Traditionelles Wirkverständnis
Hinweis: Die folgenden Beschreibungen beruhen auf überlieferter Gartenpraxis. Sie ersetzen keine Pflanzenschutzberatung.
Was in der Küche durchdringend riecht, sollte im Beet Ungebetene fernhalten – auf diese einfache Formel brachte der Bauerngarten seinen Knoblauchsud.
Der Geruch entsteht erst beim Zerkleinern. In der unverletzten Zehe liegen die geruchlose Vorstufe Alliin und das Enzym Alliinase getrennt voneinander; werden die Zellen zerstört, bildet sich das scharf riechende Allicin, das rasch zu Schwefelverbindungen wie Diallyldisulfid zerfällt. Auf diesen Geruch setzt die Gartenüberlieferung.
Bis heute steht der Knoblauchtee in Gartenratgebern neben Brennnesseljauche und Schachtelhalmbrühe, als Mittel zur Gesunderhaltung von Pflanzen, die zu Pilzkrankheiten neigen, etwa zum Echten Mehltau an Rosen und Gurken.1 Außerdem soll der scharfe Geruch Blattläuse von jungen Trieben fernhalten. Das Wissen um Pflanzen, deren Auszüge Krankheiten und Schädlinge abwehren sollen, ist alt.2
Den Gedanken, Felder mit Knoblauch zu schützen, kennt schon die römische Naturkunde. Plinius der Ältere beschrieb im 1. Jahrhundert eine wild auf den Feldern wachsende Knoblauchart, die man gekocht – damit sie nicht austrieb – über die Saat streute, um sie vor Vögeln zu bewahren; die Vögel, die davon fraßen, seien so benommen gewesen, dass man sie mit der Hand greifen konnte.3 Im selben Kapitel steht eine Mondregel: Um Knoblauch und seinen Verwandten den scharfen Geruch zu nehmen, solle man sie setzen, wenn der Mond unter dem Horizont steht, und ernten, wenn er mit der Sonne zusammensteht, also bei Neumond.4
Für die Schädlingsabwehr gibt ein heutiger Mondkalender für Haus, Garten und Landwirtschaft eine eigene Regel aus: Gegen Blattschädlinge wie Blattläuse und Milben soll man chemiefrei bei abnehmendem Mond vorgehen, am besten, wenn der Mond in einem Wasser- oder Blattzeichen steht (Krebs, Skorpion, Fische).5
Basiswissen
Knoblauchsud ist ein wässriger Auszug aus zerkleinerten Knoblauchzehen, der im Garten über Blätter gesprüht oder, als vergorene Jauche, verdünnt an die Wurzeln gegossen wird. Er ist ein Pflegemittel für Beet und Rosenbogen, kein Getränk.
Das Wort „Sud“ gehört zu „sieden“ und bezeichnet die beim Sieden entstehende Brühe, den Extrakt; geläufig ist es seit dem 15. Jahrhundert.6 Im Gartengebrauch heißt so jeder Knoblauchauszug, ob aufgebrüht, gekocht oder kalt angesetzt. Der Knoblauch selbst ist der „gespaltene Lauch“: Sein Name geht auf althochdeutsch klobalouh zurück, dessen erster Teil zu klieben, „spalten“, gehört – nach der in Zehen geteilten Zwiebel.7
Im „Capitulare de villis“, das Karl dem Großen zugeschrieben und um 800 datiert wird, steht der Knoblauch unter den Pflanzen, die in den Gärten der königlichen Güter wachsen sollten.8
Rechtlich zählen selbst angesetzte Pflanzenauszüge wie der Knoblauchsud zu den Pflanzenstärkungsmitteln, die allgemein der Stärkung und Gesunderhaltung der Kulturpflanzen dienen sollen und auch selbst hergestellt werden dürfen.9 Davon zu unterscheiden ist Knoblauchextrakt als Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel: Die EU hat ihn 2021 erneut genehmigt, befristet bis Ende Februar 2036, und nennt als Leitstoffe Schwefelverbindungen wie Diallyldisulfid.10 Pflanzenschutzmittel durchlaufen ein amtliches Zulassungsverfahren, und im Haus- und Kleingarten sind nur Mittel mit dem Aufdruck „Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“ erlaubt.11 Unter den genehmigten Grundstoffen, die wie Essig, Natron oder Zwiebelextrakt nach festen Vorgaben im Pflanzenschutz verwendet werden dürfen, steht Knoblauch nicht.12 Der Knoblauchsud gehört damit in die vorbeugende Pflege, nicht in die gezielte Bekämpfung eines Befalls.
