Ein Klassiker aus dem Bauerngarten
Die Ringelblumensalbe – auch Calendula-Salbe genannt – gehört zu den ältesten und bewährtesten Hausmitteln der europäischen Volksmedizin. Schon Hildegard von Bingen schätzte die Ringelblume (Calendula officinalis) für ihre heilenden Eigenschaften, und bis heute ist sie aus keiner naturheilkundlichen Hausapotheke wegzudenken.
Die goldgelben Blüten der Ringelblume enthalten Flavonoide, Triterpensaponine und ätherische Öle; die Volksheilkunde schrieb der Blüte seit jeher eine pflegende, besänftigende Art zu. In Form einer Salbe lassen sich diese Wirkstoffe besonders gut auf die Haut auftragen. Das Beste daran: Die Herstellung ist einfach und erfordert nur wenige Zutaten.
Was du brauchst
Zutaten
- 50 g getrocknete Ringelblumenblüten (aus der Apotheke, dem Kräuterladen oder aus eigenem Anbau)
- 200 ml hochwertiges Olivenöl (kaltgepresst, bio) oder Mandelöl
- 25 g Bienenwachs (in Pastillenform für leichteres Abmessen)
- Optional: 5 Tropfen Lavendelöl für zusätzliche Hautpflege und einen angenehmen Duft
Utensilien
- Schraubglas (500 ml) für den Ölauszug
- Kleiner Topf und hitzebeständige Schüssel (Wasserbad)
- Feines Sieb oder Mulltuch
- Saubere Salbentiegel oder kleine Gläser mit Deckel (30 bis 50 ml)
- Küchenwaage
- Holz- oder Glasstab zum Rühren
Schritt 1: Den Ölauszug herstellen
Der Ölauszug – auch Mazerat genannt – ist das Herzstück der Salbe. Er überträgt die Wirkstoffe der Ringelblume in das Trägeröl. Du hast zwei Möglichkeiten:
Kaltauszug (empfohlen)
Gib die getrockneten Ringelblumenblüten in das Schraubglas und übergieße sie vollständig mit dem Olivenöl. Die Blüten müssen komplett bedeckt sein, da sie sonst schimmeln können. Verschließe das Glas und stelle es an einen warmen, hellen Ort – aber nicht in die direkte Sonne. Schüttle das Glas täglich einmal.
Nach vier bis sechs Wochen ist der Kaltauszug fertig. Das Öl hat eine satte goldgelbe Farbe angenommen und duftet dezent nach Ringelblume.
Warmauszug (Schnellmethode)
Wenn du nicht warten möchtest, kannst du den Auszug im Wasserbad herstellen. Gib Blüten und Öl in eine hitzebeständige Schüssel und erwärme sie im Wasserbad bei maximal 60 Grad Celsius. Lass die Mischung unter gelegentlichem Rühren zwei bis drei Stunden sanft ziehen. Das Wasser darf nicht kochen – zu hohe Temperaturen zerstören wertvolle Wirkstoffe.
Schritt 2: Das Öl abseihen
Gieße den fertigen Ölauszug durch ein feines Sieb oder Mulltuch in ein sauberes Gefäß. Drücke die Blütenreste kräftig aus, um möglichst viel des wertvollen Öls zu gewinnen. Entsorge die ausgepressten Blüten im Kompost.
Das fertige Ringelblumenöl kannst du übrigens auch pur als Pflegeöl verwenden – es eignet sich hervorragend für trockene, rissige Hände und als Massageöl.
Schritt 3: Die Salbe anrühren
Jetzt wird aus dem Öl eine streichfähige Salbe:
- Bienenwachs schmelzen: Gib das Bienenwachs in eine hitzebeständige Schüssel und schmelze es im Wasserbad bei niedriger Hitze. Das dauert nur wenige Minuten.
- Öl zugeben: Sobald das Wachs vollständig flüssig ist, gieße langsam das Ringelblumenöl hinzu und rühre stetig mit einem Holzstab.
- Konsistenz prüfen: Gib einen Tropfen der Mischung auf einen kalten Teller. Wird die Salbe nach dem Erkalten zu fest, füge etwas mehr Öl hinzu. Ist sie zu weich, gib noch etwas Bienenwachs dazu.
- Ätherisches Öl zugeben: Wenn gewünscht, rühre jetzt das Lavendelöl unter. Erst bei einer Temperatur unter 40 Grad einrühren, damit die flüchtigen Duftstoffe nicht verdampfen.
