, was kommt. Jetzt ist die Zeit, in der du entscheidest, welches Kraut draußen bleiben darf und welches einen geschützten Platz braucht.

Diese Frage ist so alt wie die Kräutergärten nördlich der Alpen. Als Karl der Große um das Jahr 800 im „Capitulare de villis“ festlegte, welche Pflanzen auf seinen Gütern zu ziehen seien, standen Salbei und Rosmarin mit auf der Liste – zwei Kinder des Mittelmeers, verpflanzt in ein raues Klima. Mönche und Bäuerinnen lernten über Generationen, was diesen Südländern den Winter schwer macht, und vieles von ihrem Erfahrungswissen gilt bis heute. Die wichtigste Lektion vorab: Die Mittelmeerkräuter gehen im Winter seltener an Kälte zugrunde als an Nässe.

Winterhart oder frostempfindlich?

Ob ein Kraut draußen überwintern kann, hängt von seiner Herkunft ab – und vom Boden, in dem es steht:

KrautWinterhärteWo es überwintert
Thymianbis etwa –15 °C bei guter Drainageim Beet, im Kübel mit Schutz
Lavendelbis etwa –15 °C bei gutem Wasserabzugim Beet, im Kübel mit Schutz
Salbeinicht ganz winterhart, braucht Schutzim Beet an geschützter Stelle, im Kübel mit Schutz
Melissean geschützten Standorten winterhartim Beet, zieht oberirdisch ein
Pfefferminze, Schnittlauchwinterhartim Beet oder Topf, ziehen ein
Wermutwinterhartim Beet
Rosmarinfrostempfindlich, draußen nur in milden Lagenim Haus, hell und kühl
Zitronenverbenefrostempfindlichim Haus, kühl und frostfrei
Basilikumsehr kälteempfindlichauf der hellen, warmen Fensterbank

Einjährige Kräuter wie die Kamille und die Ringelblume überwintern nicht als Pflanze, sondern als Samen. Lass ein paar Blütenköpfe ausreifen, dann säen sie sich von selbst aus und tauchen im Frühjahr wieder auf. Auch die Kapuzinerkresse ist bei uns eine Sommerpflanze, die der erste Frost dahinnimmt.

Überwintern im Beet

Die beste Vorbereitung beginnt schon beim Pflanzen: Thymian, Lavendel und Salbei brauchen einen durchlässigen, eher mageren Boden, in dem Regen- und Schmelzwasser rasch versickert. Staunässe ist ihr größter Feind. Ein schwerer, nasser Lehmboden bringt sie zuverlässiger um als jede Frostnacht.

Für den Winterschutz haben sich zwei einfache Materialien bewährt. Reisig von Fichte oder Tanne legst du locker über die immergrünen Halbsträucher. Es hält die grelle Wintersonne ab, bricht kalten Wind und bleibt dabei luftig, sodass nichts fault. Laub gehört dagegen an die Stauden, die im Winter einziehen: Um Melisse, Minze und Schnittlauch eine Handbreit hoch aufgeschichtet, schützt es den Wurzelbereich vor Kahlfrost, also vor strenger Kälte ohne schützende Schneedecke. Auf die Polster von Thymian und Lavendel gehört kein nasses Laub, darunter würden sie faulen. In vielen Gärten wandert bis heute nach Dreikönig der ausgediente Christbaum zerschnitten auf die Beete – Reisig, das ohnehin im Haus ist, und gerade rechtzeitig für die kältesten Wochen.

Der wichtigste Rat betrifft die Schere: Schneide im Herbst nicht zurück. Ein Rückschnitt im Oktober regt die Pflanze zu neuem Austrieb an, der bis zum Frost nicht mehr ausreift, und jede Schnittstelle lässt Nässe ins Holz. Die alten Triebe sind außerdem ein natürlicher Mantel für das Herz der Pflanze. Bei Salbei und Lavendel wartet der Schnitt bis zum Frühjahr, und auch bei den Stauden dürfen die abgestorbenen Stängel bis dahin stehen bleiben – in ihren hohlen Stielen überwintern zudem Insekten.