Zutaten
Für einen Liter Aufguss genügen 70 g frische Knoblauchzehen und kochendes Wasser; dazu kommen ein Gefäß mit Deckel, ein feines Sieb und eine beschriftete Sprühflasche.
| Zutat | Menge | Hinweis |
|---|---|---|
| Frische Knoblauchzehen | 70 g | Etwa eine große Knolle, grob gehackt oder angedrückt; auch kleine oder angetriebene Zehen aus dem Vorrat |
| Wasser | 1 Liter | Kochend; am besten Regenwasser, sonst abgestandenes Leitungswasser |
| Gefäß mit Deckel | 1 Stück | Hitzefest, zum Beispiel aus Glas oder Keramik |
| Feines Sieb oder Tuch | 1 Stück | Zum Abseihen, damit die Sprühdüse nicht verstopft |
| Sprühflasche | 1 Stück | Sauber und deutlich beschriftet – keine Getränkeflasche |
| Haushaltshandschuhe | 1 Paar | Für das Zerkleinern und Abseihen |
Zubereitung
Für den Aufguss kommen 70 g zerkleinerte Zehen auf 1 Liter kochendes Wasser; der Ansatz zieht mehrere Stunden und wird danach unverdünnt gesprüht.13
- Zerkleinern: Die Zehen mit Handschuhen grob hacken oder mit der Messerklinge andrücken. Schälen ist nicht nötig, die Häute werden später abgeseiht.
- Übergießen: Den Knoblauch in das hitzefeste Gefäß geben, mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und den Deckel auflegen.
- Ziehen lassen: Den Ansatz mehrere Stunden zugedeckt an einem schattigen Ort stehen lassen, außer Reichweite von Kindern und Haustieren.
- Abseihen: Den abgekühlten Sud durch ein feines Sieb oder ein Tuch gießen, damit keine Stückchen die Sprühdüse verstopfen. Die Zehenreste kommen in den Kompost.
- Abfüllen und beschriften: Den Sud in eine saubere Sprühflasche füllen und mit Inhalt und Datum beschriften.
Anwendung
Gesprüht wird der abgekühlte Sud unverdünnt über die gefährdeten Pflanzen, und zwar vorbeugend: früh im Jahr und mehrmals in der Saison. Für alle Anwendungen gelten die Grenzen im Abschnitt „Sicherheit“.
- Zeitpunkt: Pflanzenauszüge werden möglichst frühzeitig und in der Regel mehrfach ausgebracht, zur allgemeinen Stärkung der Pflanzen.14 Im Bauerngarten sprüht man deshalb schon die jungen Rosentriebe und Gurkenranken und erneuert den Sud nach kräftigem Regen.
- Wetter: Am besten eignen sich trübe Tage ohne pralle Sonne.15
- Pflanzen: Traditionell besprüht werden Rosen, Gurken und andere Pflanzen, die zu Echtem Mehltau neigen. Blattober- und -unterseiten und die Triebspitzen gleichmäßig benetzen, bis die Blätter feucht glänzen.
- Probe: Vor der ersten Anwendung an einer neuen Pflanzenart einige Blätter besprühen und ein bis zwei Tage beobachten, ob das Laub den Sud verträgt. Offene Blüten aussparen.
- Jauche: Die vergorene Knoblauchjauche (siehe Abschnitt „Varianten“) wird nicht über die Blätter gesprüht, sondern 1:10 verdünnt an den Boden gegossen.
- Grenzen: Die Wirkung von Pflanzenauszügen ist oft nicht mit der zugelassener Pflanzenschutzmittel vergleichbar; starken und fortgeschrittenen Befall halten sie nicht ausreichend in Schach.16 In einem mehrjährigen Versuch an Oregano, Thymian und Zitronenmelisse ließen sich günstige Ergebnisse, die Knoblauchextrakte in Vorversuchen an Einzelpflanzen gegen tierische Schädlinge gezeigt hatten, nicht wiederholen.17 Was über die vorbeugende Pflege hinausgeht, bleibt Gartenüberlieferung.
Sicherheit
Knoblauchsud ist ein Gartenmittel und kein Getränk; Kinder, Hunde und Katzen bleiben von Ansatz, Sprühflasche und Zehenresten fern.
- Nicht zum Verzehr: Sud und Jauche außer Reichweite von Kindern ansetzen und aufbewahren, das Gefäß mit Inhalt und Datum beschriften und nie in Getränkeflaschen oder Lebensmittelgläser füllen. Hat ein Kind davon getrunken, den Giftnotruf anrufen.