- Abfüllen: Gieße die noch flüssige Salbe zügig in die vorbereiteten Tiegel und lasse sie bei Zimmertemperatur vollständig erkalten. Nicht in den Kühlschrank stellen – das kann zu einer ungleichmäßigen Konsistenz führen.
Schritt 4: Beschriften und lagern
Beschrifte jeden Tiegel mit dem Inhalt und dem Herstellungsdatum. Die fertige Ringelblumensalbe ist bei kühler, dunkler Lagerung sechs bis zwölf Monate haltbar. Im Kühlschrank hält sie noch länger. Achte darauf, die Salbe immer mit sauberen Fingern oder einem Spatel zu entnehmen, um Keimbelastung zu vermeiden.
Überlieferte Anwendungen
Die fertige Ringelblumensalbe galt in der Hausapotheke seit jeher als Allzweck-Tiegel für die Haut. Diese Anwendungen sind überliefert:
Für Hände und Knie
Traditionell kam die Salbe dünn auf kleine, zuvor gereinigte Schürfwunden, bei Bedarf unter einem Pflaster. Nicht auf offene, tiefe oder blutende Wunden auftragen – dafür ist ärztliche Versorgung nötig.
Trockene Haut im Winter
Besonders im Winter leiden Hände, Ellenbogen und Fersen unter Trockenheit. Die Ringelblumensalbe spendet Feuchtigkeit und bildet einen schützenden Film auf der Haut. Ideal als reichhaltige Nachtpflege für strapazierte Hände.
Nach einem langen Sonnentag
Nach altem Hausbrauch kam die Salbe auch auf kleine, oberflächliche Rötungen nach zu viel Sonne (Rötung ohne Blasenbildung) – aber erst, wenn die Hitze aus der Haut gewichen war. Erst auftragen, nachdem die Stelle ausreichend mit kaltem Wasser gekühlt wurde.
Für Sommerabende im Freien
An Sommerabenden tupfte man in vielen Familien einen dünnen Film Ringelblumensalbe auf Mückenstiche, gern zusammen mit einem gekühlten Quarkwickel.
Tipps für bessere Ergebnisse
- Eigener Anbau: Ringelblumen sind pflegeleichte Gartenpflanzen, die sich selbst aussäen. Ernte die Blüten an einem trockenen Vormittag, wenn der Morgentau abgetrocknet ist, und trockne sie an einem luftigen, schattigen Ort.
- Variationen: Statt Olivenöl kannst du auch Kokosöl (bringt eigene pflegende Eigenschaften mit) oder Jojobaöl (besonders lange haltbar) verwenden.
- Vegane Alternative: Ersetze das Bienenwachs durch Carnaubawachs oder Candelillawachs. Die Konsistenz wird etwas anders, am übrigen Rezept ändert sich nichts.
- Kräutermischung: Füge dem Ölauszug neben Ringelblumen auch etwas Kamille hinzu. Beide Blüten gehören in der Volksheilkunde seit jeher zusammen in den Salbentiegel.
Sicherheitshinweise
- Allergie-Check: Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler (z. B. Arnika, Kamille, Chrysanthemen) können auch auf Ringelblumen allergisch reagieren. Teste die Salbe vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle.
- Säuglinge und Kleinkinder: Nur die Grundsalbe ohne Lavendelöl, nur in dünner Schicht und nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis auftragen. Bei anhaltender Rötung im Windelbereich oder Anzeichen einer Pilzinfektion zur Kinderarztpraxis.
- Schwangerschaft: Lavendelöl in der Schwangerschaft nicht verwenden – dann nur die Grundsalbe ohne Lavendelöl auftragen.
- Nicht bei infizierten Wunden: Nur auf saubere, oberflächliche Wunden auftragen. Bei Anzeichen einer Infektion (starke Rötung, Eiter, Fieber) bitte zum Arzt.
- Hygiene bei der Herstellung: Alle Gefäße und Utensilien sollten sauber und trocken sein. Feuchtigkeit ist der größte Feind der Haltbarkeit.
Fazit
Ringelblumensalbe selber zu machen ist ein lohnendes Projekt, das dich mit einem vielseitigen Stück Hausapotheke belohnt. Die Herstellung braucht etwas Geduld – vor allem beim Kaltauszug – aber das Ergebnis ist eine hochwertige Salbe, die in Qualität und Frische jedes Kaufprodukt übertrifft. Ein wunderbares Geschenk, das von Herzen kommt.