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Hausmittel

Hausmittel · Rezeptur

Natron-Deo zum Selbermachen.

Der überlieferte Geruchsbinder aus der Speisekammer – als cremiges Deo mit Kokosöl und Stärke neu angerührt

Von Ralf Kluth · Zuletzt redaktionell geprüft:

Naturkosmetik Körperpflege Küche & Haushalt Hausapotheke
Altersgrenze
Nicht für Kinderhaut; vor der Pubertät (etwa 12 Jahre) nicht anwenden
Schwangerschaft
geeignet
Haltbarkeit
Im verschlossenen Glas kühl und trocken 2–3 Monate
Zutaten
5
Vor der Anwendung: Hinweise zu Sicherheit & Gegenanzeigen lesen
Natron-Deo zum Selbermachen — Illustration im Herbarium-Stil

Zutaten

Zutatenliste
Zutat Menge
Natron (Natriumhydrogencarbonat) Feines Lebensmittel-Natron aus dem Backregal, kein Waschsoda 2 EL
Speisestärke oder Pfeilwurzelmehl Bindet Feuchtigkeit und macht die Paste geschmeidig 2 EL
Kokosöl Natives Kokosöl, bei Zimmertemperatur streichfest 3 EL
Ätherisches Öl Optional, z. B. Lavendelöl; in der Schwangerschaft weglassen 5–10 Tropfen
Schraubglas oder Tiegel Ca. 100 ml, sauber ausgespült und vollständig trocken 1 Stück
Auf dieser Seite12Abschnitte
  1. 01 Häufige Fragen
  2. 02 Traditionelles Wirkverständnis
  3. 03 Basiswissen
  4. 04 Zutaten
  5. 05 Zubereitung
  6. 06 Anwendung
  7. 07 Sicherheit
  8. 08 Varianten
  9. 09 Haltbarkeit & Aufbewahrung
  10. 10 Quellen
  11. 11 Querverweise
  12. 12 Quellen & Literatur

Häufige Fragen

Wie stellt man ein Natron-Deo her?
Kokosöl im Wasserbad sanft verflüssigen, dann je zwei Esslöffel Natron und Speisestärke einrühren, bis eine glatte Paste entsteht. Wer mag, gibt zum Schluss fünf bis zehn Tropfen ätherisches Öl hinzu, etwa Lavendelöl. Die fertige Creme in ein sauberes, trockenes Schraubglas füllen und fest werden lassen.
Für wen ist das Natron-Deo geeignet?
Für Erwachsene und Jugendliche ab der Pubertät mit unempfindlicher, gesunder Haut. Vor der ersten Anwendung eine kleine Menge in die Armbeuge geben und 24 Stunden abwarten; auf frisch rasierte, gereizte oder verletzte Haut gehört die Paste nicht. Wer auf Natron empfindlich reagiert, wählt die mildere Variante mit halbiertem Natronanteil oder verzichtet ganz.
Warum gehört Natron traditionell zu den Mitteln gegen Gerüche?
Natron reagiert mild basisch und neutralisiert die flüchtigen Säuren, die entstehen, wenn Hautbakterien frischen Schweiß zersetzen – einfache Säure-Base-Chemie, die der Haushalt nutzte, lange bevor jemand sie erklären konnte. Vom offenen Natronschälchen im Eisschrank bis zum Pulver im Sonntagsschuh galt das weiße Salz im Hausgebrauch über Generationen als der Geruchsbinder schlechthin.
Wie lange hält sich das selbst gerührte Natron-Deo?
Im verschlossenen Glas, kühl und trocken gelagert, hält die Creme zwei bis drei Monate. Wasser darf nicht ins Glas gelangen, deshalb die Paste nur mit trockenen Fingern oder einem kleinen Spatel entnehmen. Riecht das Kokosöl ranzig oder verfärbt sich die Mischung, einen frischen Ansatz rühren.