Überwintern im Topf und Kübel

Kräuter im Topf haben es schwerer als ihre Verwandten im Beet. Dort schützt die Erde ringsum die Wurzeln, im Kübel friert der Ballen von allen Seiten durch. Thymian, Salbei und Lavendel können trotzdem draußen bleiben, wenn du ihnen etwas hilfst:

  • Von unten isolieren: Stell den Topf auf ein Holzbrett, eine Styroporplatte oder Tonfüße, damit die Bodenkälte nicht direkt in den Ballen zieht und Wasser ablaufen kann.
  • Rundum einpacken: Ein Mantel aus Jute, Vlies, Kokosmatte oder Noppenfolie um den Topf hält den Ballen länger frostfrei. Die Pflanze selbst bleibt frei oder bekommt ein lockeres Vlies, nie eine dichte Folie, unter der sich Feuchtigkeit staut.
  • Nah ans Haus: An einer geschützten Hauswand, gern unter einem Dachvorsprung, ist es spürbar milder als mitten auf dem Balkon. Dicht zusammengerückte Töpfe schützen sich gegenseitig.

Unter dem Dachvorsprung lauert allerdings eine Gefahr, die oft unterschätzt wird: der Trockenfrost. Immergrüne Kräuter verdunsten auch im Winter Wasser über ihre Blätter, vor allem an sonnigen Frosttagen. Ist der Ballen gefroren oder ausgetrocknet, kommt kein Nachschub – die Pflanze vertrocknet, obwohl ringsum alles nach Winter aussieht. Gieß deshalb an frostfreien Tagen mäßig, sobald die Erde ein paar Zentimeter tief trocken ist. Wenig und selten, aber nicht nie: Das ist die Regel für den Kübel im Winter. Leere den Untersetzer, damit nichts im Wasser steht.

Drinnen überwintern: hell und kühl

Rosmarin und Zitronenverbene holst du in den meisten Gegenden ins Haus, sobald Nachtfröste angekündigt sind. Der Rosmarin, „Tau des Meeres“, wie ihn die Römer nannten, ist nördlich der Alpen immer ein Gast geblieben, der hinter Mauern und in Kübeln überwintert werden muss. Vielerorts stand er deshalb den Winter über im Topf in der Stube, und das nicht nur der Küche wegen: Weil seine Zweige auch in der kalten Jahreszeit nicht welken, band man aus ihnen Brautkränze und Gedenksträuße, als Sinnbild für Treue und Erinnerung. Robustere Sorten werden als winterhart angeboten; in rauen Lagen bleibt aber auch für sie der Kübel die sicherere Wahl.

Der ideale Platz ist hell und kühl, bei etwa 5–10 °C: ein unbeheiztes Treppenhaus mit Fenster, ein kühler Wintergarten, ein helles Gästezimmer mit abgedrehter Heizung. In der warmen Wohnstube treiben die Pflanzen lange, weiche, blasse Triebe, und Spinnmilben haben in der trockenen Heizungsluft leichtes Spiel. Gieß sparsam, aber lass den Ballen nie völlig austrocknen – gerade der Rosmarin zeigt Trockenheit erst, wenn es zu spät ist. Dünger braucht im Winter keines dieser Kräuter.

Die Zitronenverbene wirft im Winter oft ihre Blätter ab. Das ist kein Grund zur Sorge: Sie ruht als kahles Gehölz und treibt im Frühjahr spät, manchmal erst im Mai, aus dem Holz neu aus. Das Basilikum ist der Sonderfall unter den Küchenkräutern. Schon Nächte unter etwa zehn Grad setzen ihm zu, und wenn überhaupt, überwintert es am hellsten, warmen Fenster der Wohnung. Wie du Basilikum und andere Küchenkräuter dort ziehst, liest du im Beitrag Kräuter auf Balkon und Fensterbank.

