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Wissen · Historische Heilkundige

Jacobus Theodorus Tabernaemontanus.

um 1522–1590

Pfälzer Apotheker, Arzt und Botaniker des 16. Jahrhunderts, Schüler des Kräuterbuchautors Hieronymus Bock und Verfasser des „Neuw Kreuterbuch“, das noch 1731 neu aufgelegt wurde.

In 26 Monografien dieser Sammlung als Quelle zitiert.

Johanniskraut — botanische Illustration
Symbolbild: Johanniskraut aus dem Herbarium von Altes Wissen – keine Abbildung von Jacobus Theodorus Tabernaemontanus.

Leben

Sein Name ist eine Gelehrtenschöpfung. Geboren wurde er als Jakob Diether – manche Quellen schreiben Dietrich – in Bergzabern in der Pfalz, das auf Lateinisch „Tabernae Montanae“ hieß. Aus dem Familiennamen wurde Theodorus, aus dem Heimatort Tabernaemontanus. Als Geburtsjahr nennt die Neue Deutsche Biographie 1522; ältere Darstellungen setzen die Geburt zwischen 1520 und 1530 an. Die Familie gehörte zu den Leibeigenen.

Nach der Lateinschule lernte er in Weißenburg im Elsass den Apothekerberuf, in den 1540er-Jahren studierte er vermutlich in Frankreich Medizin. Prägend wurde die Begegnung mit Hieronymus Bock, der in Hornbach bei Zweibrücken wirkte und selbst ein Kräuterbuch verfasst hatte. Bock wurde ihm Lehrer und Freund; Tabernaemontanus half an der dritten Ausgabe von Bocks Kräuterbuch (1551) mit und bezeichnete sich noch 1588 im Vorwort seines eigenen Werks als dessen „Discipel“. Auf Bocks Empfehlung kam er 1550/51 als Arzt an den Hof des Grafen Philipp III. von Nassau-Saarbrücken, der ihn 1551 aus der Leibeigenschaft entließ.

Es folgten Jahre als Apotheker in Weißenburg und als Hofarzt des Speyerer Bischofs Marquard von Hattstein (1561–1580). 1562 schrieb er sich an der Universität Heidelberg ein, den Doktortitel führte er seit 1573. Von 1580 bis 1584 war er Stadtarzt in Worms und wirkte dort maßgeblich an einer neuen Apothekerordnung mit, die 1582 erschien. Ab 1585 arbeitete er als Arzt am „Collegium illustre“ in Neuhausen bei Worms. Er war dreimal verheiratet und hatte achtzehn Kinder. Tabernaemontanus starb 1590, je nach Quelle in Heidelberg oder in Neuhausen.

Werk

Sein Hauptwerk ist das „Neuw Kreuterbuch“. Schon 1552 suchte er einen Weg, es zu veröffentlichen; erst nach vielen Verzögerungen erschien der erste Teil 1588 beim Frankfurter Verleger Nikolaus Bassée. Den Abschluss erlebte er nicht mehr: Die beiden übrigen Teile gab 1591 der Marburger Mediziner Nikolaus Braun heraus. Zwischen erstem Plan und Druck lagen damit mehr als drei Jahrzehnte.

Das Kreuterbuch ist reich mit Holzschnitten illustriert. 1590 brachte Bassée die Abbildungen gesondert als „Eicones plantarum“ heraus – 2255 Holzschnitte mit lateinischen und deutschen Pflanzennamen, aber ohne den beschreibenden Text. Der kleinere Band war wohl als handliches Bilderbuch zum Bestimmen gedacht.

Daneben verfasste Tabernaemontanus Schriften über Fieber und Pest, gab das verbreitete Arzneibuch des Christoph Wirsung in neuen Ausgaben heraus und veröffentlichte 1581 den „Neuw Wasserschatz“ über Bäder und Mineralwässer. Dieses Buch machte die Quelle von Langenschwalbach, dem heutigen Bad Schwalbach, weithin bekannt; ihr Wasser hatte er schon 1569 seinem Dienstherrn, dem Bischof von Speyer, empfohlen.

Das Kreuterbuch überlebte seinen Verfasser um Generationen. Caspar Bauhin besorgte 1613 eine neue Ausgabe, dessen Enkel Hieronymus Bauhin 1664 eine weitere; die letzte erschien 1731 – fast anderthalb Jahrhunderte nach dem ersten Band.

Bedeutung für die Heilkunde

Tabernaemontanus schrieb als Apotheker und Arzt zugleich, und das prägt sein Buch. Die Neue Deutsche Biographie sieht in dem großangelegten Kompendium eine Zusammenfassung dessen, was die Kräuterbuchautoren des 16. Jahrhunderts angestrebt hatten: die Abkehr von den mittelalterlichen arabischen Autoritäten, die Hinwendung zu den Simplizien – den Arzneien aus einem einzelnen Naturstoff – und Abbildungen, die sich am lebenden Gewächs orientieren.