Traditionelles Wirkverständnis

Hinweis: Die folgenden Beschreibungen beruhen auf überlieferten Traditionen der Hausmittel-Kunde. Sie ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

Frischer Schweiß riecht fast nach nichts. Erst wenn Hautbakterien ihn zersetzen, entstehen flüchtige Fettsäuren – Buttersäure, Essigsäure und ihre Verwandten –, die den typischen Geruch ausmachen. Genau hier setzt die Säure-Base-Chemie des Natrons an: Natriumhydrogencarbonat reagiert mild basisch und wandelt diese Säuren in geruchlose Salze um. Der Haushalt nutzte diese Eigenschaft, lange bevor jemand sie erklären konnte – das offene Natronschälchen im Eisschrank gehörte vielerorts zum Inventar wie das eingestreute Pulver im Sonntagsschuh. Von Generation zu Generation wanderte dieses Küchenwissen vom Backregal in die Hausapotheke, und bis heute greift mancher Haushalt zum weißen Salz, wenn etwas müffelt. Dem basischen Milieu sagte der Hausgebrauch außerdem nach, den geruchsbildenden Keimen den Boden zu entziehen.

Die übrigen Zutaten übernehmen das Handwerkliche: Die Speisestärke bindet Feuchtigkeit, das Kokosöl trägt das Pulver, macht die Paste streichfest und pflegt die Haut. Seiner Laurinsäure schreibt die Naturkosmetik-Tradition eine reinigende Art zu – ein Ruf, der dem Öl aus seiner langen Geschichte als Wasch- und Pflegefett der Tropenländer vorauseilt.

Wie groß das Vertrauen in das weiße Salz einmal war, zeigt seine Karriere im 19. Jahrhundert: Der Berliner Kaufmann August Wilhelm Bullrich verkaufte ab 1827 gereinigtes Natron in Papiertütchen, und sein „Bullrich-Salz” wurde zum Inbegriff des Universal-Hausmittels. Ab 1881 brachte die Bielefelder Firma Arnold Holste ihr „Kaiser Natron” in den Handel, dessen Beilagen Dutzende Verwendungen aufzählten – vom Backtrieb über das Putzen bis zur Körperpflege. Dass schon die Ägypter das Natron für Waschungen und für die Mumifizierung verwendeten, berichtet Herodot in seinen Historien.

Basiswissen

In der Speisekammer der Großeltern stand zwischen Mehlsack und Zuckerdose fast immer auch ein schlichtes Päckchen Natron – gekauft für ein paar Pfennige, gebraucht für beinahe alles: zum Backen, zum Putzen, gegen müffelnde Schuhe und dumpf riechende Eisschränke. Der Name des weißen Salzes führt weit zurück: Über das arabische naṭrūn und das griechische nítron reicht er bis ins Alte Ägypten, wo man das Sodasalz im Wadi Natrun westlich des Nildeltas gewann und für Waschungen und rituelle Reinigung verwendete.

Was im Haushalt Gerüche bindet, so die einfache Logik des Hausgebrauchs, taugt auch für die Achsel. Die Naturkosmetik hat den alten Geruchsbinder als Deo wiederentdeckt und rührt ihn mit Kokosöl und Speisestärke zu einer streichfesten Creme. Anders als ein Antitranspirant verschließt sie keine Poren – geschwitzt wird weiter; traditionell setzte man darauf, dass der Geruch gar nicht erst entsteht. Das Rezept kommt mit Zutaten aus der Küche aus und ist in zehn Minuten angerührt.

Zutaten

  • 2 Esslöffel Natron – Feines Lebensmittel-Natron (Natriumhydrogencarbonat) aus dem Backregal, der Drogerie oder Apotheke. Nicht zu verwechseln mit Waschsoda (Natriumcarbonat), das deutlich stärker basisch ist und nicht auf die Haut gehört.
  • 2 Esslöffel Speisestärke oder Pfeilwurzelmehl – Die Stärke bindet Feuchtigkeit und gibt der Creme ihre samtige, puderartige Anmutung. Pfeilwurzelmehl ist die klassische Wahl der Naturkosmetik, Bio-Maisstärke aus der Küche tut denselben Dienst.
  • 3 Esslöffel Kokosöl – Natives, kaltgepresstes Kokosöl ist bei Zimmertemperatur streichfest und trägt die Pulvermischung. Der Laurinsäure, die darin reichlich steckt, schreibt die Naturkosmetik-Tradition eine reinigende Art zu.
  • 5–10 Tropfen ätherisches Öl (optional) – Lavendelöl ist der überlieferte Duft der Wäschetruhe und passt gut zur Körperpflege; auch Teebaumöl wird in der Naturkosmetik gern sparsam beigegeben. Wer es schlicht mag, lässt die Creme ungeduftet.
  • 1 Schraubglas oder Tiegel (ca. 100 ml) – Sauber ausgespült und vollständig getrocknet.

Zubereitung

  1. Glas vorbereiten: Schraubglas und Rührlöffel mit kochendem Wasser ausspülen und beides vollständig trocknen lassen. Restfeuchte verkürzt die Haltbarkeit der Creme erheblich.
  2. Pulver mischen: Natron und Speisestärke in einer kleinen Schüssel gründlich vermengen. Klümpchen mit dem Löffelrücken zerdrücken oder die Mischung durch ein feines Sieb geben.
  3. Kokosöl verflüssigen: Das Kokosöl im Wasserbad bei schwacher Hitze erwärmen, bis es gerade eben flüssig ist – lauwarm genügt, es schmilzt schon bei etwa 25 °C.
  4. Verrühren: Das flüssige Öl nach und nach unter die Pulvermischung rühren, bis eine glatte, cremige Paste ohne Klümpchen entsteht.
  5. Beduften (optional): Zum Schluss 5–10 Tropfen ätherisches Öl einrühren und gleichmäßig in der Masse verteilen.
  6. Abfüllen: Die Paste in das vorbereitete Glas füllen und bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank fest werden lassen.

Anwendung

  • Menge: Eine erbsengroße Portion je Achsel genügt – mehr Creme bedeutet nicht mehr Frische, sondern nur mehr Rückstände auf der Kleidung.
  • Auftragen: Morgens nach dem Waschen auf die trockene Haut geben, mit den Fingerspitzen sanft einmassieren und vor dem Ankleiden kurz einziehen lassen.
  • Eingewöhnung: Der Haut anfangs einen Tag Pause zwischen den Anwendungen gönnen und beobachten, wie sie reagiert. Wer von herkömmlichen Produkten umsteigt, gibt der Umstellung traditionell zwei bis drei Wochen Zeit.
  • Nach der Rasur: Mindestens einen Tag warten – frisch rasierte Haut reagiert auf das basische Natron leicht gereizt.
  • Im Sommer: Bei großer Hitze wird die Creme weicher; bei Bedarf mittags eine kleine Menge nachlegen und das Glas im Kühlschrank lagern.
  • Was das Deo nicht ist: Ein Antitranspirant. Das Schwitzen selbst – die natürliche Kühlung des Körpers – wird nicht unterdrückt.

Sicherheit

  • Hauttest: Vor der ersten Anwendung eine kleine Menge der Creme in die Armbeuge geben und 24 Stunden abwarten. Bei Rötung oder Juckreiz auf das Deo verzichten.
  • Nicht auf gereizte Haut: Niemals auf verletzte, entzündete oder frisch rasierte Haut auftragen. Nach der Rasur mindestens einen Tag warten.
  • Reizungen ernst nehmen: Natron ist basisch und kann den Säureschutzmantel der Haut stören. Bei Brennen, Rötung oder Schuppung die Anwendung sofort beenden und auf die mildere Variante mit halbiertem Natronanteil ausweichen – oder ganz verzichten.
  • Augen und Schleimhäute: Kontakt vermeiden. Gerät Pulver oder Paste ins Auge, gründlich mit klarem Wasser spülen.
  • Ätherische Öle: Sparsam dosieren – höchstens 10 Tropfen auf die Rezeptmenge. In Schwangerschaft und Stillzeit die Creme ungeduftet anrühren oder die Ölauswahl mit Hebamme oder Ärztin absprechen.
  • Kinder: Vor der Pubertät nicht anwenden – das Deo ist für Kinderhaut nicht geeignet.
  • Kokosallergie: Bei bekannter Allergie gegen Kokos auf das Rezept verzichten oder das Kokosöl durch Sheabutter ersetzen.
  • Kleidung: Kokosöl kann Fettflecken hinterlassen. Die Creme vollständig einziehen lassen, bevor empfindliche Stoffe wie Seide oder Viskose getragen werden.
  • Arztbesuch: Plötzlich verstärktes Schwitzen, nächtliche Schweißausbrüche oder ein auffällig veränderter Körpergeruch gehören ärztlich abgeklärt – hier ist ärztlicher Rat gefragt, kein Deo.