- Hunde und Katzen: Knoblauch gehört für Haustiere zu den gefährlichen Lebensmitteln.18 Ansatz und Jauche abgedeckt stehen lassen und Zehenreste nicht offen liegen lassen. Hat ein Tier vom Sud oder von den Resten gefressen, sofort die Tierarztpraxis anrufen.19
- Haut und Hände: Beim Zerkleinern und Abseihen Haushaltshandschuhe tragen. Häufiger Hautkontakt mit Knoblauch kann ein allergisches Kontaktekzem auslösen, mitunter schwer; beschrieben ist das vor allem bei Menschen, die beruflich viel mit Knoblauch umgehen.20 Frischer, zerdrückter Knoblauch kann auf der Haut außerdem Verätzungen mit Blasen verursachen.21
- Allergie: Wer auf Knoblauch allergisch reagiert, setzt den Sud nicht an und versprüht ihn nicht; empfindliche Menschen können auch auf Zwiebel oder Tulpe reagieren.22
- Augen und Sprühnebel: Nicht gegen den Wind und nicht in Gesichtshöhe sprühen. Spritzer im Auge sofort mit viel klarem Wasser ausspülen.
- Bienen und Nützlinge: Den Sud nicht auf blühende Pflanzen oder in den Bienenflug bringen (Vorsichtsregel der Redaktion).
- Gemüse, Obst und Kräuter: Besprühtes Erntegut vor dem Essen gründlich waschen, denn manche Pflanzenauszüge können Rückstände im oder auf dem Erntegut hinterlassen.23
- Gewässer: Bei Knoblauchextrakt gilt besondere Aufmerksamkeit dem Risiko für Wasserorganismen.24 Reste und Bodensatz deshalb auf den Kompost geben, nicht in Gartenteich, Bach oder Gully.
Varianten
Neben dem Aufguss kennt die Gartenpraxis die gekochte Brühe, den kalten Auszug und die vergorene Jauche.25
- Gekochte Brühe: Die zerkleinerten Zehen 24 Stunden in kaltem Wasser ziehen lassen, am nächsten Tag 15 bis 30 Minuten leicht kochen, erkalten lassen und abseihen.26 Als Menge dient dieselbe wie beim Aufguss, 70 g auf 1 Liter.
- Kalter Auszug: Die zerkleinerten Zehen in kaltes Wasser legen, 12 bis 24 Stunden ziehen lassen, dann abseihen und meist unverdünnt sprühen.27 Auch hier dient die Menge des Aufgusses als Richtwert.
- Knoblauchjauche: 500 g zerhackte Zehen in 10 Liter Wasser ansetzen und zwei bis drei Wochen gären lassen; einmal täglich kräftig umrühren. Die fertige Jauche 1:10 mit Wasser verdünnt an den Boden gießen.28 Kein Gefäß aus Metall verwenden und das Fass mit einem Gitter oder Netz abdecken, damit keine Tiere hineinfallen.29 Riecht die Jauche zu stark, wird eine Handvoll Steinmehl untergerührt.
Haltbarkeit & Aufbewahrung
Aufguss, Brühe und kalter Auszug werden frisch verbraucht, am besten innerhalb von 24 Stunden; nur die vergorene Jauche hält abgedeckt die ganze Saison.
- Aufguss, Brühe und kalter Auszug: Selbst angesetzte Auszüge schwanken in ihrem Gehalt und sind nur begrenzt haltbar.30 Für den nah verwandten Zwiebelsud, einen genehmigten Grundstoff, ist vorgegeben, den gefilterten Heißwasserauszug innerhalb von 24 Stunden aufzubrauchen.31 An diese Frist hält sich auch der Knoblauchsud am besten.
- Jauche: Die fertig vergorene Jauche hält die ganze Saison; das Gefäß dann mit einem Deckel verschließen oder die Jauche in Behälter abfüllen.32
- Aufbewahrung: Schattig, kühl und abgedeckt, in beschrifteten Gefäßen und außer Reichweite von Kindern und Haustieren.
- Verdorben: Riecht ein Aufguss faulig oder setzt er Schimmel an, gehört er auf den Kompost.
Querverweise
- Kraut: Knoblauch – Botanik, Anbau und Ernte der Zwiebel, aus der der Sud angesetzt wird
- Hausmittel: Brennnesseljauche – der zweite Klassiker unter den selbst angesetzten Gartenauszügen
- Mondgarten: Säen & Pflanzen nach dem Mond – Blatt-, Frucht-, Wurzel- und Blütentage im Gartenjahr
- Mondgarten: Abnehmender Mond – was die Überlieferung der Zeit des abnehmenden Mondes zuschreibt