Die Ausgabe von 1588 beginnt mit dem Wermut: Die ersten zwanzig Seiten gehören ihm. Weiter hinten steht der Baldrian in einem gemeinsamen Kapitel mit dem Theriakkraut, überschrieben „Theriackkraut und Baldrian“. Was Tabernaemontanus über Kräfte und Gebrauch der Pflanzen schrieb, folgte der Arzneilehre seiner Zeit, wie Ärzte und Apotheker sie im 16. Jahrhundert lehrten.

Sein Einfluss reichte über den deutschen Sprachraum hinaus. Für John Gerards „Herball“, das 1597 in London erschien, griff der Verleger John Norton auf Hunderte der Frankfurter Druckstöcke zurück. So gelangten die Bilder des Pfälzer Kräuterbuchs in die englische Pflanzenliteratur. Noch heute steht das „Neuw Kreuterbuch“ in den Quellenverzeichnissen vieler Pflanzenmonografien – auch auf dieser Seite.

Einordnung aus heutiger Sicht

Die Lebensdaten sind nicht in jedem Punkt gesichert. Für die Geburt werden 1522 und 1525 genannt, für den Tod Heidelberg oder Neuhausen, und auch der eigentliche Familienname ist in mehreren Schreibweisen überliefert. Manche Darstellungen nennen neben Bock auch Otto Brunfels als seinen Lehrer; die Neue Deutsche Biographie führt nur Bock.

Auch das Werk selbst ist nicht in allen Teilen seines. Die Teile von 1591 erschienen nach seinem Tod, herausgegeben von Nikolaus Braun, und die Ausgaben der Bauhins wurden bearbeitet und erweitert. Bei Zitaten aus „dem Tabernaemontanus“ kommt es deshalb darauf an, welche Ausgabe gemeint ist. Ebenso waren nicht alle Holzschnitte neu: Ein Teil der Druckstöcke ging auf Vorlagen aus älteren Werken zurück, etwa von Pietro Andrea Mattioli und Rembert Dodoens – im Buchdruck jener Zeit eine verbreitete Praxis.

Sein Andenken blieb dennoch lebendig. 1884 setzte man ihm in Bergzabern einen Gedenkstein, 1975 erschien ein Nachdruck der Ausgabe von 1731, und mit der tropischen Gattung Tabernaemontana trägt eine ganze Pflanzengruppe seinen Namen.

In diesen Monografien zitiert

26

Kräuter: Baldrian · Bockshornklee · Engelwurz · Frauenmantel · Hagebutte · Himbeerblätter · Hopfen · Klette · Löwenzahn · Mutterkraut · Pfefferminze · Rosskastanie · Sauerampfer · Süßholz · Wegwarte · Weißdorn

Ätherische Öle: Fenchelöl · Fichtennadelöl · Kümmelöl · Majoranöl · Melissenöl · Pfefferminzöl · Salbeiöl · Sternanisöl · Wacholderöl · Weihrauchöl

Häufige Fragen

3
Wer war Tabernaemontanus?
Jacobus Theodorus Tabernaemontanus hieß eigentlich Jakob Diether, in manchen Quellen auch Dietrich, und stammte aus Bergzabern in der Pfalz. Er lernte den Apothekerberuf, studierte Medizin und arbeitete als Hof- und Stadtarzt, unter anderem für den Bischof von Speyer und in Worms. Sein Gelehrtenname ist von „Tabernae Montanae“ abgeleitet, der lateinischen Form seines Heimatorts.
Welches Werk machte Tabernaemontanus bekannt?
Sein Hauptwerk ist das „Neuw Kreuterbuch“, dessen erster Teil 1588 in Frankfurt am Main erschien. Die beiden übrigen Teile gab der Marburger Mediziner Nikolaus Braun 1591 nach seinem Tod heraus. Caspar Bauhin und später dessen Enkel Hieronymus bearbeiteten das reich mit Holzschnitten illustrierte Werk neu; die letzte Ausgabe erschien 1731.
Warum trägt eine Pflanzengattung seinen Namen?
Der französische Botaniker Charles Plumier benannte die Gattung Tabernaemontana zu Ehren des Kräuterbuchautors, Carl von Linné übernahm den Namen. Sie gehört zu den Hundsgiftgewächsen und umfasst Sträucher und kleine Bäume der Tropen. Die Benennung ist eine Ehrung; mit den Pflanzen seines Kräuterbuchs hat die Gattung nichts zu tun.

Quellen & Literatur

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