Varianten

  • Deo-Spray: Einen Teelöffel Natron in 100 ml abgekochtem, abgekühltem Wasser auflösen und in eine saubere Sprühflasche füllen. Die schnellste Variante für unterwegs – im Kühlschrank aufbewahren und binnen einer Woche aufbrauchen.
  • Deo-Puder: Natron und Speisestärke zu gleichen Teilen trocken mischen und mit einer Puderquaste hauchdünn auftragen. Die älteste und schlichteste Form, ganz ohne Fett.
  • Milde Variante: Den Natronanteil halbieren und durch zusätzliche Stärke ersetzen; ein Teelöffel Sheabutter macht die Creme noch milder.
  • Mit Salbeitee: Für die Spray-Variante statt Wasser einen starken, abgekühlten Salbeitee verwenden – der Salbei galt in der Volksheilkunde als das Kraut für Tage, an denen der Körper mehr schwitzt, als ihm lieb ist. Im Kühlschrank nur wenige Tage haltbar.
  • Festes Deo am Stück: Einen Teelöffel Bienenwachs mit dem Kokosöl schmelzen und die Masse in eine kleine Form gießen. Ergibt einen festen Stift, der auch sommerliche Hitze übersteht.

Haltbarkeit & Aufbewahrung

  • Im Glas: Verschlossen, kühl und trocken gelagert hält die Creme 2–3 Monate. Ein dunkler Schrankplatz genügt; direkte Sonne meiden.
  • Sauber entnehmen: Nur mit trockenen Fingern oder einem kleinen Spatel in das Glas gehen. Gelangt Wasser hinein, verdirbt die Mischung deutlich schneller.
  • Sommerhitze: Ab etwa 25 °C wird das Kokosöl flüssig und die Bestandteile können sich absetzen. Das schadet der Creme nicht – im Kühlschrank wieder fest werden lassen und gegebenenfalls neu durchrühren.
  • Frische-Check: Riecht das Kokosöl ranzig oder verfärbt sich die Paste, den Ansatz entsorgen und frisch rühren.
  • Spray-Variante: Die Natronlösung mit Wasser hält im Kühlschrank höchstens eine Woche, mit Salbeitee nur wenige Tage.

Quellen

  • Herodot: Historien (5. Jh. v. Chr.) – Beschreibung der Natronverwendung im Alten Ägypten, vom Waschsalz bis zur Mumifizierung
  • August Wilhelm Bullrich, Berlin (ab 1827): gereinigtes Natron als „Bullrich-Salz”, im 19. Jahrhundert Inbegriff des Universal-Hausmittels
  • Arnold Holste, Bielefeld (ab 1881): „Kaiser Natron” mit Anwendungsempfehlungen vom Backen über das Putzen bis zur Körperpflege
  • Haus- und Wirtschaftsbücher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Natron als Geruchsbinder in Eisschrank, Schuhwerk und Wäschetruhe

Querverweise

  • Verwandtes Kraut: Salbei – In der Volksheilkunde das Kraut bei übermäßigem Schwitzen
  • Passendes Öl: Lavendelöl – Der überlieferte Duft der Wäschetruhe für die Deo-Creme
  • Passendes Öl: Teebaumöl – Sparsam dosierter Begleiter der Naturkosmetik
  • Passendes Öl: Salbeiöl – Das Destillat des Salbeis, in der Tradition den Schwitztagen zugeordnet
  • Verwandtes Hausmittel: Lavendelsäckchen – Überlieferter Wäscheduft aus dem Kräutergarten
  • Anwendung: Deo natürlich – Weitere überlieferte Wege der natürlichen Körperpflege
  • Anwendung: Gerüche neutralisieren – Hausmittel für frische Luft in Haushalt und Küche

Quellen & Literatur

  • Herodot: „Historien“ — antikes Geschichtswerk (5. Jh. v. Chr.), das die Natronverwendung im Alten Ägypten beschreibt
  • Gerhard Madaus: „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ — umfangreiches Standardwerk der biologischen Heilmittelkunde (1938)
  • Volkskundliche Überlieferung & regionale Hausbücher — Haus- und Wirtschaftsbücher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit Natron als Geruchsbinder im Haushalt
Hausmittel sind überliefertes Erfahrungswissen und ersetzen keinen Arztbesuch. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen suche bitte ärztlichen Rat.

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