Ein alter Gärtnerkniff für frisches Grün im Januar: Stich nach den ersten Frösten einen Ballen Schnittlauch aus dem Beet, setz ihn in einen Topf und stell ihn auf die Fensterbank. Der Kältereiz hat die Winterruhe beendet, und nach wenigen Wochen treiben frische Halme.

Der Rückschnitt im Frühjahr – und der Mond

Wenn im März oder April keine strengen Fröste mehr drohen, ist die Zeit für die Schere gekommen. Salbei und Lavendel schneidest du kräftig zurück, aber nur im beblätterten Bereich: Aus altem, kahlem Holz treiben beide kaum wieder aus. Beim Thymian genügt im Frühjahr ein leichter Schnitt; in Form hält ihn vor allem der Rückschnitt nach der Blüte. Bei Melisse und Minze räumst du die alten Stängel ab, sobald unten das neue Grün erscheint.

Wer nach dem Mondkalender gärtnert, legt den Schnitt in den abnehmenden Mond. In der Überlieferung, wie sie Johanna Paungger und Thomas Poppe gesammelt haben, ziehen sich die Säfte in dieser Phase nach unten zurück, und Schnittstellen sollen ruhiger verheilen. Für die Ernte der Blätter nennen dieselben Regeln dagegen den zunehmenden Mond. Wie die Schnittregel bei Gehölzen aussieht, beschreibt der Ratgeber Obstbäume schneiden nach dem Mond.

Typische Fehler beim Überwintern

  • Später Schnitt im Herbst: Wer im Oktober noch einmal kräftig schneidet, schickt die Pflanze geschwächt in den Winter.
  • Zu viel Wasser: Nasse Füße vertragen die Mittelmeerkräuter weder im Beet noch im Topf. Wurzelfäule kostet im Winter mehr Pflanzen als der Frost.
  • Zu wenig Wasser: Der vergessene Kübel unter dem Dach vertrocknet still.
  • Dichte Folie: Plastik direkt um die Pflanze lässt sie schwitzen und faulen.
  • Zu früh aufgegeben: Eine kahle Zitronenverbene sieht im Februar tot aus, ist es aber meist nicht. Kratz vorsichtig an einem Zweig: Ist es darunter grün, lebt er.
  • Zu früh hinaus: Kübel erst nach den letzten Nachtfrösten, nach alter Gärtnerregel nach den Eisheiligen Mitte Mai, ins Freie stellen und ein paar Tage im Halbschatten an die Sonne gewöhnen.

Sicherheit bei der Winterernte

Auch im Winter liefert der Kräutertopf am Fenster frisches Grün. Ein paar Punkte gehören dazu:

  • Nur Gesundes ernten. Blätter mit Schimmelbelag, Fäulnis oder Schädlingsbefall nicht verwenden. Prüfe Kübelpflanzen vor dem Einräumen auf Spinnmilben, Läuse und Schildläuse.
  • Keine Zierpflanzenmittel. Kräuter, die in der Küche landen, nur mit Mitteln spritzen, die ausdrücklich für Kräuter oder Gemüse zugelassen sind.
  • Salbei und Rosmarin in Schwangerschaft und Stillzeit. Beide nur in üblichen Küchenmengen als Gewürz verwenden. In der Schwangerschaft keinen Salbeitee und keine Salbeitinktur anwenden, in der Stillzeit keinen Salbeitee trinken. Rosmarin in arzneilichen Mengen, etwa als Tee-Kur, in Schwangerschaft und Stillzeit meiden.
  • Salbeitee nicht dauerhaft. Wegen des Thujons Salbeitee nicht länger als vier Wochen durchgehend trinken, danach mindestens zwei Wochen pausieren.

Die meisten Kräuter verzeihen dir einen kalten Winter. Nasse Füße und eine Schere im Herbst verzeihen sie selten.

Die Inhalte auf altes-wissen.org dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultiere bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt.